Garmin Edge Explore

Seit 2018 sind zwei aktuelle GPS-basierte Fitness-Gadgets von Garmin beschafft worden. Sowohl der Edge 130 Rennradcomputer, als auch das Vivosport Fitnessarmband gefallen mir sehr gut: Funktionale leichte und robuste (Sport-)Begleiter mit quasi-automatischer Anbindung an das Garmin Connect Portal. Da kann Garmin bei mir punkten. Der Edge 130 macht auf vorbereiteten Strecken zudem Navigation mit Abbiegehinweisen, allerdings ohne Kartendarstellung. Wie weit ich damit wirklich im Ernstfall komme, ist noch nicht untersucht, aber es funktioniert soweit mal gut.
Ein sehr preisgünstiges Angebot hat mich nun ungeplant verleitet, den lange fälligen Nachfolger fürs uralte Garmin Oregon 400t zu kaufen, also ein echtes Navi mit Karten und voller Routingfähigkeit.

Es ist ein Edge Explore geworden, welches angeblich in Bezug auf Navigation identisch zum großen teuren Edge 1030 ist bei ansonsten deutlich verringertem Funktionsumfang. Ich brauche das Ding für den Zweck der Fahrradnavigation, sowie einiger Basisfunktionen der Fahrtaufzeichnung, aber ich suche keinen Trainingscomputer. Und immerhin: Sowohl Puls- und Geschwindigkeitssensoren, als auch die Smartphone-basierte Konnektivität zum Garmin Connect Portal, sowie Messaging usw. funktionieren damit perfekt.
Meine vorangehenden Experimente mit Locus Map Pro erkläre ich für beendet. [Update: Ende Mai 2019 gab es da bei mir wieder eine erfreuliche Erfahrung, siehe unten im verlinkten Artikel!]

Gescheitert waren diese Experimente letztendlich am vormals für mich unbrauchbaren Offline-Routenplaner, der das Routenplanen anhand von Streckenpunkten selbst in einfachen Fällen zu einer puren Katastrophe machte, zudem an der gesamten Zickigkeit von Android. Eine Ansammlung von Tricks und Workarounds lassen das ganze schon irgendwo tauglich sein, aber wenn es unterwegs mal zur Sache geht, braucht man etwas, das einfach funktioniert. Ohne Tricks und Workarounds und ohne viertelstundenlange Planungspausen. Locus Map Pro ist eine interessante und sehr leistungsfähige App, die ich eher nur für Tracking/Aufzeichnung, sowie reines Abfahren vorhandener Tracks, oder halt wenn dann für aufwendige wissenschaftliche Expeditionen nehmen würde, wo es noch zwei drei Fallbackebenen gibt und man unterwegs Zeit für Beratungen hat. Wenn es aber nur einfach schnell gehen muß, und es dabei nicht allzu schlecht routen soll, dann besser nicht.

Meine Wertung

Es gibt viele sehr gute und ausführliche kompetente Artikel im Web zum Edge Explore, die ich vor dem Kauf studiert habe. Ziel meines Schriebs hier ist nun nicht, das Gerät neuerlich zu erforschen, sondern einzig und allein meinen ersten Eindruck als User wiederzugeben, der vom uralten Oregon 400t kommend nun ein ganz aktuelles Garmin Navi in die Finger kriegt. Wie viel besser ist es? Ich fasse mich kurz.

  • + + + Simple Halterung kompatibel mit anderen Edge Geräten, zwei Stück im Lieferumfang, braucht wenig Platz am Lenker, hält gut.
  • – – – Akku fest verbaut und nicht wechselbar
  • – – Abstürzen wie good old Oregon, ein zwei mal pro kurzer Rundroute bisher anscheinend normal. Immerhin, nach Reboot gehts direkt weiter ohne erneute Konfiguration. Und es gibt inzwischen bereits absturzfreie Runden.
  • + + Display gut, bei Sonne im Zwielicht wie schon beim Oregon erschwert ablesbar, sonst ausgezeichnet. Touchscreen funktioniert super und ist treffsicher, da ist das Gerät dem Oregon weit überlegen.
  • + + Bedienung modernisiert. Zwar ist auch nicht alles sofort erreichbar, aber es gibt einige Shortcuts, sowie Interaktion zwischen den Screens, insbes. werden Navigationsanweisungen immer passend eingeblendet. Auch hier ein großer Fortschritt gegenüber den starren und somit etwas umständlichen Screens beim Oregon. Den für mich sinnlosen Rundenknopf links unten würde ich gerne – wie beim Edge 130 – umdefinieren können.
  • + + Größe und Gewicht akzeptabel. Nicht ganz leicht, nicht ganz filigran, aber sehr formschön verglichen mit dem alten Oregon Dinosaurier-Ei. Nochmal schade, dass man bei so einem Gehäuse keinen wechselbaren Akku hat.
  • + – Verglichen mit dem Garmin Oregon Fahrradrouting auf den damaligen City Navigator Karten ist das Fahrradrouting hier meistens brauchbar. Fahrradrouting ist ohnehin eine Wissenschaft, man kriegt selten ein wirklich gutes Ergebnis, aber es sollte wenigstens praktikabel sein. Rennradrouten über nicht asfaltierte Waldwege kommen beim Edge Explore leider auch vor, da muß man etwas aufpassen. Manchmal wird die Route erheblich länger als erwartet, trotz „kurzer Distanz“ Gewichtung. Unbedingt visuell überprüfen, wenn es fragwürdig wirkt. Heatmap Routing ist optional verfügbar. Die möglichen Routing-Einstellungen scheinen brauchbar. Update 04/2019: inzwischen bin ich allerdings fast ausschließlich zum Umweg über Komoot und entsprechendem IQ Widget zur Streckenübertragung auf den Edge Explore übergegangen. Dieses Fahrradrouting ist viel besser als das Routing per Garmin Connect oder Adhoc Routing aus dem Gerät.
  • + + Rechengeschwindigkeit sehr ok verglichen mit dem alten Oregon, wo man allein beim Zoomen einer OSM Karte schon die Motten gekriegt hat.
  • + – Akkulaufzeit so lala, hätte ich bisher mal gesagt. Also ich bezweifle stark, daß man einen ganzen Fahrtag mit einer Ladung durchkommt, selbst wenn man das Display ständig im Sparmodus betreibt. Betrieb am Nabendynamo habe ich noch nicht versucht. Zudem ist der Ladeanschluß je nach Lage des Gerätes am Rad ungünstig erreichbar.
  • + + + Garmin Connect Anbindung und Fahrtauswertung
  • + + + Geräte-, Software-, Kartenverwaltung mittels Garmin Express
  • + + + Aufspielen von OSM basierten velomap Karten funktioniert über Basecamp auf Anhieb.
  • Temperaturangabe im Wetterwidget erfolgt in Fahrenheit, m.a.W. hat man eine Anzeige des Prager Wasserstandes a la Unzen, Ellen, Kröten, was auch immer, … Im Web findet man einen Trick, wie man das bei initialer Neueinrichtung des Gerätes berichtigen kann, was ich leider zu spät realisiert habe. Ist das Gerät erstmal eingerichtet, dann leider Pech. Wie gut, daß wenigstens die anderen Einheiten auch nachträglich per Benutzer-Einstellungen auf metrisch umstellbar sind. Update 2020: Inzwischen habe ich das Gerät auf Werkseinstellungen rückgesetzt und die Ersteinrichtung ohne sofortige Smartphonekoppelung vollzogen. Und weg sind die Fahrenheit.
  • – – Direktes drahtloses Hochladen von GPX Tracks auf den Edge geht nicht. Man muß immer über die Connect App oder Komoot o.ä. gehen. Will man einfach einem Track folgen statt zu routen, dann muß man den Edge per Kabel am Rechner vorbereiten, und es akzeptiert auch nicht alle GPX.
  • + + + Schneller Satfix, kein Vergleich zum lahmen Satfix des Edge 130
  • + + + Schneller BT Tour-Sync via Smartphone ins Garmin Connect Portal, auch hier kein Vergleich zum langwierigen Getue beim Edge 130. Falls das beim Edge Explore unzuverlässig sein sollte, evtl. IQ Apps vom Edge löschen und wieder versuchen.

Edge Explore und Edge 130 im Vergleich

Fazit

Mein erstes User-Fazit zum Edge-Explore: wenngleich dieses Navigationsgerät vielleicht nicht ganz so cool wirkt wie die oben genannten beiden kleinen aktuellen Garmin Geräte ohne Kartendarstellung, hat sich gegenüber der alten Garmin Zeit schon etwas getan. Das alte Oregon ist zwar noch in Erinnerungsweite, aber alles in allem ist der Fortschritt beim Gebrauch spürbar. Zudem rechnet das Edge erfreulicherweise um Faktoren schneller und bietet nutzbare drahtlose Konnektivität.

Fahrradrouting

Mein Schwerpunkt beim Edge Explore ist die Navigation. Die haut einen jetzt nicht aus den Socken, sondern sie bedarf immer noch einer gewissen Kontrolle. Es ist insofern kein Wundergerät mit umwerfender Fahrrad-Routing-Qualität, aber man erkennt beim Routing des Gerätes, daß fahrradtypische Gepflogenheiten berücksichtigt werden, ohne daß man über jeden Parkplatz oder durch Wohngebiete geschickt wird, und ohne dass einen das Gerät u.U. bei langen Strecken auf eine Autobahn führt, wie es beim Oregon mit City Navigator damals der Fall war. Es kann aber leider zu gravierenden Fehlrouten kommen. Eine Kontrolle der Route ist unumgänglich, wenn man in fremdem Gebiet ist, und die Steckenlänge einem spanisch vorkommt.
Standard-Nutzungsweise wäre die Streckenplanung in Garmin Connect (auch in der App stark eingeschränkt möglich) und Abfahren der Strecke mit dem Edge Explore oder wahlweise auch Edge 130, welche beide ja auf die Strecken im Connect Portal zugreifen können. Leider ist die Streckenplanung im Garmin Connect Portal nicht wirklich brauchbar und artet regelmäßig in verzweifeltes Punkteschieben und letztendlich unbrauchbare verwurschtelte Strecken aus, ähnlich der LocusMap/BRouter Problematik. Da bin ich enttäuscht. Update 04/2019: Beim Routing anhand solcher Strecken habe ich inzwischen auch schon diverse Probleme gehabt.
Allerdings lassen sich auch Komoot Strecken direkt aus der Komoot App aufs Edge holen nach etwas Installation (IQ App) und Konfiguration. Das ist bezüglich Fahrradrouting womöglich die optimale Lösung. Komoot ist nämlich sowohl am Handy, als auch im Web in der Lage, mit wenig Aufwand gute Radstrecken zu planen. Das ist kein Vergleich zu dem elenden Gemache mit anderen hier beschriebenen Routenplanern. Der Edge Explore kann dann solche Strecken direkt übers Smartphone laden, sofern letzteres Internet-Konnektivität hat. Beim Edge 130 ist es komplizierter. Für diesen muß die Komoot Strecke erst im Web als GPX exportiert und im Garmin Connect Portal als Strecke importiert werden. Das geht also nicht unterwegs per Smartphone. Aber immerhin, es geht irgendwie. Jedenfalls werde ich wohl noch zusätzlich in die Komoot Regionen investieren, um an ein wirklich praktisches und schnelles Fahrradrouting zu kommen, welches dann eben am Garmin GPS Gerät nutzbar ist.

Sonstiges

Bezüglich Display-Ablesbarkeit ist der kleine Edge 130 mit dessen immer klar erkennbarer LCD „schwarzweiss“ Anzeige überlegen. Dennoch: die farbige Anzeige des Edge Explore ist alles in allem sehr ok, je nach Lichtsituation mehr oder weniger gut ablesbar. Der Touchscreen funktioniert ausgezeichnet und zielsicher, ist auch besser als beispielsweise ein Smartphone am Lenker, und er ist kein Vergleich zum mühsamen langsamen resistiven Touchscreen des Oregon, bei dem man trotz Kalibrierung permanent daneben trifft.

Für technische Details, Tipps, Einsteigerinformationen u.v.m. verweise ich auf die zahlreichen sehr guten im Web verfügbaren Tests der einschlägigen GPS-Blogs und Portale. Das hilft immer, und dort findet man wahrscheinlich alles, was der wissbegierige User vor und nach einem Kauf sucht.

2 thoughts on “Garmin Edge Explore

  1. Hallo und guten Abend, ich nutze einen GarminEdge Explore und bin ziemlich zufreiden. Hatte vorher einen Fahrradnavi einer anderen Marke, das war eine Katastrophe. Jetzt habe ich ein „Problem“, vielleicht kannst du mir helfen.
    Heute bin ich eine längere Strecke gefahren und habe nicht richtig gespeichert. Gerne hätte ich die Strecke in meinen Berichten um in meinen Aktivitäten kein „Loch“ zu haben. Hast du eine Idee ob ich die Strecke nachtragen kann? Oder wie wo ich nach einer Antwort suchen kann? Eine gute Zeit, Andrea

    1. Da müsste man vielleicht experimentieren. Was heisst „nicht richtig gespeichert“? Wurde die Tour nach der Fahrt verworfen, oder wurde sie ohne irgendeine Aktion durch abschalten beendet, ist das Gerät abgestürzt, oder was ist da genau passiert? Vermutlich konnte die Tour bei Reaktivierung des Gerätes (ggfs.) nicht wiederaufgenommen werden, sonst wäre es ja zu einfach. Wenn die Tour nicht gespeichert wurde, scheint sie vermutlich auch nicht im Garmin Connect auf, nach dem Gerätesync versteht sich. Wenn sie nicht im Protokoll des Edge Explore (ist im Menü irgendwo – die letzten gefahrenen Touren) zu finden ist, dann wirds wohl schwierig. Dann kann man sie wohl nur anhand der geschätzten Werte als manuelle Aktivität im Garmin Connect nachtragen. Ob sich das .fit File auf dem Edge Explore noch finden oder rekonstruieren lässt, weiß ich leider nicht. Man kann bestenfalls das Gerät als Massenspeicher anstecken und aufs Geratewohl suchen. Falls man die Datei findet, so kann man sie mittels des Wolkensymbols rechts oben im Garmin Connect Webportal dort als File importieren.

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