Der Elektrorad-Kaufmarathon

Das Endlosthema „Kauf eines Pedelecs“ geht in die nächste Runde. Für April 2018 haben wir als Ersatz unseres Motorrollers für alle Arten von lokalen Erledigungsfahrten ein Tern GSD Transportrad bestellt. Allerdings ist diese Wartezeit für mich zu lang. Ich benötige voraussichtlich viel kurzfristiger ein Elektrorad, kann mich aber nicht durchringen, ein lagerndes Altmodell zu kaufen. Und genausowenig werde ich nochmals den Versuch einer Vorbestellung machen, damit habe ich bereits zu viel Zeit sinnlos verbracht, abgesehen davon, daß es dazu für 2018 ohnehin zu spät ist. Das ganze erinnert entfernt an eine Lotterie.
Die Wunschvariante, ein schnelles und leichtes 45km/h Pedelec ist finanziell im Moment nicht machbar bzw. zu riskant, auch wegen evtl. anstehendem Technologiewechsel des betreffenden Wunschherstellers. An einem solchen Kauf war ich 2017 bereits gescheitert, da das Wunschrad (viel gibts da nicht am Markt) wegen eines Rückrufs nicht lieferbar war.
Heute habe ich wieder mal mehrere Stunden im Web geforscht, herumtelefoniert und meine Anforderungen (aber dann auch das Budget) frustriert runtergeschraubt:

  • Bosch System mit 500Wh Standardakku (nicht Powertube), weil Nutzung als Doppelakku beim bestellten Tern GSD
  • Leichtes Fahrrad mit sportlicher „Fitness-„Geometrie, wenn irgendmöglich Starrrahmen ohne Federgabel
  • StVZO Teile inbegriffen, oder Umrüstmöglichkeit mit Nabendynamo usw.

Sogar für 2018er Modelle hört man jetzt bereits Aussagen wie „für 2018 bereits komplett ausverkauft“. Es ist unwahrscheinlich, einfach in ein großes Fahrradgeschäft zu gehen und sowas mitzunehmen. „Wunschfarbe“ oder sonst irgendwelche abweichenden Ausstattungen machen es nicht einfacher. Man kann froh sein, wenn man die passende Rahmengröße findet. So erfreulich die Aussicht auf das GSD ist (man kann auch hier nur hoffen, daß der Liefertermin gehalten wird), so frustrierend ist bei mir bisher jeder Versuch, ein Elektrorad nach den individuellen Vorstellungen zu kaufen. Es gibt spezielle Elektrorad-Hersteller, welche typische Pendlerräder mit leistungsstarkem Antrieb und hübschem Design anbieten, aber schau gar nicht erst auf den Preis. Klar, damit hält man sich den Massenansturm vom Hals, aber da bin eben auch ich raus.

Da es also mein Wunschfahrzeug nach bisherigem Wissensstand weiterhin nicht so einfach zu kaufen gibt, und sich auch beim Forenlesen genau dieser Eindruck verstärkt anhand der Geschichten anderer User, bleibt wieder mal nur Kompromiss und Umbau. Heute habe ich bis auf weiteres den Entschluß gefasst, ein preisgünstiges und immerhin aktuelles Modell namens „Cube Cross Hybrid One 500“ zu beschaffen und dieses Rad dann nach meinem Geschmack umzubauen. Für 100 Eur mehr gibt es das Rad auch mit Alltagsausrüstung. Ich verzichte leider auf die 45km/h, unterliege andererseits keinen besonderen Strecken-, Teile- oder Homologationseinschränkungen und kann somit unbesorgter fahren. Zum Pendeln wird dieses Rad wegen der 25km/h Abregelung nicht taugen, aber für die momentanen Erfordernisse ist es geeignet. Die nächsten Tage muß ich die Lieferbarkeit eruieren, und das ist womöglich bereits der Showstopper. Das 2018er Schwestermodell mit dem CX Antrieb ist lt. einem grossen Händler in der Gegend „bereits ausverkauft“. Also für ganz 2018, wenn ich es richtig verstanden habe.

Das erwähnte „Cross Hybrid One“ besitzt den neuen 2018er Bosch Active Line Plus Antrieb mit großem Kettenblatt, geringerem Tretwiderstand und geringerer Lärmentwicklung. Der Motor ist weniger leistungsfähig als der aktuelle Performance CX, dafür 800g leichter und kleiner, somit auch besser in den Rahmen integrierbar. Möglicherweise ist der kleinere Motor im Normalbetrieb sogar etwas energieeffizienter. Es besteht die Chance, daß der Markt aufgrund der geringeren Leistung nicht ganz so gierig auf Modelle mit diesem Motor ist. Das Rahmendesign gefällt mir erheblich besser als beim erwähnten CX Schwestermodell. Insbesondere hat Cube nur bei diesem neuen Modell den Powerpack Standard-Akku wirklich schön in den Rahmen integriert. Der Verzicht auf den vollintegrierten Powertube Akku fällt insofern leicht, zumal der normale Powerpack bei gleicher Kapazität sogar leichter ist als der Powertube. Der meiner Meinung nach große Nachteil dieses kleineren Motors ist augenscheinlich die erheblich niedrigere unterstützte Maximaltretfrequenz von 105rpm (vs.120 beim Performance). Das könnte bei sportlicher Fahrweise eine lästige Einschränkung bedeuten. Auf der Bosch Webseite gibt es alle Detailinformationen.

Abgesehen davon ist die Ausstattung eher mager, notgedrungen bei dem Preis. Da aber Rahmen und Kaufpreis attraktiv sind, bietet sich die Möglichkeit, dieses ohnehin recht leichte Pedelec etwas zu veredeln. Das gibt also Schrauberstunden für 2018. Das Rad bietet vielleicht die Basis für ein sportliches Pedelec, wenn man das geringe Gewicht und den geringeren Tretwiderstand bedenkt. Sollte ich später auf ein 45km/h Pendlerrad upgraden, so müsste sich dieses Fahrzeug einigermassen gut verkaufen lassen, oder zumindest würde sich der finanzielle Verlust in Grenzen halten.
Der Technikfan in mir würde sich über ein Steckachssystem statt der Schnellspannachsen freuen, aber das gibt es in der Preisklasse wohl bisher nicht.

Alternativen

Hier interessante gut ausgestattete Alternativen, über die ich bei der heutigen Webforschung gestolpert bin. Alle sind 2018er Modelle, alle haben reine Starrrahmen und sind mehr oder weniger sportlich angesiedelt. Eins ist wie das obige Cube mit dem 2018er Bosch Active Plus Antrieb und Powerpack 500 Akku ausgerüstet, das andere mit Yamaha PW-X und einem Gesamtgewicht unter 20kg. Das dritte hat den Bosch CX Antrieb. Preislich gehobene Mittelklasse.

In meiner Google+ Elektrorad Collection sammle ich weitere Modelle, die mir auffallen.

Update: Lieferbarkeit und Plan

Das beschriebene Cube Cross Hybrid Rad ist laut meinem Händler lieferbar frühestens Anfang Februar 2018, falls jemand sich dafür interessieren sollte. Klar wird der Active Line Plus Motor nicht die Kraft des CX Antriebs haben, aber für Straßenbetrieb sehe ich – abgesehen vom niedrigeren Limit bei der Tretfrequenz – eigentlich nur Vorteile. Das „Drehmomentargument“ ist mir vollkommen egal, denn fürs Drehmoment gibt es in der Garage eine MT-07.