Mai 252015
 
GPS Logo

Ein gutes Angebot in den lokalen Elektromärkten hat mich vor 2 Wochen überraschend dazu verleitet, mir das hübsche weiße Microsoft Lumia 640 Smartphone mit Windowsphone 8.1 zu kaufen. Als Fairphoner bin ich selbst nicht 100% einverstanden mit einem solchen Kauf, aber das Lumia 640 ist wirklich gut.
Techtalk: Ausschlaggebend war auch, daß ich seit langem gerne ein besseres Display gehabt hätte und beim Fairphone aufgrund der veralteten 1GB Systempartition diverse ärgerlichen Probleme bestanden. Das Umpartitionieren hatte ich zu lange vor mir hergeschoben, und beim vorübergehenden Update auf 1.8 war es deaktiviert worden. Seit dem lange auf sich warten lassenden Update 1.8.5. ist es nun wieder möglich, und ich habe es endlich durchgeführt. Folge: Fairphone++

Hinweis: Dieser Artikel stellt keinen Testbericht dar, sondern wird als “Erlebnisbericht” aus Sicht eines Langzeit-Android Users ohne Windows Ambitionen fortgeschrieben. Vielleicht hat mich das Windowsphone deshalb so positiv überrascht, weil ich als Anti-Windows User gar nicht damit gerechnet hatte. In gewisser Weise werden hier zudem Äpfel mit Birnen verglichen: zum einen zwei Smartphone Betriebssysteme, zum anderen zwei konkrete Geräte. Die Punkte im Artikel sind also subjektiv und rein qualitativ zu verstehen. Eine Allgemeingültigkeit ist nicht ableitbar. Wer sich wirklich dafür interessiert, sollte unbedingt selber testen und eigene Erfahrungen sammeln.
Fairphone 1 vs. Microsoft Lumia 640

Fairphone 1 vs. Microsoft Lumia 640

Mein subjektiver Vergleich

Es folgt eine Liste dessen, was mir charakteristisch für die beiden Smartphones und deren Systeme (basierend auf den jeweils genannten Versionen) erscheint.

Kriterium Windowsphone 8.1 / Lumia 640 Android 4.2 / Fairphone
OS ++ Windowsphone ist schnell, schlank und gut konfigurierbar. Die Konfiguration ist geschickt, logisch und verständlich. Einstellungen sind schnell auffindbar. Das Gerät funktioniert ohne weiteres Tricksen (beispielsweise komplizierte GPS Settings, EPO, A-GPS, …) wunschgemäß. Achtung, Windowsphone macht Spaß. 0 Android braucht mehr Zeit zum Starten und Stoppen und ist als ganzes komplizierter. Vergleicht man die Konfiguration bei beiden Systemen, dann wirkt Android zuweilen überkompliziert, verkopft, redundant oder gar unverständlich. Android hat den höheren Nervfaktor.
Updates + Bei den Apps weniger oft vorkommend. Beim System angeblich durch Microsoft, nicht durch den Provider oder Hersteller gesteuert, vergleichbar zu den Google Nexus Geräten. Ob die Hoffnung berechtigt ist, daß auch ältere Geräte länger und regelmäßiger mit OS Updates versorgt werden, kann ich nicht abschätzen. Bei den Apps kommen häufig reihenweise Updates. Das kann zuweilen nerven. Beim OS hängt es vom Hersteller des Gerätes, vom Hersteller des Chipsatzes und/oder vom Mobilfunkprovider ab. Die Wahrscheinlichkeit, mit einem preisgünstigeren Gerät schnell abgehängt zu werden ist gross.
SIM Verwaltung ++ Windowsphone integriert die SIM Steuerung bessers ins System. Beispielsweise kann die SIM Pin übersprungen und später nachgeholt werden. Beim Verlassen des Flugmodus müssen die SIM PINs nicht neu eingegeben werden. Die Datenlimit Verwaltung erscheint wesentlich klarer als beim Fairphone. Mit der Einstellung einer APN hat man nichts zu schaffen. Davon bekommt man auch nichts mit. Das regelt sich automatisch. Im Endeffekt beschränkt sich das Thema (Dual-)SIM beim Windowsphone auf Reinstecken und los. 0 Bei Android scheint die SIM Verwaltung als eigenes parallel laufendes Subsystem zu arbeiten. Die PIN Eingabe kommt asynchron während des Systemstarts und ist nicht überbrückbar. Ein Deaktivieren einer SIM im Flugmodus (oder Fairphone Peace of Mind Widget) erfordert eine neuerliche PIN Eingabe. Die SIM Verwaltung scheint nicht so gut ins System integriert zu sein.
Speicherverwaltung 0 Die meisten Apps lassen sich auf SD Karte verschieben. Leider gilt dies nicht für die Kartendateien von Here Maps und Here Drive. Und bei einigen Apps besteht der Herausgeber auf Installation im internen Speicher. Das Speicherlayout ist klar und einfach, hier gibt es keine Fragen. Installationspräferenz für Apps, Bilder, Daten usw. ist wunderbar und einfach einstellbar. Im Lumia 640 sind nur 8GB, davon sind schnell mal 6GB belegt, wenn man Karten für einige EU Länder herunterlädt. Der interne Speicher scheint sich bei einigen auf SD Karte installierten Apps zu verringern, bei anderen nicht. Die Live Kacheln funktionieren auch bei SD-Apps einwandfrei. Weder interner Speicher noch SD Karte lassen sich ohne weiteres als Massenspeicher am Linux PC mounten. Das wertet es für mich ab. 0 Je nach OS Version, Hersteller, … hat man u.U. eine Partitionierung des internen Speichers, die weder intuitiv klar, noch irgendwie hilfreich ist. Meine Android Geräte liessen sich dafür immer problemlos per USB als Massenspeicher mounten. Relativ viele Apps sind nicht auf SD Karte installierbar. Gewisse Funktionen, insbes. Widgets stehen nicht zur Verfügung, wenn eine App auf SD Karte installiert ist.
Oberfläche + Man denkt erstmal an ein bunt gefliesstes Badezimmer, bemerkt dann das Zucken der Live Kacheln, die ihren Inhalt mehr oder weniger sinnvoll anpassen und entdeckt dann die Features App-Folder, Präferenz-Farbe und Hinterlegung mit einem Foto. Spät. dann sieht man es positiv und erfreut sich an der Ordnung. Man bringt auf einem Screen mehr Funktionalität sinnvoll unter als mit einem typischen Android Icon Desktop. Will man allerdings irgendeine besondere oder individuelle Desktop Alternative, dann hat man wohl wenig Möglichkeiten. 0 Der klassisch bunte Icon- und Widget-Desktop von Android hat m.E. ausgedient, weil unübersichtlich und chaotisch. Dennoch findet man auch aktuell noch dieses Konzept. Android bietet unzählige Launcher zur Auswahl, so daß man mit zeitaufwendigem Experimentieren sicherlich was passendes und besseres findet. Das bedeutet natürlich Meta-Aufwand, also erstmal unproduktives Rumwurschteln. Insbes. beim Rücksetzen und Wiederherstellen des Gerätes ist das noch Extra Gefuddel.
Bloatware/Root ++ Super: sämtliche unerwünschte Apps können problemlos deinstalliert werden. Dazu ist kein Root nötig. Das war ein echtes Aha Erlebnis. Geht doch! Android Nervpunkt: tonnenweise App-Müll, den man nicht loswird, sofern man das Gerät nicht mühsam rootet. Das Fairphone ist ab Werk gerootet und sehr vernünftig (sprich: mager) mit Apps vorinstalliert. Bei anderen Androiden ist dies nicht selbstverständlich. Ein Android Smartphone ohne Root bzw. mit komplizierter Root Prozedur würde ich deshalb inzwischen nicht mehr kaufen.
Alltägliche Bedienung 0 Das System ist sehr schlüssig bedienbar und macht sofort Spaß. Die notwendigen Einstellungen und Bedienschritte sind logisch angeordnet. Auf ohnehin selbstverständliche Einstellungen verzichtet das System. Beispiel: Bluetooth Koppelung: die Sichtbarschaltung des Gerätes erfolgt automatisch, wenn man im Bluetooth Menü ist. Allerdings empfinden es technische User manchmal als Bevormundung, wenn man ihnen erwartete Optionen gar nicht zur Verfügung stellt. Tastatur: wer viel mit Text macht, wird von der Windowsphone Standardtastatur und dem Texteditor sehr enttäuscht sein. Textkorrekturen und Cut&Paste sind grauenvoll fummlig gelöst oder gar nicht erst möglich. Da muß nachgebessert werden.
Das im Alpha Stadium befindliche zentrale Spracheingabe-Nutzerinterface Cortana ist gut brauchbar in Bezug auf ganz konkrete Office-Aufgaben: Termine anlegen oder löschen, SMS diktieren oder vorlesen, diverse – auch kompliziertere – Office Tasks. Als universelles Benutzerinterface fehlt Cortana noch die geheimnisvolle DWIM Intelligenz und Verständnisfähigkeit, die man von Google gewohnt ist. Bei freien Anfragen bekommt man meistens nur ein paar Weblinks hingeworfen.
+ Android bietet richtig viele Optionen an, es schmeißt einen damit zu. Manchmal hat man den Eindruck, redundante Einstellungen machen zu müssen. Der Eindruck maximaler Kontrolle geht unter im Verschüttetwerden.
Die Android Texteingabe ist der Windowsphone Texteingabe überlegen. Editieren sowie Cut&Paste sind meist gut verwendbar.
Google Now mit dessen ‘Ok Google’ Sprachsteuerung ist Cortana überlegen und liefert auch bei freien Spracheingaben oft erstaunlich gute Ergebnisse, kommt sogar auf den Punkt und liest die gewünschten Informationen gleich vor. Auch die Naviadresseingabe ist fast narrensicher. Da hat Cortana noch großen Nachholbedarf. Ein Beispiel: “wann ist das nächste Bayernspiel” liefert bei Google exakt die Wunschinformation, gleich angenehm vorgetragen. Bei Cortana bekommt man eine Liste mehr oder weniger passender Weblinks, wo man selbst nachschauen muß.
Navi + Das Lumia 640 bietet serienmäßig die Here Drive App an. Benötigte Karten lassen sich vorab länderweise downloaden, so daß das System auch ohne Datenverbindung stets funktionsfähig ist. Hat man jedoch eine Datenverbindung, so kann das System ggfs. weitere Echtzeitinformationen anzeigen. Die Navigation funktioniert gut, und auch Tempolimits werden angemahnt. Zudem kann Here Drive bevorzugte Routen auswerten und verwenden, wenn es die Möglichkeit hat, solche Daten zu sammeln. Das einzige große Manko dieser sehr guten Applikation: textuelle Adresseingabe ist eine Katastrophe. Gültige Adressen werden grundlos nicht erkannt und somit nicht als Routingziel angeboten. Besser geht es via Cortana mit mündlicher Eingabe, aber dies scheitert zu oft an fehlerhafter Sprachanalyse oder unklarer Ansageform und bedarf zudem einer Datenverbindung. Das ist sehr schade, denn die Here Drive Navi Applikation ist eine der Stärken des WindowsPhone. Übrigens gibt es Here Drive auch als Android Applikation. Dies wäre eine Empfehlung für eine Offline Navi App am Android Smartphone. + Google Maps als Navigation ist bekanntermassen gut. Entweder man benötigt stets eine Datenverbindung, oder man lädt vorab die erforderlichen Kacheln aufs Handy und hofft, in deren Bereich zu bleiben und kein Rerouting zu benötigen. Offline ist das ganze etwas umständlich, Rerouting ist nicht möglich. Mit Datenverbindung funktioniert es immer tadellos, hat aber nicht alle Features von Here Drive. Adresseingaben sind problemlos, wahlweise gesprochen oder getippt. Die Möglichkeit, Karten länderweise aufs Handy herunterzuladen und damit rein offline zu navigieren ist nicht vorhanden.
Maps + Mit Here Maps und dessen Live Sight hat man serienmäßig eine interessante Lokalisierungs-App, die durch die Kamera eine Orientierungskarte und umliegende POIs anzeigt, welche anklickbar sind für nähere Info. Man peilt also an, wo man hingehen will. Vorinstalliert bietet Microsoft allgemein gute Landkarten-Features, die Google Maps auf den ersten Blick nicht vermissen lassen. Super ist die Download-Möglichkeit der Karten.
Wer OSM (auch offline) nutzen will, findet einige interessante und funktionierende Tracking Apps, auch Sport Apps wie Endomondo oder Runtastic stehen zur Verfügung. Mir persönlich fehlt allerdings ein Schweizer Messer wie Oruxmaps. Das GPS des Lumia 640 scheint jederzeit problemlos und mit schnellem Satfix zu arbeiten.
++ Über Google Maps oder Google Earth mit Google Streetview muß man nicht viel schreiben. Es ist in erster Linie eine Online-Applikation mit eingeschränkten Offline-Features. Wünsche bleiben dabei ansonsten m.E. keine offen. Im Bereich OSM und Sporttracking Apps ist alles zu finden, was man sich vorstellen kann, auch kostenlos und werbefrei als Spendenware.
Kamera + Die Lumia Kamera ist gut fürs Geld. Allerdings wirkt dabei die sehr intelligente Applikation Lumia Camera mit. Diese berechnet optimale Bilder anhand kurzer Videosequenzen und einer HDR Analyse. Das klappt oft sehr gut, vor allem bei Aufnahmen mit Menschen drauf. Andererseits lässt einem diese Kamera weniger Möglichkeiten, selbst Einfluss zu nehmen. Für Panorama Aufnahmen gibt es die Umia Panorama App, die recht mühsam und langsam in der Bedienung ist. Gelingt allerdings ein Panorama, dann ist es scharf und hoch aufgelöst. Viele Testbilder, auch bei Dunkelheit sind in meiner Lumia Google+ Collection zu finden. 0 Das Fairphone eignet sich nach einigen Softwareupdates gut als Urlaubs-Kamera. Hier gibts keine nennenswerten Probleme, aber man wird auch keine wirklich tollen Fotos damit machen. Egal: für Laien wie mich ist es halbwegs ok: die Features der Android-Kamera sind ausreichend. Nachbearbeitungen kann man bei Google Foto online machen.
Hier im Blog sind reichlich Fairphone Fotos als Beispiele enthalten.
Akkulaufzeit ++ Einwandfreie Akkulaufzeit, ich komme ohne weiteres 2 Tage lang durch. + Auch beim Fairphone keine besonderen Bedenken. 1-2 Tage kommt man gut durch.
Hardware ++ Das Lumia 640 ist auf den ersten Blick ein attraktives Gerät mit idealem Formfaktor. Man verzichtet auf die Windowsphone-typischen Ecken, bietet schöne Gehäusefarben (sogar wechselbar), und dank der tauschbaren Rückschale ist u.U. ein Runterfaller weniger schlimm. Das Gerät ist relativ leicht und macht den Eindruck “hochwertiges Plastikhandy”. Das HD-Display ist ausgezeichnet: guter Schwarzwert, gut seitlich einsehbar und auch unter Sonnenlicht noch ablesbar. Dazu schmälere Randbereiche. + Schwer, hochwertig, relativ zierlich, weißer Rand, Metallrückseite und das legendäre Fairphone Logo drauf: damit ist das Gerät äußerlich über jeden Zweifel erhaben. Das Fairphone ist das elegantere Gerät.
Der Akku ist tauschbar, Eigenreparaturen werden vom Hersteller explizit unterstützt. Ersatzteile sind bestellbar. Soweit perfekt. Der Preis des Gerätes lag ja auch weit über dem des Lumia 640. Für mich stellen sich zwei Minuspunkte dar: das Display mit eher breiten Rändern ist relativ niedrig aufgelöst (qHd), zu dunkel, bei Sonne nicht ablesbar und anscheinend nicht extrem kratzfest. Und dank des gewählten Chipsatz sitzt man fest bei Android 4.2.
Apps Einige sehr professionelle und gute Apps von Microsoft selbst, diverse praktische und interessante Office Features wie Office Lens, Lumia Beamer, wenige werbefreie Opensource Apps, sondern fast alles ziemlich werbungsverseucht. Store selbst funzt einwandfrei und ohne Bürokratie z.B. via Paypal. Aber bestimmte und auch für mich wichtige Apps gibt es einfach nicht. Ganz schmerzhaft ist für mich das völlige Fehlen einer native Google+ App. Das ist übel und schränkt die Nutzung ein. ++ Es gibt massenweise Zeug und für jede Anforderung gibt es mindestens einen guten Kandidaten, bei dem man dann bleiben will.
Google Connectivity Das WindowsPhone grenzt Google nicht aus, aber will man mehr als Gmail und Google Kalender, welche beide ab Werk konfigurierbar und integrierbar sind, dann kann es mühsam werden. Google Notizen gibt es nicht, Hangouts kann man evtl. über einen anderen Messaging Client einrichten, Google+ geht nur über Googles mobile Webseite, und die gesamte Google Cloud Magic ist dahin. Microsoft bietet teils ebenbürtige Services wie OneNote statt Notizen, oder den Lumia Storyteller statt Google+ Stories, und natürlich gibt es am WindowsPhone die gesamte Microsoft Welt incl. Skype ab Werk. Wer sich aber bereits vergoogelt hat und nicht mal eben in die Microsoft Welt wechseln will, für den kann das ganze etwas schmerzhaft werden. Dann ist ein Umstieg mit echten Einschränkungen verbunden. Leider scheint Google selbst kein Interesse an einer besseren Unterstützung der Windowsphone Plattform zu haben. Gründe dafür sind gut vorstellbar, schade ist es aber dennoch. ++ 100% Google, keine weiteren Fragen
Fairphone 1 vs. Microsoft Lumia 640

Fairphone 1 vs. Microsoft Lumia 640

Salbungsvolle Zusammenfassung

Windowsphone 8.1 Screenshot

Windowsphone 8.1 Screenshot

Fairphone launcher screenshot

Fairphone launcher screenshot

Gegen die uns geheimnisvoll umwabernde Google Cloud ist kein Kraut gewachsen. In dem Moment, wo man auf etwas Daten-Magie steht, vor allem wenn man bereits vergoogelt ist, wird es sehr schwer, einem Android Gerät zugunsten Windowsphone zu entsagen.
Betrachtet man das Smartphone als Werkzeug für konkrete Office- und Alltagsaufgaben, so findet man im Windowsphone eine sinnvolle, professionelle und geschickte Ansammlung von Applikationen (besonders bemerkenswert sind die Lumia Apps von Microsoft), die verschiedene interessante Lösungen anbieten und gut bedienbar sind.
Das Windowsphone ist grundsätzlich das coolere, bessere und in der Systembasis auch professioneller wirkende Endgerät. Android hat aber das bessere Backend dahinter. Officelastige Anwender, sowie Firmen, die ihre Diensthandys kontrollieren wollen, werden mit dem Windowsphone gut bedient sein. User mit komplizierten Workflows, typische Googleuser, Frickler und Leute mit irgendwelchen spezialisierten Nutzungsprofilen finden wohl bei Android bessere Unterstützung, aber auch das erwähnte höhere Nervpotential.
Ich persönlich hätte gern ein Windowsphone mit voller Google Unterstützung. Das wirds wohl nicht geben.

Wir besitzen mit dem Asus Zenfone2 ML550 noch ein Android 5 Smartphone mit 5.5″ Bildschirm. Wenngleich ich mit diesem sehr schönen und ganz aktuellen Gerät nur sehr begrenzt selbst hantieren kann, so erlaubt es dennoch einen leisen Dunst in Bezug auf aktuelle Budget Android Phones. Einiges in diesem Artikel bezieht sich schon auch auf jüngste Eindrücke vom Zenfone. Ganz veraltet sind wir insofern androidseitig nicht. Aber auch wenn man daneben das neue Asus in der Hand hält, kann man dem sehr preisgünstig erworbenen Lumia 640 etwas abgewinnen. Das Display ist super, auch die Kamera kann mithalten, und das gesamte System ist in sich sehr schlüssig, schnell, logisch und effektiv. Das sind Eigenschaften, die ich bei Windows Betriebssystemen bisher nicht in diesem Ausmasse erkennen konnte, und insofern stellt das Windowsphone nicht nur in Bezug auf den Preis und das schicke Gerät eine erfreuliche Überraschung dar.

Mai 252015
 
Stepper Logo

Am 24.5.2014, also gestern vor einem Jahr war das neue Streetstepper Modell RS20 in einer großen Kiste bei mir eingetroffen. In der gestrigen längeren Regenpause habe ich eine 50km Runde über Burghausen untergebracht. Gegen Ende der Strecke war dann die 3000km Marke geknackt: exakt am Jahrestag des RS20.

Streetstepper RS20 - 1 Jahr, 3000km

Streetstepper RS20 – 1 Jahr, 3000km

3000km Marke beim Streetstepper

3000km Marke beim Streetstepper

Es ist inzwischen fast schon müssig, hier im Blog zu erwähnen, wie genial ich dieses Fitness- und Trainingsgerät finde. Es ist bei mir eindeutig das Fahrrad mit den meisten After-Work Runden. Und mit dem neuen Modell RS20 sind auch mehrtägige Urlaubstouren nicht ausgeschlossen.

Apr 162015
 

Der Dattenbacher Berg mit Streetstepper RS20

Der Dattenbacher Berg mit Streetstepper RS20


Ein weiterer gerne befahrener Anstieg unserer Region ist der Dattenbacher Berg. Er verläuft von Prienbach in mehreren Teilanstiegen in Richtung Schellenberg hinauf. Die Hauptrampe ist eine lange schnurgerade 13% Steigung. Hat man diese geschafft, so folgt noch eine weitere finale Rampe, die einem quasi den Rest gibt. Also zumindest dann, wenn man den gesamten Anstieg mit einem Surly Big Dummy mit einer Alfine 8-Gang Schaltnabe und zwei nicht mehr ganz kleinen Kindern hinten drauf fährt.

Der gezeigte Aufnahmeort bei Openstreetmap.org, Blickrichtung Süd:

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Apr 092015
 
NC700X Logo

Saisonbedingt schaut man sich momentan die aktuellen Motorräder stärker an und freut sich auf mögliche Neuerscheinungen. Es tut sich viel Interessantes.
Doch auch der Blick in die eigene Garage bleibt erfreulich.

Honda NC700X DCT

Honda NC700X DCT


Abstruse Dinge liest man gelegentlich über Hondas NC700 bzw. 750 Modellreihe, insbes. mit dem automatisch gekuppelten Doppelkupplungsgetriebe: “Roller”, “Diesel”, “Anfängermotorrad”, …
Honda NC700X DCT

Honda NC700X DCT

Es ist schade, daß lt. Honda Händler die Verkaufszahlen gegenüber dem extrem erfolgreichen ersten Jahr der NC ziemlich runter gegangen sind. Aber es schmälert nicht den Reiz dieses Fahrzeugs, das abgesehen vom Übergewicht und dem Schnabeldesign keine Fragen offen lässt. Ein cooles, super zu fahrendes, wirtschaftliches, technisch attraktives, modernes aber nie neurotisches oder aufdringliches Motorrad mit Spaßfaktor und technischen Highlights: das unter allen Bedingungen perfekt funktionierende ABS, das legendäre DCT und ein unverzichtbarer grenzgenialer Kofferraum, der das gesamte Reisegepäck eines kurzen Italientrips aufnimmt. Kisten, turmhohe Tankrucksäcke, Rollen, Möbelstücke am Moped? Never. Just ride.

Es tut einem wirklich leid, wenn offenbar manche Ex-Vielzylinderfahrer in Foren jammern, daß sie bereits bei der Ausfahrt aus dem Parkplatz im ersten Gang in den Drehzahlbegrenzer geraten (WTF). Da kommen einem die Tränen, aber selbst wenn das bei der manuellen Version der NC ein Problem wäre, DCT würde es elegant regeln. Nein ich glaube, das Problem liegt da woanders.
Die NC hat eine angenehm breite Leistungskurve. Bei 6500rpm erinnert einen dann der Begrenzer, zu schalten, sofern man es nicht rechtzeitig merkt. Ein flaues Abflachen obenraus gibt es nicht. Zum Vergleich: der Begrenzer der XT660Z lag nur 1000 rpm höher, und das knallte dann richtig rein. So what. Nichts, worüber es sich zu jammern lohnt.
Nach 15 Jahren mit Diesel-Autos nehme ich Abstand von dem in vielen Texten beschworenen Dieselmotor-Vergleich. Gottlob, kein Dieselmotorrad. Bullig, angenehm dezent bollernd, schwungvoll, weder Turboloch noch schmalbandig (es sei denn vielleicht, man wäre ein reiner 6.Gang-Fahrer eines großen Vierzylindermotorrades).

Polemik zu Hondas DCT findet man beispielsweise im großen Thread zur hoffentlich kommenden neuen Africa Twin im advrider.com Forum. Wagt es Honda doch tatsächlich, den sog. True Adventure Prototyp mit DCT vorzustellen! Anscheinend finden es viele Motorradfahrer existentiell, die Zahnräder ihrer Getriebe selbst in die richtige Position zu bringen, woran wohl auch der aktuelle Technologiestand superteurer Sportautos oder aber hochwertiger Mittel- bis Oberklasse-PKWs nichts ändern kann.
Andererseits: der eine oder andere Kritiker dürfte die Funktionsweise des DCT gar nicht verstanden haben. Mancher Text läßt eigentlich nur diesen Rückschluß zu. Gelegentlich hat man auch den Eindruck, daß manche Leute ihre eigenen Annahmen zum Besten geben, ohne jemals eine DCT Version gefahren zu sein.
Honda jedenfalls informiert auf der Webseite http://www.sportlicherschalten.de/.

Für bestimmte motorsportliche Aktivitäten ist manuelle Kupplungskontrolle unverzichtbar. Dann führt kein Weg an einer konventionell betätigten Kupplung vorbei. Im Normalbetrieb jedoch kann man nicht davon ausgehen, die Komplexität des Honda DCT bei einer kurzen Probefahrt bereits sinnvoll überschauen zu können. Einige der von Erstbenutzern typischerweise kritisierten Punkte erledigen sich bei regelmäßiger Nutzung und Eingewöhnung. Fährt man mit dem System routiniert, gerne auch zügig, dann kann es passieren, daß man es einfach vergisst. In jedem Fall lernt man dann die Vorzüge schätzen und nutzt sie für die eigene Fahrweise.

Natürlich: was man nicht am Fahrzeug verbaut hat, kann auch nicht kaputt gehen. Das DCT der NC700 erweist sich im Normaleinsatz hondatypisch als problemlos und sorgenfrei, zudem ist die NC kein Offroadmotorrad. Die Benutzung beispielsweise in tiefem Schlamm oder auf Geröll o.dgl. halte ich für einen Mißbrauch dieses Fahrzeugs. Darüber gehen die Meinungen aber auch stark auseinander, insbes. jenseits des großen Teichs übertrumpfen sich die Dualsportfans mit stolzen Bildern ihrer rundum mit Kisten und Kanistern verkleideten Offroad-NCs.
Im Falle einer neuen Africa Twin mit DCT mag dies aber ein zu diskutierender Punkt werden. Ich bin gespannt, wie Honda dann beispielsweise den Schaltservo gegen Dreck usw. schützt.

Eine interessante Frage wäre, wann die Konkurrenz es schafft, ein vergleichbares und ähnlich robustes und perfektes System auf den Markt zu bringen, das wie bei Honda den Motor nicht größer macht und das Gewicht des gesamten Fahrzeugs nur um 10kg erhöht. Dabei ist beispielsweise die komplette Parkbremsanlage samt eigener Bremszange, sowie der Schaltservo und weitere externe Teile eingeschlossen. Für den Motor selbst bleibt da gar nicht so viel Mehrgewicht übrig. (Dann wieder: 10kg sind 10kg, und bei einem entsprechend eingesetzten Expeditionsmotorrad zählt u.U. jedes Kilogramm. Das ist aber kein Argument im Falle der NC.)
Es gibt im Endurobereich die Rekluse Fliehkraftkupplung und im Bereich Straßenmotorrad den einen oder anderen Schalt- bzw. Kupplungsassistenten. Auch für Motorsporteinsatz gibt es Techniken, den Schaltvorgang zu optimieren. Als Gesamtsystem (vorwiegend für Straßeneinsatz) dürfte Hondas DCT bisher einzigartig sein.
Ich frage mich auch, ob dieses geniale System mehr aufgewertet würde, wenn Honda es nicht einfach in ein 7000Eur Mittelklassemotorrad “für jedermann” integrieren würde (das ist nicht zynisch gemeint. Ich weiß, wie viel Geld 7000EUR sind), sondern es nur im allerteuersten Modell als Luxus-Extra für Betuchte anbieten würde. Das wäre andererseits sehr schade, denn dann könnte ich es nicht genießen.

Dennoch wünschte ich, Honda würde endlich damit beginnen, allgemein leichter zu bauen. Eine NC mit 50kg weniger, das wäre sensationell. Dass ein leichtes Motorrad nicht zwangsläufig teuer sein muß, hat Yamaha mit der MT-07 vorgemacht. Eine Scheibe könnte sich Honda davon abschneiden.
Und wenn sie ihre jeweiligen Designentwürfe einfach umsetzen würden statt sie vor der Serienproduktion noch unnötigerweise zu “opafizieren”, dann wären sie im Grunde fast konkurrenzlos. Aber das wäre dann zu schön um wahr zu sein.

Die NC750 gibts momentan soweit ich gesehen habe zu attraktiven Mitnahmepreisen. Wer ein sehr gutes und richtungsweisendes Motorrad für wenig Kohle sucht, ich kann beim besten Willen nicht abraten, außer natürlich man rattert schon bei der ersten Probefahrt beim Händlerparkplatz in den Begrenzer… HUCH!!

In diesem Sinne: always ride safe!

Apr 072015
 
Verge X10 Logo

Das SON XS Nabendynamo Vorderrad (radiales Speichschema, 17mm x 406mm Kinetix Comp Felge, 20 Loch, Sapim Laser Speichen mit geraden Kopf) fürs Tern Verge X10 Klapprad hat eine unangenehme Eigenheit: bei bestimmten Geschwindigkeitsbereichen erklingt ein sehr deutlich wahrnehmbares Resonanzgeräusch. Ich hatte dies im Lauf der Zeit zunehmend als Problem wahrgenommen und zunächst lange nach eigenen Montagefehlern usw. gesucht, aber es war nichts zu finden.
Des Rätsels Lösung dokumentiert der Hersteller selbst auf der Webseite http://www.nabendynamo.de/service/technische_infos.html#geraeusche.

Man kann das Laufgeräusch auch am aufgehängten Fahrrad demonstrieren:

In Fahrt ertönt das Laufgeräusch über längere Zeit, da die Umdrehungsgeschwindigkeit nicht so schnell abfällt. Es übertönt mühelos den Fahrtwind bei schnelleren Abfahrten. Man muß kein Pedant sein, um dies etwas nervig zu finden. Allerdings ist das Auftreten in Fahrt weniger verläßlich reproduzierbar. Es tritt nicht bei jeder Fahrt bzw. Situation in einer vorhersagbaren Weise auf. Bei meinem Rad stelle ich eine Resonanz bei etwa 22 km/h, dann bei 27km/h und nochmal bei ca. 44km/h fest. Manchmal tritt es plötzlich auf, manchmal auch sanft anschwellend. Das Laufrad selbst ist tadellos in Ordnung und gleichmäßig und mit hoher Speichenspannung eingespeicht.

Mit einem Vorderrad aus einem SON Delux Nabendynamo und einer identischen 406mm Felge mit 28 radial verspeichten Sapim Laser Speichen hatte ich bei einem anderen Fahrrad inzwischen auch schon mal ein vergleichbares aber viel leiseres Geräusch, das mir noch nie vorher aufgefallen war. Ich führe das darauf zurück, daß ich durch mein ständiges Beobachten des XS Rades inzwischen übersensibel werde. Der SON XS Klassik Nabendynamo war hingegen immer geräuschfrei. Dessen Laufradkonfiguration und Speichschema waren allerdings anders.

Das Phänomen trübt die Freude an dem edlen und hübschen neuen radialen XS ein wenig.
Immerhin muß man sich keine Sorgen machen, wenn man den Sachverhalt kennt.
Die relativ genauen Beobachtungen der letzten Zeit brachten mir die Erkenntnis, daß das Auftreten wohl von mehreren Faktoren abhängt. Möglicherweise spielt sogar Wind eine Rolle. Die lautesten Fahrten waren bisher die, wo böiger und seitlich einfallender Wind vorherrschte. Bei anderen Fahrten hingegen fällt das Geräusch u.U. wenig auf.
Dennoch sollte man im Hinterkopf behalten, daß radiales Einspeichen von Nabendynamo-Laufrädern u.U. suboptimal sein kann. Beim erwähnten SON Delux 406mm Rad kann man auf ein bewährtes und sicher lautloses 2-fach gekreuztes Schema umspeichen. Beim SON XS gibt es diese Option leider nicht.

Tipp: Eine Reduktion der Töne schien sich jüngst durch Verschrauben eines Speichenmagnets an einer der rechtsseitigen Speichen zu ergeben.