Textil-Anzug Difi Sierra Nevada

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Feb 112012
 

Motorradanzug Difi Sierra Nevada

Difi Sierra Nevada Motorradanzug

Textilklamotten beim Motorradfahren sind einerseits angenehm und flexibel in der Anwendung, andererseits doch immer ein Kompromiss. Für Supermototrainings verwende ich einen hochwertigen Lederanzug, aber bei alltäglichen Fahrten sowie Touren kommt so etwas aus mehreren Gründen für mich nicht in Frage. Seit längerem suche ich bereits einen passenden und bezahlbaren Touring-Textilanzug, der mir gefällt und einen akzeptablen Kompromiss bedeutet. Nun ist es der sehr variable und preisgünstige Motorrad-Textilanzug Difi Sierra Nevada geworden. Dieser hat drei kombinierbare Lagen: die luftige Aussenschicht mit leichten Protektoren, eine wind- und regendichte und dabei atmungsaktive Membrane und ein Thermo-Innenfutter in Jacke wie Hose.

Ein Kumpel hatte mich auf den neuen Stadler/Touratech Companero Anzug aufmerksam gemacht, der in Bezug auf die Lagengestaltung sinnvoller gebaut ist und zudem ein stabileres Gewebe mit erheblich besseren/größeren Protektoren verwendet. Das Laminat beim Stadler Anzug liegt aussen und wird bei Trockenheit einfach ausgezogen (bzw. bei Nässe drübergezogen). Der eigentliche Schutzanzug innen bleibt somit immer trocken. Das ist naheliegend und praktisch. In der Tat scheint es suboptimal, wenn der gesamte Anzug sich bei Regenfahrten mit Wasser vollsaugen kann, weil der Nässeschutz innen liegt. Das Problem des Companero bzw. der minimal billigeren Stadler-Version: diese Anzüge sind zum einen vollkommen unbezahlbar, zum anderen gefallen mir die dunklen Farben mit gelben Akzenten nicht. Dies ist in meinen Augen typisches BMW Design. Ich schätze generell helle Farben. Stadler bietet zwar m.W. freie Farbwahl und sogar Mass-Schnitt, aber das wäre alles sehr mühsam.

Eine weitere besehene Alternative wäre der ebenfalls sehr hochwertige Alpinestars Durban Anzug gewesen. Auch dieser ist in Bezug auf Material und Verarbeitung sicherlich besser, aber eben auch erheblich teurer, nur in eher dunklen Farben lieferbar, und zudem passt er mir einfach nicht, da er für mich viel zu schmal geschnitten ist. Da war leider nichts zu machen, auch wenn ich dank guter Connections sehr gerne Alpinestars gewählt hätte.

Zurück zu Difi. Den Anzug habe ich anlässlich eines Servicetermins bei meinem Motorradhändler entdeckt, als er mir aufgrund der für meinen Geschmack perfekten optischen Gestaltung ins Auge fiel. Preislich ist der Anzug erstaunlich günstig. Die Verarbeitung macht einen akzeptablen Eindruck. Funktional hat das Teil einiges zu bieten, was sich in der Praxis natürlich noch bewähren muß. Besonders schön finde ich, dass mir der Difi Anzug von der Stange problemlos passt, incl. sämtlicher Schichten innen. Das weiss ich mittlerweile zu schätzen (man wird älter…).

Nachteile liegen auch auf der Hand: es gibt nicht überall Aussenverstärkungen, wo man es sich wünschen würde (beispielsweise Gesäßbereich). Die Protektoren sind klein; der enthaltene weiche Rückenprotektor könnte zwar gegen ein hartes Exemplar ausgetauscht werden, ist aber von der Form her zu kurz und deckt nicht den Lendenbereich ab. Ich werde besser mit eigener Schildkröte unter der Jacke fahren. Der Anzug ist insgesamt relativ leicht gemacht und wird vermutlich bei gröberen Asfaltstürzen keine Wunder leisten. Beispielsweise mein Cordura-Pendleroverall wirkt vom Aussengewebe her fester. Ich werde bei Toureneinsätzen daher nicht auf meine Protektorenunterzieher aus Mesh verzichten.

Funktional sowie optisch ist der Anzug tadellos. Die vorderen oberen Jackentaschen sowie ein großer Rückenlappen sind herausnehmbar und geben Netzgewebe frei. Solche Lüftungen können bei Hitze rettend sein. Arme und Beine sind über Reissverschüsse belüftbar.
Vorsicht ist bei den Brusttaschen geboten: man darf keinesfalls diese Taschen mit den sich unmittelbar oberhalb öffnenden Lüftungseinsätzen verwechseln und etwa das Handy statt in die Tasche in den Lüftungseinsatz stecken, der auf den ersten Blick wie eine geklettete Brusttasche aussieht. Denn dann ist das Handy verloren: es fällt nach kurzer Fahrt beim unteren Klett des Einsatzes auf die Strasse heraus. Ich weiß das deshalb, weil ich es versehentlich getestet habe. Auf diese Art habe ich den günstigen Kaufpreis des Anzuges erfolgreich zunichtegemacht, und ich ärgere mich immer noch drüber.

Mein Alpinestars Neckbrace läßt sich gut aussen auf der Jacke tragen, ohne dass die Jacke dadurch an Komfort verlieren würde. Der Anzug wird aussen über Tourenstiefeln getragen. Unten sind seitliche Reißverschlüsse, um für mehr Platz zu sorgen. Ob auch Enduro-Stiefel hineinpassen, muss ich noch testen. Zum Anziehen der Hose müssen die Stiefel auf jeden Fall ausgezogen werden.
Der Anzug schnitt in dem einen oder anderen Test in der Motorradpresse recht gut ab, was ich in Anbetracht des günstigen Kaufpreises bemerkenswert finde. Fakt ist für mich: Passform, Optik, Preis und Funktionen sind super. Sicherheit und Regenschutz werden Kompromisse bleiben: ersteres werde ich durch zusätzliche Protektoren verbessern und hoffentlich nicht in Anspruch nehmen. Zweiteres werde ich austesten und ggfs. sicherheitshalber zusätzlich leichte Regenschutzklamotten zum Drüberziehen mitführen.

Update: Seit einiger Zeit nutze ich den Anzug nun regelmäßig beim Pendeln, ca 130km pro Tag. Bei Temperaturen über 0 Grad reicht der Anzug mit seinen drei Lagen aus, um nicht zu frieren. Er bietet also dank der herausnehmbaren Thermoschicht einen bemerkenswerten Kälteschutz. Bei kalten Pendelfahrten trage ich normales Bürogewand mit einer winddichten warmen Jacke und einem langen MX-Hemd unter dem Difi Anzug.
Fahrten bei leichtem Regen waren ebenfalls problemlos. Der Anzug saugte sich nicht voll. Starker Regen trat bisher noch nicht auf. Ich bin jedenfalls bereits sehr zufrieden mit der Anschaffung.

Update II: Lt. Auskunft eines Freundes, der diesen Anzug ebenfalls kaufen wollte, ist der Difi Sierra Nevada Anzug zumindest in der hellen Farbe in Deutschland nicht mehr oder nurmehr schwierig lieferbar. Ob das endgültig oder nur temporär so ist, weiß ich nicht.