Funbikes II (Duke 390)

Ein für mich überraschendes Update zum alten Funbike Artikel ergab sich heute. Als Ersatz für unseren etwas langsamen Vision 50 Pendler-Fuffi und als würdigen Nachfolger meines sehr geschätzten früheren PCX hatten wir einen bei meinem Händler lagernden Yamaha NMAX 125 Roller gekauft, dessen Auslieferung sich leider verzögerte. Auch der für heute vereinbarte Abholtermin platzte. Ich war mit dem Zug zur Abholung angereist und hatte dann kein Fahrzeug für die Rückfahrt. Mein Händler „entschädigte“ mich mit einem herrlichen Leihfahrzeug: der KTM Duke 390.
Die mittlere Duke ist ein Funbike im engsten Sinne. Man müsste diesen Begriff komplett streichen, wenn diese Duke kein Funbike wäre. Jedenfalls wollte ich die 390er schon seit ihrer Neuerscheinung ausprobieren, und die heutige Fahrt über 60km Wirtschaftswege, Klein- und Landstraßen war eine Offenbarung. Unten im Artikel folgt der quasi zwingende Vergleich zu meiner 7 Jahre alten unermüdlichen und jederzeit einsatzbereiten Yamaha WR250R Supermoto.

Duke 390 Fahrbericht

Mit diesem Fahrzeug hatte ich heute nicht gerechnet und hatte – auch wegen der Zuganreise – nur Rollermontur dabei. Als ich die Duke zur Heimfahrt bestieg, war klar, daß ich ruhig und vorsichtig fahren würde. Wie sich dann zeigte, war ersteres nicht zu schaffen.
Zunächst allerdings würgte ich die Duke beim Start im kalten oder lauwarmem Zustand zweimal ab. Dies war verwunderlich, insofern ich ja die kleine WR gewohnt bin. Im späteren warmgefahrenen Zustand war es dann gar kein Problem mehr.
Der besagte Vorsatz der ruhigen Fahrt fiel sehr schnell: geniale fahraktive gierige Ergonomie, reaktionsfreudiger kernig am Gas hängender Motor. Langsam geht gar nicht. Wenngleich ich mich mit dem Leihfahrzeug permanent einzubremsen versuchte, auch in Anbetracht meiner Klamotten, konnte ich die Finger zu keiner Zeit stillhalten.

KTM Duke 390 Fahrbericht
KTM Duke 390 Fahrbericht

Zum einen hat die Duke 390 eine überraschend starke Mitte, die bereits viel Spaß macht. Der Leistungsanstieg der WR250R ist im mittleren Drehzahlbereich linear und unspektakulär. Zum anderen geht es obenraus dann dermassen ab, dass man es bei der angegebenen Leistung nicht glauben möchte. Von einem typischerweise in der Mitte gähnenden Homologationsloch ist wenig zu merken.
Jetzt erinnere ich mich endlich wieder, warum ich ständig von 50kg zuviel bei der Honda NC700X dahinlamentiere. Die NC kann man jederzeit engagiert fahren, aber die 80-90kg Mehrgewicht zur Duke sind eine andere Welt. Das ist nicht mehr vergleichbar.

Wenn viele NC (Probe-)Fahrer über den früh einsetzenden Begrenzer der NC700X jammern, was ich selbst nie als überraschend erlebt hatte, so muß ich sagen, dass ich jetzt bei der Duke immer wieder im Begrenzer landete, weil sie derartig frisch ausdreht, dass du gar nicht vom Gas willst oder nicht schnell genug zudrehen kannst. Die WR250R ist überdrehsicherer. Sie verliert ganz obenraus Schub, noch bevor der Begrenzer kaum merklich weit über 10.000rpm einsetzt. Die 390er geht mit vollem Schub hart bei 10.000rpm ins Begrenzerrattern.

Die KTM ist sehr zierlich, was auch dafür sorgt, dass sie irrsinnig leicht wirkt. Auf dem Papier ist sie schwerer als die WR250R, aber der subjektive Eindruck in der Realität ist andersherum. Neben der Duke wirkt die WR250R richtig groß, obgleich auch die WR250R ein zierliches Motorrad ist. An der Duke fällt eigentlich nur der sehr breite Tankrücken aus dem Rahmen. Der Tank ist fast breiter als lang, weil das Fahrzeug bzw. der Körper sehr kurz gehalten ist. Ich schätze das.

In Punkto motorischer Spritzigkeit muß man klar sagen, ist die Duke 390 eine eigene Klasse. 100% Spaß auf Rädern. Das hat den kleinen aber wichtigen Effekt, daß man wirklich befürchten muß, mit diesem Fahrzeug ständig ins Heizen zu kommen. Man muß sich im Griff haben. Das Motorrad bremst einen durch nichts ein, im Gegenteil.
Nur wenige Kleinigkeiten haben mich genervt: im Kupplungshebel hat man beim Anziehen ein spürbares Knacksen, als ob der Kupplungszug kurz vor dem Abreissen wäre. Das ist sicherlich harmlos, aber eingedenk früherer KTM Seilzugrisse komme ich schwer drüber weg. Das motorische Laufgeräusch bzw. Ansauggeräusch ist mir zu laut, trotz Ohrstöpseln. Für lange Fahrten wäre das bei mir ein Showstopper, weil es auf die Dauer sehr unangenehm wird. Insbesondere ist in dem typischen Duke-Ploppern auch ein heller Klang-Anteil, der für mein Hören zu penetrant ist. Und zum dritten sind leuchtende Display-Kontroll-Lichter (z.B. Blinkerkontrolllicht) bei Sonneneinstrahlung kaum erkennbar.

Das Fahrwerk ist bei welligem Asfalt kleiner Wirtschaftswege recht hart, also man kriegt die feinen Schläge ab. Das liegt natürlich auch am Leichtgewicht des Fahrzeugs selbst. Hier ist die WR250R mit ihrem Endurofahrwerk natürlich im Vorteil. Die bügelt das bei gleichem oder weniger Fahrzeuggewicht glatt. Abgesehen davon fand ich die Fahrwerksauslegung und Steuerbarkeit auch bei höherem Tempo einwandfrei, perfekt, erfreulich und motivierend 🙂

Also: Wer auf der Suche nach extrem viel Fahrspaß für wenig Geld ist: kaufen! Das wird man nicht bereuen, denn dafür ist diese Duke gebaut.

KTM Duke 390
KTM Duke 390

Von der gesamten Verarbeitungsqualität und der Haltbarkeitsperspektive würde ich persönlich die teurere WR250R bevorzugen. Man sieht schon, daß da ein beträchtlicher Unterschied ist. Wenn einem das aber egal ist, dann wird es sehr schwer, von einer 390er Duke abzuraten.