Garmin Edge Explore

Seit 2018 sind zwei aktuelle GPS-basierte Fitness-Gadgets von Garmin beschafft worden. Sowohl der Edge 130 Rennradcomputer, als auch das Vivosport Fitnessarmband gefallen mir sehr gut: Funktionale leichte und robuste (Sport-)Begleiter mit quasi-automatischer Anbindung an das Garmin Connect Portal. Da kann Garmin bei mir punkten. Der Edge 130 macht auf vorbereiteten Strecken zudem Navigation mit Abbiegehinweisen, allerdings ohne Kartendarstellung. Wie weit ich damit wirklich im Ernstfall komme, ist noch nicht untersucht, aber es funktioniert soweit mal gut.

Ein sehr preisgünstiges Angebot hat mich nun ungeplant verleitet, den lange fälligen Nachfolger fürs uralte Garmin Oregon 400t zu kaufen, also ein echtes Navi mit Karten und voller Routingfähigkeit. Es ist ein Edge Explore geworden, welches angeblich in Bezug auf Navigation identisch zum großen teuren Edge 1030 ist bei ansonsten deutlich verringertem Funktionsumfang. Ich brauche das Ding für den Zweck der Fahrradnavigation, sowie einiger Basisfunktionen der Fahrtaufzeichnung, aber ich suche keinen Trainingscomputer. Und immerhin: Sowohl Puls- und Geschwindigkeitssensoren, als auch die Smartphone-basierte Konnektivität zum Garmin Connect Portal, sowie Messaging usw. funktionieren damit perfekt.

Meine vorangehenden Experimente mit Locus Map Pro erkläre ich für beendet. Gescheitert sind diese letztendlich am unbrauchbaren Offline-Routenplaner, der das Routenplanen anhand von Streckenpunkten selbst in einfachen Fällen zu einer puren Katastrophe machte, zudem an der gesamten Zickigkeit von Android. Eine Ansammlung von Tricks und Workarounds lassen das ganze schon irgendwo tauglich sein, aber wenn es unterwegs mal zur Sache geht, braucht man etwas, das einfach funktioniert. Ohne Tricks und Workarounds und ohne viertelstundenlange Planungspausen. Locus Map Pro ist eine interessante und sehr leistungsfähige App, die ich eher nur für Tracking/Aufzeichnung, sowie reines Abfahren vorhandener Tracks, oder halt wenn dann für aufwendige wissenschaftliche Expeditionen nehmen würde, wo es noch zwei drei Fallbackebenen gibt und man unterwegs Zeit für Beratungen hat. Wenn es aber nur einfach schnell gehen muß, und es dabei nicht allzu schlecht routen soll, dann besser nicht.

Edge Explore und Edge 130 im Vergleich

Es gibt viele sehr gute und ausführliche kompetente Artikel im Web zum Edge Explore, die ich vor dem Kauf studiert habe. Ziel meines Schriebs hier ist nun nicht, das Gerät neuerlich zu erforschen, sondern einzig und allein meinen ersten Eindruck als User wiederzugeben, der vom uralten Oregon 400t kommend nun ein ganz aktuelles Garmin Navi in die Finger kriegt. Wie viel besser ist es? Ich fasse mich kurz.

  • + + + Simple Halterung kompatibel mit anderen Edge Geräten, zwei Stück im Lieferumfang, braucht wenig Platz am Lenker, hält gut.
  • – – – Akku fest verbaut und nicht wechselbar
  • – – Abstürzen wie good old Oregon, ein zwei mal pro kurzer Rundroute bisher anscheinend normal. Immerhin, nach Reboot gehts direkt weiter ohne erneute Konfiguration. Und es gibt inzwischen bereits absturzfreie Runden.
  • + + Display gut, bei Sonne im Zwielicht wie schon beim Oregon erschwert ablesbar, sonst ausgezeichnet. Touchscreen funktioniert super und ist treffsicher, da ist das Gerät dem Oregon weit überlegen.
  • + + Bedienung modernisiert. Zwar ist auch nicht alles sofort erreichbar, aber es gibt einige Shortcuts, sowie Interaktion zwischen den Screens, insbes. werden Navigationsanweisungen immer passend eingeblendet. Auch hier ein großer Fortschritt gegenüber den starren und somit etwas umständlichen Screens beim Oregon. Den für mich sinnlosen Rundenknopf links unten würde ich gerne – wie beim Edge 130 – umdefinieren können.
  • + + Größe und Gewicht akzeptabel. Nicht ganz leicht, nicht ganz filigran, aber sehr formschön verglichen mit dem alten Oregon Dinosaurier-Ei. Nochmal schade, dass man bei so einem Gehäuse keinen wechselbaren Akku hat.
  • + + – Verglichen mit dem Garmin Oregon Fahrradrouting auf den damaligen City Navigator Karten ist das Fahrradrouting hier brauchbar, zumindest nicht blödsinnig. Fahrradrouting ist ohnehin eine Wissenschaft, man kriegt selten ein wirklich gutes Ergebnis, aber es sollte wenigstens praktikabel sein. Rennradrouten über nicht asfaltierte Waldwege kommen beim Edge Explore leider auch vor, da muß man etwas aufpassen. Manchmal wird die Route erheblich länger als erwartet, trotz „kurzer Distanz“ Gewichtung. Unbedingt visuell überprüfen, wenn es fragwürdig wirkt. Heatmap Routing ist optional verfügbar. Die möglichen Routing-Einstellungen scheinen brauchbar.
  • + + Rechengeschwindigkeit sehr ok verglichen mit dem alten Oregon, wo man allein beim Zoomen einer OSM Karte schon die Motten gekriegt hat.
  • + – Akkulaufzeit so lala, hätte ich bisher mal gesagt. Also ich bezweifle stark, daß man einen ganzen Fahrtag mit einer Ladung durchkommt, selbst wenn man das Display ständig im Sparmodus betreibt. Betrieb am Nabendynamo habe ich noch nicht versucht. Zudem ist der Ladeanschluß je nach Lage des Gerätes am Rad ungünstig erreichbar.
  • + + + Garmin Connect Anbindung und Fahrtauswertung
  • + + + Geräte-, Software-, Kartenverwaltung mittels Garmin Express
  • + + + Aufspielen von OSM basierten velomap Karten funktioniert über Basecamp auf Anhieb.
  • Temperaturangabe im Wetterwidget erfolgt in Fahrenheit, m.a.W. hat man eine Anzeige des Prager Wasserstandes a la Unzen, Ellen, Kröten, was auch immer, … Im Web findet man einen Trick, wie man das bei initialer Neueinrichtung des Gerätes berichtigen kann, was ich zu spät realisiert habe. Ist das Gerät erstmal eingerichtet, dann leider Pech. Wie gut, daß wenigstens die anderen Einheiten auch nachträglich per Benutzer-Einstellungen auf metrisch umstellbar sind.
  • – – Direktes drahtloses Hochladen von GPX Tracks auf den Edge geht nicht. Man muß immer über die Connect App oder Komoot o.ä. gehen. Manchmal will man einfach einem Track folgen, ohne diesen durch irgendwelche Routingalgorithmen verhunzen zu lassen. Dann muß man den Edge per Kabel am Rechner vorbereiten.

Fazit

Mein erstes User-Fazit zum Edge-Explore: wenngleich dieses Navigationsgerät vielleicht nicht ganz so cool wirkt wie die oben genannten beiden kleinen aktuellen Garmin Geräte ohne Kartendarstellung, hat sich gegenüber der alten Garmin Zeit schon etwas getan. Das alte Oregon ist zwar noch in Erinnerungsweite, aber alles in allem ist der Fortschritt beim Gebrauch spürbar. Zudem rechnet das Edge erfreulicherweise um Faktoren schneller und bietet nutzbare drahtlose Konnektivität.

Fahrradrouting

Mein Schwerpunkt beim Edge Explore ist die Navigation. Die haut einen jetzt nicht aus den Socken, sondern sie bedarf immer noch einer gewissen Kontrolle. Es ist insofern kein Wundergerät mit umwerfender Fahrrad-Routing-Qualität, aber man erkennt beim Routing des Gerätes, daß fahrradtypische Gepflogenheiten berücksichtigt werden, ohne daß man über jeden Parkplatz oder durch Wohngebiete geschickt wird, und ohne dass einen das Gerät u.U. bei langen Strecken auf eine Autobahn führt, wie es beim Oregon mit City Navigator damals der Fall war. Es kann aber leider zu gravierenden Fehlrouten kommen. Eine Kontrolle der Route ist unumgänglich, wenn man in fremdem Gebiet ist, und die Steckenlänge einem spanisch vorkommt.

Technisch wunschgemäß funktioniert der Usecase aus Streckenplanung in Garmin Connect (auch in der App sehr eingeschränkt möglich) und Abfahren der Strecke mit dem Edge Explore oder wahlweise auch Edge 130, welche beide ja auf die Strecken im Connect Portal zugreifen können. Leider ist die Streckenplanung im Garmin Connect Portal nicht wirklich brauchbar und artet regelmäßig in verzweifeltes Punkteschieben und letztendlich unbrauchbare verwurschtelte Strecken aus, ähnlich der LocusMap/BRouter Problematik. Da bin ich enttäuscht.

Allerdings lassen sich auch Komoot Strecken direkt aus der Komoot App aufs Edge holen nach etwas Installation (IQ App) und Konfiguration. Das ist bezüglich Fahrradrouting womöglich die optimale Lösung. Komoot ist nämlich sowohl am Handy, als auch im Web in der Lage, mit wenig Aufwand gute Radstrecken zu planen. Das ist kein Vergleich zu dem elenden Gemache mit anderen hier beschriebenen Routenplanern. Der Edge Explore kann dann solche Strecken direkt übers Smartphone laden, sofern letzteres Internet-Konnektivität hat. Beim Edge 130 ist es komplizierter. Für diesen muß die Komoot Strecke erst im Web als GPX exportiert und im Garmin Connect Portal als Strecke importiert werden. Das geht also nicht unterwegs per Smartphone. Aber immerhin, es geht irgendwie. Jedenfalls werde ich wohl noch zusätzlich in die Komoot Regionen investieren, um an ein wirklich praktisches und schnelles Fahrradrouting zu kommen, welches dann eben am Garmin GPS Gerät nutzbar ist.

Sonstiges

Bezüglich Display-Ablesbarkeit ist der kleine Edge 130 mit dessen immer klar erkennbarer LCD „schwarzweiss“ Anzeige überlegen. Dennoch: die farbige Anzeige des Edge Explore ist alles in allem sehr ok, je nach Lichtsituation mehr oder weniger gut ablesbar. Der Touchscreen funktioniert ausgezeichnet und zielsicher, ist auch besser als beispielsweise ein Smartphone am Lenker, und er ist kein Vergleich zum mühsamen langsamen resistiven Touchscreen des Oregon, bei dem man trotz Kalibrierung permanent daneben trifft.

Für technische Details, Tipps, Einsteigerinformationen u.v.m. verweise ich auf die zahlreichen sehr guten im Web verfügbaren Tests der einschlägigen GPS-Blogs und Portale. Das hilft immer, und dort findet man wahrscheinlich alles, was der wissbegierige User vor und nach einem Kauf sucht.

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