Funbikes

Unter dem Begriff Funbike wurde einem in den letzten 15 Jahren so einiges angedreht. Ursprünglich glaube ich, daß die Bezeichnung eng mit dem Supermoto Trend verbunden war, und i.W. auch eine Art Supermoto damit gemeint ist: leicht, möglichst rabiate Motorcharakteristik, möglichst unzerstörbar. Aber so ganz klar war das andererseits dann auch wieder nicht. So manche „Gurke“, aber auch schwere Mehrzylindermotorräder und Nakedbikes bekamen diese Bezeichnung. Warum auch nicht: wems Spaß macht, die oder der hat Recht. Ich fasse die Bezeichnung inzwischen auch relativ weit, wie man sieht.
Links im Bild, die Yamaha WR250R mit 136kg vollgetankt ist ein Funbike im engeren Sinne, aber der drehzahlgierige 250er Motor verlangt eine ambitionierte Fahrweise, damit der „Fun“ auch rüberkommt. Sonst ist es eher mühsam. Rechts im Bild die schwere NC700X hat ein sehr lässiges und unproblematisches Handling, einen bulligen schwungvollen einzylinderähnlich laufenden Motor, aber 230kg. Bei der Masse kann man mit 52PS nicht mit rubbelndem Hinterreifen aus den Ecken rausbeschleunigen, aber ein funbikeartiger aktiver Fahrstil geht auf jeden Fall, sofern die Strecke dementsprechend verläuft. Weder das DCT, noch das superpraktische Gepäckfach tun dem Spaß einen Abbruch, und sogar unbefestigte Straßen nimmt die NC dank ihres sehr tiefen Schwerpunkts mit stoischer Ruhe, selbst wenn man übermotiviert am rechtsseitigen Griff dreht. Das ABS kann es ebenfalls ab. Vollbremsungen auf Schotter: gerne. Wers nicht glaubt: ausprobieren! Du stehst schneller als du denkst. Fast ein wenig verführerisch in Bezug auf des Phänomen „Risikokompensation“.

So gerne ich mich an meine früheren Supermotoeinsätze erinnere (besonders schön auch dieser hier), jene Zeiten sind vorbei, und da werde ich nie mehr auch nur annähernd hinkommen. Umsomehr schätze ich inzwischen die große Bandbreite dieser beiden „Funbikes“: die NC als Straßenmotorrad, fahrbar von total lässig bis ambitioniert, besonders geeignet für längere Touren und Pendelfahrten. Und die WR als „Arbeitsgerät“ aka rasende Gartenhacke, wenn einen der Hafer sticht und man irgendwo sorglos drüberbraten will. Das schmale Gerät mit gut 130kg ist fehlertolerant und agil genug, um im Zweifelsfall auch mal derb korrigieren zu können. Ich spreche hier von entsprechend geeigneten Strecken, keineswegs von öffentlichem Straßenverkehr, Verletzung der Sorgfaltspflicht oder der guten Sitten, nur um diesbezügliche Zweifel im Keim zu ersticken. Abschließend sei erwähnt, daß eine weitere Eigenschaft für mich unabdingbar geworden ist, um den Begriff Funbike (im Gegensatz zu „Wettbewerbsfahrzeug“) zu rechtfertigen: ich erwarte heutzutage ein haltbares wirtschaftliches und möglichst wenig umweltfeindliches Fahrzeug ohne Lärmterror und Nerv-Faktor. Selbst als langjähriger Motorradfahrer und sogar ehemaliger Hobbymotorsportler kann ich mit penetranter schmeissfliegenartiger Nerv-Fahrerei garnichts anfangen.