Datarecording am Fahrrad – Teil 3

…oder „Garmin Edge 130“

Fahrtdatenaufzeichnung und wenn möglich auch Navi am (sportlichen) Fahrrad – Dauerthema im Blog seit 2008, nun nochmal speziell im Hinblick auf Einsatz am Rennrad. Gesucht wäre ein leichtes und modernes Gerät zur Fahrtaufzeichnung. Am Rennrad würde ich kabellose Sensoren bevorzugen, bei normalen Rädern wäre es relativ egal. Zudem finde ich es sehr nützlich, wenn man Streckendaten kabellos vom und zum Gerät transferieren könnte.

Geschichte mit Bart

Meine vergangenen Ansätze (als GPS Späteinsteiger) waren:

  • Anachronismus (ohne „Datarecording“): Das allererste Medion Autonavi auf dem Markt, per Nabendynamo versorgt, am Lenker montiert. Das hat irgendwie funktioniert. Damit wurden ernsthaft schöne Touren mit dem Big Dummy gefahren. Leider war kein Foto vom Medion Navi im Gefriersackerl am Schwanenhals am Big Dummy Lenker mehr auffindbar. Sehr schade, eine skurrile Pragmatikerlösung zum Thema Navi.
  • Garmin Oregon 400t: Auch schon fast eine Dinosaurierlösung mit guter Aufzeichnungsgenauigkeit, Kartendarstellung am Gerät, eingeschränkte Planungs- und Routingfähigkeit mit velomap OSM Karten am Gerät, vorsintflutliches Batteriegemache, klobiges häßliches Gerät am Lenker, kabellose Datenübertragung extrem mühsam bis unmöglich, Ablesbarkeit im Schatten schlecht, dank geringem Stromverbrauch ggfs. am Nabendynamo auf Dauer betreibbar.
  • Radcomputer: Experiment mit Sigma BC14.16, sehr günstig und leicht, einfache kabellose Trainingsdatenübertragung per NFC, es fehlt die Herzfrequenzaufzeichnung und weitere Sensoren. Konzeptuell aber interessant, siehe unten (BC 23.16).
  • Locus Map Pro am Android Smartphone: viel Einarbeitung und Feineinstellung erforderlich bis es nach Wunsch klappt. Dann ist dies eine leistungsfähige und „vollintegrierte“ Lösung ohne weitere nötige externe Komponenten, sogar mit Kartennavigation auf aktuellem offline Kartenmaterial und somit bester Orientierungsmöglichkeit auch in unbekanntem Terrain. Nachteil: mühsames Setup, begrenzte Akkureichweite, großes Smartphone ungeschützt am Lenker. Die GPS Höhenaufzeichnung kann man im Trainingsportal oder direkt in der Locus App glätten oder ersetzen, aber die geschwindigkeitsbasierten Daten, insbes. die Momentangeschwindigkeit in Fahrt sind relativ ungenau. Mindestens ein Speedsensor wäre noch nötig. Locus würde den auch unterstützen. Oft sehr nützlich ist der frei konfigurierbare Voicecoach der App samt Routingansagen, und wenn man mag parallel zum Musikplayer via Headset. Wenn schon denn schon. Das ist halt Smartphone.
  • Evaluierung Wahoo Elemnt Bolt sowie Garmin Edge 1030: Dank ausführlicher Blogs kompetenter GPS Radfahrer bzw. User gibt es echt lesenswerten Stoff im Web, anhand dessen man sich gut einarbeiten kann. Ich habe das getan und bedanke mich bei allen, die sich die riesige Arbeit machen, interessante Artikel zur Praxis mit solchen teuren Geräten zu erstellen und zu veröffentlichen. Ich kann mir nicht mal schnell so ein Gerät zur Eigenevaluierung leisten, bzw. habe auch nicht die Zeit dazu. Das 1030er reizt mich als vollwertiges Navi am Lenker. Navigationsfähigkeit ohne Konnektivität zu irgendwelchen externen Geräten oder Portalen ist super. Allerdings ist es ein good old Garmin im Garminuniversum, was ich bei dem Preis nicht unbedingt 100% positiv sehe, zumindest aufgrund meiner Erfahrungen mit unseren alten Oregons.
    Das Elemnt Bolt hingegen ist eleganter, kleiner, konzeptuell moderner, preisgünstiger und bietet eine weitgehend als positiv beurteilte Tracknavigation mit OSM Kartendarstellung, sowie beste Sensoranbindung, wobei es bei Wegfall aller Konnektivität u.U. schwierig mit dem Umrouten wird, selbst wenn das Smartphone dabei ist. Konzeptbedingt ist der Elemnt Bolt kabellos zu betreiben, was stark für so ein Gerät spricht. Einige Trainingsportale scheinen vordefiniert zu sein. Ich finde aber keine Angaben, ob dies eine Einschränkung bedeutet, oder ob man beliebige Möglichkeiten hat, seine Trainingsdateien schnell und einfach weiterzuverarbeiten. Natürlich legt man auch für das Elemnt Bolt einiges an Geld auf den Tisch. Schnell mal im Vorbeigehen mitnehmen wie einen billigen Radltacho würde man so ein Gerät nicht.

Sigma BC 23.16

Locus Map Pro als interessante und leistungsfähige aber auch aufwendige und etwas zickige (Android…) Lösung hat mich bewogen, mir nochmal Gedanken über den reinen Minimalismus, sprich den Sigma Radltacho zu machen. Die Idee, die Fahrtdaten per NFC rauszuholen und in die Sigma Cloud zur Weiterverarbeitung zu laden, ist gut. Das simple Gerät zeigt genau das an, was man will, macht keine Akkusorgen, ist winzig und leicht und ist somit fast schon ein No-Brainer – eine sehr angenehme Lösung für den nicht leistungsorientierten Freizeitradler und Fahrradpendler wie mich. Das im Web öfter mal als wacklig beschriebene Auslesen per NFC funktioniert mit meinem P20Lite Smartphone mit einem bestimmten Trick perfekt: Vor dem Auslesen abwarten, daß der Sigma vorher in den Sleepmode fällt und so quasi die Runde datenseitig abschliessen kann. Aus dem Sleepmode geht dann jede Übertragung auf Anhieb einwandfrei durch.
Also schaut man sich doch nochmal die Modellfamilie an und findet das Topmodell BC23.16, welches für sehr erschwingliches Geld her geht, zusammen mit einem Pulsgurt, sowie Geschwindigkeits- und Trittfrequenzsensoren.
Und ehrlich, ich war kurz vor dem Kauf, als plötzlich irgendwie im Webbrowser nochmal ein anderes Gerät meine Aufmerksamkeit auf sich zog, nämlich das

Garmin Edge 130

Das kleine Garmin hatte ich mir bei dessen Neuvorstellung in meinem G+ Feed notiert, es dann aber wohl doch aus dem Blick verloren. Der aktuelle Aufpreis vom Sigma BC23.16 zum Edge 130 ist „halbschmerzhaft“, und zwar weil man beim Edge noch Sensoren kaufen muß, welche beim Sigma im Lieferumfang sind. Einen BLE/ANT+ Brustgurt besitze ich immerhin fürs Locus Map Training bereits. Und gemessen am Leistungsumfang scheint mir das Edge 130 inzwischen preiswert, also sicher weit ab von Garmin Premium-Niveau.
Das Edge 130 bietet im Vergleich zum Sigma BC eine wesentlich elegantere Darstellung und Bedienbarkeit, wie man an den offiziellen Garmin Tutorial Videos gut sehen kann. Es erinnert mich überhaupt nicht an Oldstyle-Garmin, wobei das i.W. eine unqualifizierte Aussage ist, denn ich besitze momentan kein aktuelles Garmin Gerät. Die Panels sind konfigurier- und erweiterbar, und natürlich – es hat GPS an Bord.

„Ein bisschen GPS“ – braucht oder will man das? Das kommt auf den Preis an. Ein 33g Navi hat was, allein der Technikfan will das eigentlich schon haben, denn die Fahrtaufzeichnung mit Puls, Höhe und weiteren Sensordaten entlang der Strecke visualisiert ist definitiv interessanter als die reine Zahlenstatistik aus der Sigma Aufzeichnung. Und da sind wir wieder beim recht günstigen Kaufpreis, der sogar das Wahoo stark unterbietet. Die Hoffnung beim Edge 130 ist, daß die Balance aus Komplexität und Featureitis gegenüber der Einfachheit eines so kleinen Gerätes gelingt. Keine Android Zicken und Unwägbarkeiten im Betrieb, bessere Sensor- und vor allem GPS-Genauigkeit als bei Android, und das scheint mir auch eine Stärke der Garmin Geräte zu sein. Wir werden sehen.
Die Garmin Tutorial-Videos suggerieren jedenfalls einfache Bedienbarkeit: Bei Fahrtbeginn Start-Button, bei Fahrtende Stop-Button, Trainingseinheit wird automatisch via Smartphone übertragen ins Garmin Connect Portal, von dort gehts dann hoffentlich irgendwie weiter. Das klingt soweit super und schenkt sich nichts mit dem Sigma BC NFC Konzept, sofern Garmin Connect meine Trainingsdatei später zum Download freigibt, was ich doch stark hoffen möchte.

Natürlich hat man bei der Ersteinrichtung eines solchen Gerätes ein bisschen was zu tun, aber lt. den Tutorial Videos ist das gar nicht so schlimm und auch nicht sehr umständlich. Die notwendige Garmin Connect App am Handy macht auf mich vorläufig einen modernen und guten Eindruck, also ganz anders als das leidige Mapsource/Basecamp Gefuddel. Das könnte schon klappen. Die in Kauf zu nehmende Einschränkung des GPS Minimalgerätes ist das fehlende Kartenmaterial. Tracknavigation ist vorgesehen, und man kann sogar unterwegs Tracks per Smartphone via Bluetooth auf das Gerät bringen (hoffentlich drei Größenordnungen schneller als beim unglaublich lahmen Oregon 400t). Hat man allerdings keine Tracks für die aktuelle Situation vorbereitet, so braucht man doch Daten-Konnektivität (Hallo, Niederbayern!), um eine entsprechende App anzuschmeissen und die Tracks ins Garmin Connect Portal zu laden, sie auf die Connect App zu syncen, und sie dann letztendlich via Bluetooth aufs Edge zu schieben. Tja, mit einem 1030 Vollnavi wäre das nicht passiert, aber das ist eben dann ein Teil des Deals.
Wie ich schon von der Nutzung meines Trail-Tech Voyager weiß, kann die reine Tracknavigation ohne dargestellte Karte u.a. an Abzweigungen ein bisschen lästig sein, was von Edge 130 Usern auch so berichtet wird. Aber es ist besser als garnichts, und es wird im kleinen Edge offenbar gut gehandhabt mit Abbiegehinweisen auf allen Screens.

Viel geschrieben für nichts

Das bestellte Gerät ist noch nicht eingetroffen, ich bin derzeit verkühlt, der Text zum Edge 130 ist als Spekulation zu werten. Validierung folgt.

Update 1: Das Gerät

Inzwischen ist das Gerät eingetroffen. Mein erster Eindruck ist sehr gut. App und Ersteinrichtung sind genau nach Wunsch. Ich bin auf den Ersteinsatz am Rad gespannt. Das Teil könnte mein Idealgerät werden.

Garmin Edge 130
Garmin Edge 130

Im Moment lese ich ein Buch statt zu fahren, zu sehen in obigem Foto: „Leistungsfaktor Radsport“ von Dr.Achim Heinze, zweimaliger Weltmeister im Extremradsport, aus meiner Heimatstadt stammend. Die Lektüre begeistert mich. Als Laie nach gut 30 Jahren Radfahrens, teils auch sportlich und ambitioniert, werde ich gelegentlich einen Post zu diesem sehr motivierenden und hochinteressanten Buch verfassen. Leseempfehlung.

Update 2: Sensoren

Im Anschluß an die Ersteinrichtung wurde der Wahoo Tickr Herzfrequenzgurt per BLE (wahlweise per ANT+), sowie ein nachträglich bestellter Garmin Geschwindigkeitssensor für Nabenmontage über ANT+ gekoppelt. Das verlief problemfrei. Die Geräte werden automatisch entdeckt und angeboten. Das ist toll gemacht.
Der Geschwindigkeitssensor wirkt an der Nabe ziemlich klobig, man würde ihn sich etwas graziler wünschen. Was mir dabei aber dann wieder gut gefällt, sind die Radumfangs-Konfigurationsoptionen manuell / automatisch im Edge. Man kann wahlweise den Radumfang selbst ermitteln und eingeben, oder aber man gibt nichts ein, sondern lässt es das Edge 130 selbst ermitteln. Dabei wird vermutlich die GPS Geschwindigkeit mit der Radumdrehungszahl abgeglichen und so ein passender Mittelwert des Radumfanges berechnet. Das ist wohl letztendlich nichts anderes, als man nach einer manuellen Einstellung eines digitalen Radtachos mit Hilfe eines nebenbei montierten GPS Gerätes tun würde, quasi eine Pi mal Daumen Eichung bei der ersten Fahrt. Das ist mal eine praktische Option, und die werde ich sicherlich ausprobieren in Kenntnis des ungefähren realistischen Radumfangs. Ideal ist so eine Funktion auch zur Messung des realen Fahrt-Radumfangs beim Fatbike, wo es aufgrund des geringen Reifendrucks besonders schwierig zu messen ist. Nach wie vor bin ich nur am Einrichten bzw. Experimentieren, aber was ich bisher von dem Gerät erlebe, ist perfekt.

3 thoughts on “Datarecording am Fahrrad – Teil 3

  1. Zur reinen Aufzeichnung nutze ich am Rad mittlerweise ein kleines Edge 25. Neben dem Sync mit Garmin Connect, Strava und Co, wo man jeweils auch die GPX/TCX runterladen kann, ist direkt per Kabel auch die .fit Datei auf dem Gerät verfügbar.
    Per Ant+ ist neben Puls auch Tritt- und Geschwindigkeitssensor gekoppelt.

    Ansonsten mag ich mein Oregon 450 immernoch sehr als Gerät mit Karte. Ich emfinde die Batterien bzw Akkus nicht als Nachteil, sind diese im Notfall an jeder Ecke zu bekommen bzw einfach zu wechseln wenn nach 20h dann doch mal der Saft zu Ende geht. Da ist das beim Edge ja schon schwieriger wenn das Ding alle ist.

    1. Auch betreffend der Oregon Batterien gebe ich dir natürlich Recht. Das ist für mich eine Schwerpunktabwägung. Das Oregon ist das Outdoor Navi, da hat das Sinn. Besser hat man es bei späteren Modellen gemacht, wo man wahlweise statt Batterien auch Akkus verwenden und diese dann im Gerät laden kann, was mein altes Oregon nicht kann. Das hätte mir den Pufferakku zum Nabendynamo hin unterwegs erspart.
      Am Rennrad für „After-Work“ Runden hätte ich es aber inzwischen gerne eleganter, kleiner, geschickter. Das Edge 130 spricht mich natürlich schon irgendwie als Gerät an, auch das war ein Grund.

      Und danke für den Tip mit der .fit Datei. Im Zweifelsfall komme ich also per Kabel an die Aufzeichnung, wenn Garmin Connect sie nicht mehr hergibt.

      1. Also dass man die Akkus nicht im Oregon laden kann, hatte mich nicht gestört. Wenn der Dynamo während der Fahrt in Bewegung Strom abgibt, braucht man die Akkus/Batterien ja nur im Stand und da sollten die die 20h ja Laufzeit ja reichen. Wichtig ist ja nur, dass bei der USB-Versorgung die beiden mittleren Kontakte gebrückt sind, so dass das Oregon es einfach als Stromquelle erkennt und nicht erst in den Datenträgermodus wechselt, denn dann dauert es ja immer ewig, bis es merkt, dass kein Computer da ist.

        Was kleines fürs Rad war bei mir auch der Grund für den kauf des Edge 25, das ist im Grunde genauso klein wie meine Laufuhr ForeRunner 35, Aussehen und Displaydarstellung sehr ähnlich und beide reichen für meine derzeitigen sportlichen Ambitionen völlig aus.

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