Gasradl – Ersteindrücke von der R3

Nach 12 Jahren wieder auf einem reinen Straßen(sport)motorrad – lassen wir den Sport dabei mal aussen vor -, das hat was. Der allererste Fahreindruck bei der YZF-R3 war: „die funzt“. Keine weiteren Fragen. Alles geht sehr leicht und alles tut genau was es soll und wie man es erwartet. Bei diesem Eindruck blieb es während der ruhigen Abholfahrt. Danach wurde erstmal geschraubt.

Alphatechnik Kennzeichenhalter

Yamaha R3 Kennzeichenhalter Alphatechnik
Yamaha R3 Kennzeichenhalter Alphatechnik
Der hintere Ausleger schützt zwar Fahrer und Fahrzeug vor rückwärtiger Verdreckung, aber ist erfahrungsgemäß schwer und verlängert das Fahrzeug optisch unangenehm. Alphatechnik bietet einen kurzen legal anschraubbaren Kennzeichenhalter an, der mit den Originalblinkern verwendet werden kann. Ich mag keine Miniblinker, denn sie sehen eigentlich immer poplig und unpassend aus. Billige Exemplare sind oft nicht gut zu sehen.

Die Verwendung der Originalblinker erspart Änderungen am Kabelbaum. Für die Nummernschildbeleuchtung gilt das leider nicht. Am Telefon hatte man mir die Auskunft gegeben, daß man nur umstecken müsste. Das war falsch. Die Nummernschildbeleuchtung soll laut Anleitung „beigelötet“ oder wasserdicht abgezweigt werden. Es sind einfach offene Kabelenden. Ich ändere nichts am Serienkabelbaum. Jetzt zeigte sich der Vorteil eines seit 1998 betriebenen Motorradhobbys: Der Garagenfundus brachte ein exakt passendes Anschlußkabel zutage, welches in den Fahrzeugkabelbaum eingesteckt werden konnte und zur Nummernschildbeleuchtung hin zwei 2,8mm Standard-Kabelschuhe besaß. Für euch zur Information: den zur Serien-Nummernschildbeleuchtung passenden Gegenstecker gibt es auch bei Louis im Japan-Steckersortiment! Ich würde deshalb am Serienkabelbaum nichts löten, auftrennen, abisolieren.

Der Nummernschildträger ist schnell montiert. Am längsten dauern wohl die Ummontage der Serienblinker. Nummernschildschrauben definitiv sichern! Kontern, Schraubensicherung oder Sicherungsringe verwenden, sonst vibrieren sie sich in kürzester Zeit auf!

Ich habe die Teile nicht gegeneinander gewogen, aber der Alphatechnik Taferlträger ist alles andere als leicht. Während der Bruudt Kennzeichenträger bei der NC700X erheblich leichter als das dortige Serien-Auslegerheck (Honda-Schwerbau!) gebaut ist, zieht das Leichtbau-Argument bei der R3 nicht.
Wissen sollte man auch, daß ein solcher kurzer Kennzeichenträger Fahrer und Heck nicht gegen Dreckspritzer vom Hinterrad schützt. Nach Regenfahrten schaut man aus wie eine Wildsau. Es bedeutet stark erhöhten Reinigungaufwand. Das darf einen nicht stören, sonst lieber den Ausleger mit Spritzschutzplastik belassen!

Vergleiche mit WR250R und Duke 390

Sieben Jahre lang bin ich mit einer Yamaha WR250R, meist als Supermoto herumgefahren. Zudem konnte ich kürzlich 130km Kleinstraßen mit einer Duke 390 fahren. Vergleiche drängen sich förmlich auf, aber alles was hier gesagt wird ist rein subjektiv, laienhaft und nicht verallgemeinerbar. Ihr müsst bei Interesse schon selber testen. Für mich sind die Duke und die R3 neu (gewesen). Langzeiterfahrungen liegen nicht vor. Die WR250R hingegen kenne ich recht gut.

  • Die Duke ist leichter und fährt rabiater und bissiger, ist also deutlich anders. Die WR250R ist leichter, der Motor liegt trotz Einzylinder näher an dem der R3.
  • Die R3 ist weniger radikal als die Duke, verführt nicht so extrem zum Heizen, kann insofern entspannter gefahren werden. Auch die WR ist entspannter und weniger giftig, leistungsmäßig allerdings auch deutlich hinterher.
  • Bei der Duke fielen einige Ungereimtheiten auf wie beispielsweise anfängliches Flimmern der Anzeigen. Die R3 funktioniert (genau wie die WR) yamahatypisch ohne irgendwelche Macken. Duke und R3 sind „Plug&Play“: du steigst auf und fährst. Alles geht supereinfach. Die Duke würgt man vielleicht beim Erststart ab. Die R3 nicht.
  • Bei der Duke waren mir die relativ penetrant ploppernden Auspuffgeräusche und Obertöne sowie ein immer wieder auftretendes Singen aus dem Getriebe aufgefallen. Die R3 hat entfernt vergleichbare Phänomene. Der Auspuffklang ist erstaunlicherweise etwas bassiger und war anfangs für meinen Geschmack auch eine Nuance zu aufdringlich. Gelegentlich gibt es Obertöne, und das Getriebe singt ab dem dritten Gang, was lt. Foren normal ist. Hier war die WR250R anders (besser?): kein penetranter Oberton im Motorklang, keinerlei Getriebegeräusche, keine mechanischen Nebengeräusche. Aber siehe Update im untenstehenden Absatz zum Motor der R3.
  • Die Duke ist ein kleiner giftiger Einzylinder, die R3 ein Zweizylinder, und die WR „irgendwas zwischendrin“. In diesem Punkt endet die Vergleichbarkeit. Zur Motorcharakteristik der R3 steht unten noch was.
  • Die R3 hat wie schon die good old WR250R eine Yamaha-typische Abstimmungsschwäche: der Warmstart gelingt nicht immer auf Anhieb, braucht manchmal einen Gasstoss. Das liest man auch in Foren. Bei der Duke (oder beispielsweise generell bei Honda) gabs das hingegen nicht. Das ist so und war immer so, hilft nichts.
  • Und ganz offensichtlich: die Duke ist absolut minimal gehalten, der Fahrer hat vor sich eine Lenkstange und die freie Natur, sonst nichts. Die Yamaha hat vorne eine lange und breite Verkleidung, an die ich mich gewohnen werde. Bietet aber ggfs. Wind- und Wetterschutz, wenn man sich duckt. Die Yamaha wirkt etwas solider (nicht edler!) gemacht, die Duke hat die „sportlicheren“ Details wie eine USD Gabel und einen anständigen Kettenspannmechanismus, verfällt dann aber teils in billige Teillösungen wie das eigenartige Plastikcockpit.
  • Die Sitzposition bei der Duke ist luftiger und etwas aufrechter, aber auch die R3 lässt einen entspannt sitzen, mit vielleicht etwas spitzerem Kniewinkel. Ich könnte mir bei der R3 ohne weiteres Gilles Lenkerstummel vorstellen, die etwas tiefer liegen. Beim Straßefahren mag ich eine nach vorne geneigte bzw. geduckte Sitzposition. Die WR250R war diesbezüglich 100% Enduro und Supermoto, also eigene Liga.

R3 Motor

Hohe Drehzahlen habe ich mir noch nicht bzw. nur extrem kurz erlaubt, aber eines ist bereits deutlich: die Sache geht ziemlich linear ab. Es erinnert entfernt an kleinere Vierzylinder, die in jedem Drehzahlbereich Schub bieten, aber nirgends irgendwelche Überraschungen. Die R3 erlaubt Überholen im 6.Gang! Überhaupt ist man recht schnell im sechsten Gang. Das hat mich tatsächlich überrascht. Der Motor wirkt elastisch und es gibt keine eklatanten Leistungslöcher. Bei vielleicht so 7000rpm geht es dann schon ein bisschen voran, ohne daß es irgendwo sprunghaft wirken würde. Obenraus scheint mir bisher kein weiterer Katapulteffekt auf, aber irgendwann müssen die 31kW dann wohl mal anliegen. Es ist sehr linear angelegt. Was du in erster Linie spürst, ist Kontrollierbarkeit und Berechenbarkeit. Ich hätte mir dabei etwas weniger Spritverbrauch gewünscht. Unter 4l/100km wird wohl nicht drin sein. Aber schaun wir, wie es sich nach dem Einfahren entwickelt.
Auch wenn ich den Motor hier entfernt mit kleinen 4Zylindern vergleiche: klanglich gilt das glücklicherweise nicht. Das ekelhaft neurotische Geknurre eines Vierzylinders bleibt mir erspart. Auspuff- bzw. Ansauggeräusch kommen bei niedrigen Drehzahlen erstaunlich bassig und irgendwie fast ein wenig laut rüber. Müsste jetzt für mich nicht sein. Es dröhnt etwas, verglichen mit NC700X oder der früheren WR250R.
Gut finde ich die Schalldämpferkonstruktion: der Katalysator liegt irgendwo im Krümmer, nicht im Endschalldämpfer. Man hat einen elegant versteckten Vorschalldämpfer im Kiel, dafür hintenraus nur einen kleinen Stummel-Endschalldämpfer. Das gibt ggfs. Optionen, ohne illegal oder laut werden zu müssen. Aber ich schätze mal, hier werde ich nichts umbauen. Die Gewichtsersparnis wäre zu gering, und die Serienkonstruktion ist angenehm kurz gehalten.

Update: inzwischen ist die Einfahrphase von 1600km sowie der Ölpumpen/Kupplungslagerrückruf erledigt. Nach dem Rückruf habe ich einen weiteren Ölwechsel durchgeführt, wobei ich nun Motul 7100 Vollsynthese-Öl verwendet habe. Mir scheint der Motor nun etwas leiser zu laufen. Das Motorgeräusch beläuft sich inzwischen zu einem lauten Surren ohne penetranten Klanganteil. Das als dröhnend empfundene Ansauggeräusch im niedrigen Drehzahlbereich stört weniger. Die Getriebegeräusche ab 3.Gang aufwärts nehme ich kaum mehr wahr. Das Thema betrachte ich als erledigt, Gewöhnung und evtl. Einlaufeffekte. Die Fahrleistungen sind – wie bereits oben beschrieben – angemessen, berechenbar, nicht überraschend, aber ausreichend für den Spaß. Die R3 reisst nicht spontan an, muß mit Schwung gefahren werden, aber bietet dann den erwünschten Fahrspaß eines kleinen Straßensportmotorrades.

Spritverbrauch

4,1l/100km zeigt der Bordcomputer bei moderater Fahrweise. An die NC700X mit ihren durchschnittlich etwa 3,8l/100km werde ich nicht hinkommen.

Update: Beim Spritverbrauch kristallisiert sich bei meiner entspannt zügigen hügeligen Landstraßenfahrweise ohne Kurzstrecke ein Durchschnittsverbrauch von etwa 4l/100km heraus. Der Bordcomputer zeigt dabei meistens 4,2l/100km an. Dies kann allerdings nach oben eskalieren, wenn man Drehzahl und Tempo über längere Strecken forciert, oder bei jeder Gelegenheit ausdreht. Ich schätze andererseits, daß man bei unseren Straßenverhältnissen nicht über einen Schnitt von 5l/100km kommen wird, sofern man (ohne Kurzstrecken- oder Autobahnbetrieb) noch irgendwo im Rahmen der guten Sitten bleibt, aber eben jede Beschleunigungsmöglichkeit voll ausnutzt.

Folgendes Icon ist anklickbar, um in die Spritmonitor-Auswertung zu gelangen.
Spritmonitor.de

Navi

An der Lenkerstummelfixierschraube lässt sich eine RAM Kugel anbringen. So kommt man einfach und problemlos an eine Navi-Montageposition. Stromversorgung/Schaltplus ist noch nicht klar.

Tomtom Rider400 an Yamaha R3
Tomtom Rider400 an Yamaha R3
Navi an Yamaha R3
Navi an Yamaha R3

Update April 2017

Der Kauf der R3 war ein Treffer, der Fahrspaß mit dem Fahrzeug steigt mit jedem Tag. Nach knapp 7000km kann ich zwei Schwachpunkte identifizieren, die gelegentlich nerven. Die Abstimmung der elektronischen Benzineinspritzung ist – wie schon bei der WR250R – etwas grob geraten. Das kann Honda einfach besser. Man merkt es beim Kaltstart auf den ersten Kilometern (im ungünstigsten Fall kann sogar der Motor ausgehen, wenn man das Gas schliesst), beim Heißstart (nicht immer optimales Anspringverhalten), als auch wenn man bei sehr hoher Drehzahl das Gas minimal schliesst. Im normalen Fahrbetrieb stört es nicht, aber mir fällt es eben doch gelegentlich auf. Und ähnlich ist es auch beim Getriebe/Schaltverhalten. Es funktioniert, aber es hat nicht die perfekte Präzision. Dies sei hiermit erwähnt, und ansonsten macht die R3 mir ganz viel Freude.