Das Fairphone Projekt

Wer auf Smartphone umgestiegen ist, wird schwerlich wieder zurückwechseln wollen. So lästig einige typische technische Schwächen mancher Geräte auch sein mögen, so genial ist die Gesamtheit der Funktionen und die Universalität dieser Geräte. Manchereiner investiert jährlich in ein neues Modell, der Fortschritt verläuft rasant, die Zahlen sind absolut beeindruckend. Es ist unvorstellbar, wie selbst die großen Hersteller diese Stückzahlen liefern können.

Aber dabei bleiben für mich wichtige Punkte ungeklärt. Wohin mit dem Smartphonemüll, insbes. solchen Geräten, die man ab Werk bereits als potentiellen Schrott bezeichnen muß (eingebaute Sollbruchstellen, nicht wechselbare Akkus usw.)? Unter welchen Bedingungen werden diese Geräte in diesen irrwitzigen Stückzahlen produziert? Wird die eigentliche Arbeit bei der Herstellung entsprechend bezahlt oder wird an den Arbeitern in der Produktion vorbeiverdient?

Ein hochinteressantes Projekt hat sich solcher Fragestellungen angenommen (die folgenden Angaben entnehme ich sinngemäß der Herstellerwebseite; keine Gewähr für Richtigkeit):
http://www.fairphone.com/

Wer Bilder sucht: hier findet man Pressefotos bei Flickr.

Die Spezifikation des Gerätes findet man hier. Wie beim Link angegeben, wird dieses Gerät rootable sein. Ein Wechsel des OS soll möglich sein. Mozilla, Ubuntu u.a. sind lt. der Webseite in Diskussion. Basis OS wird jedenfalls Android 4.2 sein.

Auch das Fairphone wird in China produziert. Der Hersteller beschreibt auf seiner Webseite die schwierige Suche nach dem geeigneten Hersteller. Das Fairphone wird vom Hersteller keineswegs als 100% „fair“ bezeichnet, da dies aufgrund der Komplexität des Projektes zu schwierig oder unmöglich zu schaffen wäre, sondern stellt einen ersten und lt. der Webseite bereits recht umfangreichen Versuch dar, entsprechenden Einfluß auf Zulieferung und Herstellung zu nehmen, und zwar ausgehend von den Rohstoffen! Eines der Designziele ist Nachhaltigkeit, was sich sowohl in der Hardwarequalität als auch bei den Softwareupdates auswirken soll.

Dieses sehr schicke und mit viel Hirn gemachte Fairphone wird per Crowdfunding finanziert. Ich hoffe, daß dieses Projekt in die Gänge kommt. Ich selbst kaufe nicht annähernd jährlich ein neues Smartphone und brauche nicht die maximal machbare Geräteleistung, sondern bin nach wie vor mit meinem rugged Xperia Active zufrieden. Allerdings hätte ich gerne eine möglichst aktuelle Android Version (gern mit guter Updateversorgung), sowie ein robustes und lang haltbares Gerät.

Mein nächstes Smartphone wird deshalb wenn irgendmöglich ein Fairphone sein. Auf die für meine Einsätze sinnvolle Wasserfestigkeit würde ich für ein solches Gerät ggfs. verzichten. Als Sporttracker für Allwettereinsatz tut es das jetzige sehr robuste Xperia Active sicherlich weiterhin. Schließlich kann man dessen Akku jederzeit tauschen bzw. billig nachkaufen, und gerootet ist es inzwischen auch.

31.5.2013 Anyway: inzwischen habe ich das Fairphone vorbestellt. Genau solche Projekte wünsche ich mir, also muß ich auch zuschlagen.

4.9.2013 Update im Fairphone Blog: Lieferung für Dezember 2013 angekündigt.

8.1.2014 Heute per Mail GLS Tracking-Id des gestern an mich versendeten Telefons erhalten.

2 thoughts on “Das Fairphone Projekt

  1. Hmmm. Ob der solidarische Kauf eines „Fairphones“ fairer (z. B. zur Umwelt) ist, als sich einfach mal in Kaufverzicht zu üben und damit das Signal auszustrahlen, daß man Wegwerfhandies und deren Erneuerungszyklen nicht gutheißt? Aber mei, von irgendwas müssen die Chinesen ja auch leben – und jetzt, wo Deutschland ausstirbt…

    1. Über Kaufverzichte zu schreiben, wäre müssig und negativ.
      Das Fairphone will ich haben, die Idee halte ich für ein aktuelles und unterstützenswertes Projekt.
      Hoffentlich wird das was. Im Herbst weiß man mehr.

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