α 6000

Kamera-Upgrade 01/2017

Sony α6000
Sony α6000

Jahrelang habe ich mich beim Erzeugen von Schnappschüssen ausschließlich auf Smartphones verlassen. Die Bildqualität unserer Mittelklasse-Smartphones ist inzwischen besser als die früherer digitaler Budget-Kompaktkameras, und die digitalen Effekte sowie die Cloud-Anbindung des Smartphones haben vieles vereinfacht. Zudem hat man das Smartphone immer dabei. Das war eigentlich überhaupt erst der bestimmende Faktor, warum ich begonnen habe, gelegentlich auch „schöne Fotos“ machen zu wollen. Auf die Idee wäre ich früher niemals gekommen, den Fotoapparat auch noch anders als nur zu technischen Dokumentationszwecken und gelegentlichen Erinnerungs- oder Urlaubsaufnahmen zu verwenden. Heute gönne ich mir sogar im Alltag zuweilen kurze Unterbrechungen, zücke das Smartphone und versuche, manche auffallend schöne Situation im Online-Fotoalbum zu verewigen. So viel Zeit muß sein. Für den Knips-DAU in mir war das Smartphone also die Optimallösung.

Fotografie?

Dies edle Wort nehme ich nicht in Anspruch – nicht nur aufgrund meiner Ahnungslosigkeit. Weder kann ich den hochkritischen Bildbesprechungen und Technikdossiers ambitionierter Hobbyfotografen etwas abgewinnen, noch will ich mich in die verwendete Technik reinsteigern (anders als beispielsweise bei Motorrädern oder Fahrrädern, wo ich gern in die Details gehe). Die Idee ist einfach: Sehe ich einen blauen Himmel, dann sollte auch im Foto ein blauer Himmel vorhanden sein. Ich fand das beim vormaligen Lumia 640 Windowsphone super, und vermisse allein deswegen dieses Gerät seit der Weitergabe immer noch.

Baum und Himmel, Lumia 640
Baum und Himmel, Lumia 640

Die Kamera dieses preisgünstigen Gerätes hat häufig genau das abgelichtet, was ich selber sah. Dahinter standen einige automatische Bildbearbeitungsalgorithmen der Kamerasoftware, die genau solche Effekte ermöglichten. Einige meiner schönsten Urlaubsfotos habe ich mit diesem Handy gemacht. Es ist mir egal, ob jemand ein Foto mit blauem Himmel als kitschig oder was auch immer bezeichnet. Wenn auf dem Bild das drauf ist, woran ich mich erinnere oder mich erinnern will, dann ist das Bild gut. Ich fand es hingegen immer sehr frustrierend bei Fotos, wenn die eigentlich sehr schöne Szenerie im Foto eine diesige graue Atmosphäre zeigte, die nicht der subjektiven (und objektiven?) Realität entsprach. Mit dem aktuellen Trend der Dynamikbereich-Kompression (HDR, DRO) zeigt sich für mich, daß helfende Effekte eigentlich erwünscht sind, wenn sie dazu führen, daß man am Foto mehr sieht, als die einfache flache Ablichtung zunächst erlaubt. Toll, wenn ein Foto dann dank einer guten Kamera auch noch verzerrungsarm und scharf ist. Mir sind insofern digitale Bildeffekte out of the box sehr willkommen. Gerne nutze ich beispielsweise auch Panoramafunktionen. Das „Sehen“ ist ja nicht nur ein rein optischer Vorgang, sondern auch mit einer Art Bildverarbeitung im Kopf verbunden. Ein einfaches 4:3 Foto ist mir bei all meiner Unkenntnis u.U. einfach zu wenig.

Die Kamera

Aus der DAU-Perspektive lässt sich sagen:

  • Akkuverbrauch: Sehr weit kommt man mit einer Ladung nicht, aber das hängt auch stark von der Gebrauchsweise ab. Das mitgelieferte Ladegerät ist ziemlich schlapp. Schneller lädt man mit einem hochwertigen Smartphone Ladegerät. Ein Ersatzakku kommt auf etwa 20 Eur. Mit der verkürzten Ladezeit des Smartphoneladers ist das momentan für mich aber nicht nötig. Ist man länger unterwegs, so kann das aber ein Thema werden.
  • Gewicht: bist du an Smartphones oder Kompaktkameras gewöhnt, dann ist die A6000 ein Riesenklopper. Sowas ist umständlich mitzuführen. Diesbezüglich schmerzt der Kompromiss. Da geht nix mehr mit Jackentasche und schnell aus dem Etui rausziehen o.dgl.. Kameratasche, Vorbereitungszeit, Gemache. So ein Teil führt man nicht selbstverständlich mit. Hier ist es an mir, herauszufinden, inwieweit das hohe Mass an Umständlichkeit sich in Anbetracht der Bildqualität auszahlt. Klappt das nicht, dann war es eine teure Fehlanschaffung. Die vielfach im Web zu findenden A6000 Aufnahmen sprechen allerdings eine andere Sprache. Der Anreiz ist da, die Lernkurve wird steil.
  • Natürlich schreit eine solche hochwertige Systemkamera nach Zusatzausrüstung, sofern der Geldbeutel es hergibt. Hier gilt es in meinem Fall, sich auf das Minimum zu beschränken, nicht nur mangels Geld, sondern auch mangels Transportkapazität im Alltag. Wechselobjektive und Filter kann man sich mal ansehen, wenn ein gutes Verständnis entwickelt wurde und es konkrete Zielsetzungen gibt, bzw. die Grenzen des mitgelieferten SELP1650 Objektivs erkennbar werden. Glücklicherweise gibt es eine klare Vorliebe für Landschaftsaufnahmen unterwegs. Irgendwelche Spezialzwecke sind nicht vorgesehen. Generell kommen für mich ohnehin nur kleine portable Objektive in Frage, die dann immer an der Kamera verbleiben. Eine robuste Kameratasche ist unerlässlich, um das Gerät beim Transport zu schützen. Möglicherweise wird man ein portables möglichst kleines Stativ wollen, denn der echte HDR Modus der A6000 erfordert eine stabile Kameraposition. Smartphones haben meistens nur einen Pseudo HDR Modus, was weniger verwackelungsgefährdet ist.
  • Bildqualität: aktuelle Mittelklasse-Smartphones sind mit ihren ausgefeilten Automatikmodi, Pseudo-HDR und Onboard-Nachbearbeitung gut geeignet für schnelle Schnappschüsse: No brain no pain. Der Smartphone-Schnappschuß ist – zumindest was die oberflächliche Betrachtung (social Media Feed o.dgl.) anbetrifft – nicht so leicht zu biegen, wenn man unkompliziert und schnell klarkommen will. Strengt man sich ein bisschen an, also liest sich ein und übt ein wenig, so kriegt man mit der Systemkamera eine Bildqualität, die bei genauerer Betrachtung den Bildern aus dem Smartphone überlegen ist. Das scheinen mir zunächst eher subtile Kriterien zu sein, an die man sich aber – vor allem im direkten Vergleich – schnell gewöhnt. Und dann will man es bei vielen Motiven nicht mehr missen. Möglicherweise muß man sich dann den einen oder anderen Effekt durch eine Nachbearbeitung holen, sei es durch nachladbare Kamera-Apps oder am Computer.
  • Wifi Konnektivität: Unverzichtbar für mich. Kein Kabelgefuddel. Sofortiges Hochladen. Smartphone Synchronisation. Gern auch Smartphone Fernbedienbarkeit. Fehlen diese Features, fällt das Gerät für mich durch. Die A6000 bietet dies alles, und ganz wichtig: es funktioniert in der Praxis, nicht nur in der Gerätebeschreibung.

Auf Anhieb überzeugen konnte die nagelneue A6000 mich als Knips-DAU bei Portraitaufnahmen, sowie bei Sportaufnahmen. Sowohl der Portrait-Szenenmodus, als auch der intelligente Automatikmodus erkennen und analysieren Portrait-Situationen bestens. Die resultierenden Aufnahmen waren ohne weitere Bedien-Kenntnisse auf Anhieb toll. Portraits sind für mich allerdings weniger von Bedeutung. Immerhin bekommt man so aber sehr hübsche Kinderfotos. Interessanter ist der Einsatz beim Sportverein: Mit dem Szenenmodus für bewegte Objekte erzielt man dank der sehr schnellen Auslösezeit scharfe und zeitgenaue Aufnahmen. Beispielsweise ein Torschuß beim Fußball lässt sich damit gezielt knipsen. Mit dem Smartphone war das kaum möglich: entweder unscharf oder eine halbe Sekunde zu spät, oder gleich beides. Und dabei habe ich für diese Einsatzweise noch nicht einmal die vollen Möglichkeiten der Kamera – wie den automatisch mitgeführten Fokus – ausprobiert.

Enttäuschungen gab es überraschenderweise bei der Aufnahme unbewegter Objekte: Nahaufnahmen von Smartphones oder Legoobjekten, sowie Fotos von stehenden Motorrädern brachten keine befriedigenden Ergebnisse, jedenfalls nichts, was den Kauf einer solchen Kamera gegenüber einem Smartphone rechtfertigen würde. Das Smartphone kann das ohne viel Einstellungen ganz brauchbar, wenn man es ruhig hält. Bei der Systemkamera stellen sich Fragen nach Weißabgleich, manuellem Fokus, Fokusfeld, Helligkeit, Blende. Die Automatik stellte diese Werte bei meinen Versuchen zunächst mal nicht befriedigend ein, und das obwohl der Autofokus der A6000 überall als sehr gut bezeichnet wird. Die Bilder waren nicht 100% scharf, waren farbstichig, zu dunkel. Da waren Basiskenntnisse nötig. An dem Punkt angekommen habe ich dann beschlossen, etwas genauer zu arbeiten, um das Potential des Fotoapparates auch bei diesen typischen Motivarten nutzen zu können und dem Frust zu entgehen, mit einer 600 Eur Kamera samt richtigem Objektiv statt nur einer Mini-Linse nicht auf Anhieb per passendem Automodus eine bessere Bildqualität zu kriegen, als mit dem Dummy Knipsmodus des Smartphones. Das Web ist voll mit wunderschönen perfekt anmutenden A6000-Aufnahmen, so daß man einen starken Reiz verspürt, vielleicht doch mal was anderes als die vorgefertigten Automatiken zu nutzen, bei denen anscheinend das Smartphone deutlich smarter ist als so eine komplexe Kamera. Insofern werde ich mich also nicht mehr mit der smartphonetypischen Point and Shoot Mentalität zufriedengeben, sondern nun etwas Zeit investieren. Und siehe da: Mit etwas Experimentieren schlägt inzwischen auch mein typischer Motiv-Fall „stehendes Motorrad“ die vom Smartphone gewohnte Qualität bei weitem. Siehe zweites Sample unten.

Erste Versuche

Der folgende zentrale Fotoausschnitt aus einem mit maximaler Auflösung aus der Hand (seitlich abgestützt) geknipsten HDR Bild unter vollem Zoom in den diesigen Salzburger Winterhimmel – bereits unter Verwendung einiger bewusster manueller Einstellungen – lässt mich erahnen, was mit der A6000 möglich sein wird, wenn ich mal ein bisschen besser drauf bin. Mit dem Smartphone wäre dieses Bild nicht nur mangels Zoom so nicht möglich gewesen.

Kapuzinerberg, Franziskischlössl, Salzburg
Kapuzinerberg, Franziskischlössl, Salzburg

Die folgenden Bilder entstanden wie auch das obige aus der Hand, diesmal ganz frei. Auch hier wurde mit HDR Modus und manuellem Weißabgleich, sowie weiterer manueller Einstellungen geknipst („Blendenautomatik“), und das Resultat bildet mein Moped in einer Schärfe ab, die ich mit dem Smartphone nicht erreiche. Ich beziehe mich dabei meistens auf die klar gezeichnete Struktur der Carbon- bzw. Kunststoffmaterialien, die bisher immer nur recht verwaschen dargestellt war. Der Knips-DAU in mir ist sehr zufrieden. Es dauert etwas länger als beim Smartphone, wo ich nur abdrücke, aber es geht immer noch einigermassen schnell. Das mühsamste ist wohl das manuelle Fokussieren, und erstmals erkenne ich, warum man einen eigenen Sucher möchte: Bei Sonne ist manuelles Fokussieren am Display nahezu unmöglich.

Yamaha YZF R3 mit α6000
Yamaha YZF R3 mit α6000

Und hier am Fensterrahmen aufgestützt fein verästelte Bäume gegen die Sonne. Die Schärfe der Äste ist beeindruckend, verglichen mit Smartphone Aufnahmen, die bei solchen Motiven ab einer gewissen Auflösung immer diesen Ölbildeffekt zeigen.

Bäume gegen das Licht mit α6000
Bäume gegen das Licht mit α6000

Die Kamera hat zuschaltbare Bildeffekte. Untenstehendes Bild ist zugeschnitten und ansonsten unbearbeitet aus der Kamera und zeigt den Effekt „Illustration“:

Playmobil Katamaran auf Handtuch
Playmobil Katamaran auf Handtuch

Bildersammlungen

Im Blog werden neuerdings Beiträge mit (vermeintlich?) hübschen Fotos in einer neuen Foto-Kategorie geführt. Das trägt der Tatsache Rechnung, daß ich im Gegensatz zu früher inzwischen gerne selber Fotos schaue. Eine vergleichbare Sammlung („Collection“) habe ich auch im Google+ Feed angelegt, welchen ich seit 2011 unterhalte: Google+ Foto Collection. Man kann im Blog und auch im Social Media Feed sehen, wie die Bildqualität der Smartphones steigt, und daß es sehr gut war, Urlaubs-/Radtourfotos 2008 noch mit einer Fuji Finepix Taschenkamera zu knipsen, deren Bilder besser waren, als beispielsweise später beim 2011er Xperia Active Smartphone.

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