10.000km mit der MT-07

Kürzlich wurde ich auf ein Youtube Video der 1000PS Plattform aufmerksam, welches mich zu einem 10.000km Fazit unserer MT-07 veranlasst. Im Video wird ausführlich die MT-07 beschrieben. Der Motor wird zutreffend charakterisiert, und man kann dem Video gut entnehmen, wie sich das Gerät fährt.
Hinzufügen könnte ich dem nurmehr, daß die ebenfalls dargelegte Fahrwerksschwäche umso stärker spürbar ist, je höher die Temperatur ist, bzw. je mehr das Öl in den Federelementen warmgefahren ist. Bei Kälte hingegen fällt es im Alltag kaum auf. Zuletzt bei der gestrigen Fahrt mit Kind unter sehr warmen Bedingungen drängte sich das serienmäßige Schlauchbootfahrwerk der MT-07 unangenehm auf. Das kann – selbstverständlich ohne Beifahrer – u.U. Linie und Grip in Kurven beeinträchtigen, weil die weichen kaum bedämpften Federelemente das ohnehin agile reaktionsfreudige Fahrwerk nicht beruhigen können.
Der im Video beschriebene höhere Lenker sieht zwar gut aus, alldieweil mein subjektiver Eindruck der Sitzposition auf der MT-07 hecklastig ist, und ich eher nicht versuchen würde, mittels höherem Lenker und aufrechterer Sitzposition zusätzlich Gewicht vom Vorderrad wegzunehmen. Zudem gefällt mir das umplatzierte Anzeigeinstrument nicht.

Und nun meine eigenen bisherigen Punkte zur MT-07:

  • Funktional wie erwartet jederzeit 100% einwandfrei und zuverlässig. Kein noch so kleines Problem war irgendwie ersichtlich.
  • Der Motor, also das Sahnestück der MT-07 wurde hier im Blog bereits ausgiebig beschrieben. Er läuft nicht nur cool, stark und unpenetrant, sondern auch wirtschaftlich, und er ist problemlos und haltbar. Bei warmem Wetter kann man die MT-07 im Bereich von 4l/100km Verbrauchsschnitt fahren.
  • Das Design der MT-07 kann man als „modernes Nakedbike“ beschreiben. Ich bin selbst kein besonderer Fan sogenannter Nakedbikes. Auf einen prominent dargestellten Motor oder Kaskaden von Krümmern und Auspüffen kann ich verzichten. Das ist bei der MT-07 soweit ganz erträglich gelöst. Schön ist, daß das Fahrzeug relativ schmal gehalten ist und einen schmalen Knieschluß bietet. Ich wünsche mir das Heck etwas kürzer bzw. weiter vorne, also mehr in Richtung der Linie der MT-09. Auch der Fahrersitz könnte für meinen Geschmack ein paar Zentimeter weiter vorne platziert sein. Yamaha verbaut einige nette Optikteile bzw. Verblendungen, so daß dieses Budgetbike visuell recht hübsch, dabei nicht billig wirkt. Nicht erspart wird einem leider die ärgerliche Hinterachshalterung mit nach hinten herausgeführten Spannschrauben. Das ist beim Montieren einfach nur mühsam. Statt der beidseitigen avantgardistischen silbernen Aufsatzteile hätte man lieber eine offene Achshalterung mit Distanzbolzen gemacht. Das kann doch nicht teurer sein, als diese innenliegenden Achsführungsbuchsen.
  • Einsatzweise: die MT-07 erlaubt entspanntes Fahren im Alltag oder Urlaub genauso wie Runden von „genußvoll“ bis „fahraktiv“, wobei man u.U. das Missverhältnis zwischen Motorleistung/-charakteristik und Fahrwerk spürt. Man muß nicht wild fahren, um das Fahrwerk zu überfordern.
    Wir verwenden die MT auch gerne für Fahrten zu zweit, weil sie motorisch sehr gut dafür geeignet ist. Dabei bemerkt man das schlappe Federbein stärker.
  • Reifen: serienmäßig sind bei unserer MT Tourensportreifen vom Typ Bridgestone BT023 verbaut. Diese Reifen weisen eine bemerkenswerte Laufleistung auf. Bei knapp 10.000km sind wir nun bald am mittigen Profiltiefenlimit. Gripmäßig gibt es keine Einwände. Es ist ein Tourenreifen, und als solches funktioniert er. Im Alltag traten damit keine Ungereimtheiten auf. Mich erstaunt, daß der für meine Begriffe sehr breite Hinterreifen die Handlichkeit der MT-07 nicht spürbar verschlechtert. Natürlich fährt sich ein derartig breiter Reifen etwas anders, als die von mir gewohnten schmalen 140er und 150er Straßenreifen. Siehe auch das aktuellere Update zur Umbereifung unten im Blogartikel.
  • Bremsen: die hochwertig aussehenden beiden Bremszangen vorne blenden vielleicht etwas. Die Bremse ist ok, wurde von uns bisher aber niemals grenzwertig beansprucht. Man darf eher keine superpräzise ansprechende oder feinst dosierbare Bremsanlage erwarten, aber die Bremsanlage tut was sie soll. Verwässert wird der Eindruck von der wabbligen Frontfederung. So ganz kann man das wohl nicht auseinanderhalten. Es taucht vorne sofort tief ab und schwingt dann nach. Das ABS scheint bei uns gutartig zu sein: die MT schien bisher nicht zum Aufsteigen bei Notbremsungen im Regelbereich zu neigen – im Gegensatz zur R3. Da liest man anderweitig aber auch Gegenteiliges, also Vorsicht! Unsere MT-07 hat jedenfalls bei bisher zwei Sicherheitstrainings sowie 1000km auf einer Österreich-/Italien Fahrt mit entsprechend gewundenen bergigen Kleinstraßen keine Bremsprobleme bereitet.
  • Hört oder liest man gelegentlich von Qualitäts- oder Verarbeitungsmängeln, so kann ich dazu nur sagen: Für das, was wir bezahlt haben gibt es nichts zu meckern. Kein auffälliger Rost, nur eine oberflächlich rostende Scheuerstelle unterm Schwingenschleifschutz (Stahlschwinge, seufz), keine Lackmängel (insbes. an den hübschen blauen Felgen), keine schnellen Alterungserscheinungen.
yamaha mt-07 2016
yamaha mt-07 2016

Um nochmal auf das oben verlinkte Video zu sprechen zu kommen: sollten wir die MT-07 in der Garage behalten, wovon ich ausgehe, so werden wir mit hoher Wahrscheinlichkeit das Federbein tauschen, evtl. später auch das Gabelinnenleben. Bei der MT-07 scheint mir aber subjektiv zunächst das Federbein wichtig zu sein. Überraschend finde ich, daß meine R3 keine so eklatante Fahrwerksschwäche aufweist. Ich nehme nicht an, daß höherwertige Federelemente verbaut sind. Hinten hat die R3 nichtmal eine Federbeinumlenkung. Dennoch lässt die R3 eine präzisere, feinnervigere Fahrweise zu, ohne daß man im Straßenbetrieb einen stark störenden Fahrwerkseinfluss spürt. Sicher spielt dabei auch die schmale Bereifung eine Rolle.

Immer wieder beeindruckend an der MT-07 ist der coole, stets nervfreie Motor. Man fährt immer angenehm leise, hat ggfs. Schub, kann aber auch ganz entspannt dahinrollen. Das Motor- und Antriebsverhalten bzw. die diesbezügliche Fahrbarkeit ist in sämtlichen Fahrsituationen ideal und somit insbesondere auch anfängerfreundlich, sofern die Anfängerin bzw. der Anfänger sich im Griff hat. Damit ist dieses Fahrzeug für meine Begriffe fast einzigartig, und das rechtfertigt eine Fahrwerksüberarbeitung bzw. ggfs. kleine Veredelungsumbauten, um die Fahrfreude zu optimieren. Wir sind dran.

Update: Umbereifung

Yamaha MT-07 mit Pilot Power 2CT Bereifung
Yamaha MT-07 mit Pilot Power 2CT Bereifung

Nach dem 10.000er Kundendienst haben wir die MT-07 mit Michelin Pilot Power 2CT (Laufläche aus unterschiedlichen Mischungshärten) Bereifung versehen. Das Fahrzeug hat sich sehr verändert. Der Wechsel vom Bridgestone BT023 mit dessen sehr flachem Querschnitt auf den runderen Michelin macht sich ungemein deutlich bemerkbar. Es kommt nochmal mehr Leichtigkeit ins Fahren. In Schräglage hat man hingegen mehr Auflagefläche, insofern präziseres weniger kippeliges Kurvenfahren bei besserem Gripverhalten als mit dem BT023. Und Fakt ist inzwischen, die neue Bereifung bringt mit der MT eine neue Qualität rein. Jetzt willst du wirklich das Fahrwerksupgrade, und dann ist diese MT ganz grosse Klasse. Mein bisheriges persönliches Ranking zwischen R3 und MT-07 gerät ins Wanken oder fällt zumindest nicht mehr klar zu Gunsten der R3 aus.