Honda Africa Twin Adventure Sports 2020

Mein Kumpel Markus hat sich nach 22 Jahren mit der Honda Africa Twin jüngst die 2020er Adventure Sports mit DCT und elektronischem Fahrwerk gegönnt, mindestens für die nächsten 22 Jahre. Das ist ein Motorrad, für das mir der A…. zu tief hängt, monetär, gewichtsmässig, und auch von meinen typischen Einsätzen her. Im Gegensatz zu anderen Bigenduros war ich aber bei der neuen AT ein bisschen neugierig, weil sehr viel interessante Technik und das neueste DCT an Bord ist.
Dieses Motorrad kostet ein Vermögen, insbesondere in Österreich. Die Tatsache, so ein Fahrzeug supernett vom Kumpel zur Probefahrt angeboten zu bekommen darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass jedwede Beschädigung, jegliches Hoppala oder gar ein Umfaller absolut keine Option sind. Das ist undenkbar, das darf nicht sein.
Unter diesem Eindruck stand ich heute vor der mächtigen Adventure Sports, und sie hat mir gut gefallen. Anders als die Standardversion, der ich nichts abgewinnen kann, ist die Adv. visuell attraktiv gemacht, das Heck, die Lackierung, die Räder, das Fahrwerk. Alles Zucker. Und obgleich es ein mächtiges Motorrad ist, ist sie andererseits nicht unförmig, keine Schüssel oder gar ein Schiff. Anders als beispielsweise die XT1200Z, mit der ich mich in keinster Weise anfreunden konnte, ist die Adv. Sports ein attraktives sehr technisch und hochwertig gemachtes aber leider auch schweres Touringmotorrad mit Offroad-Eignung und einer Fülle an Technikfeatures, die mir Markus zwar erklärt hat, die ich aber bei der Minirunde nichtmal im Ansatz ausprobieren konnte und wollte.

Honda Africa Twin Adventure Sports 2020
Honda Africa Twin Adventure Sports 2020

Ziemlich naseweise möchte ich meine Idee nach der Kurzfahrt beschreiben, aber ehrlichgesagt, das ist irrelevant, denn erstens ist das generell kein Motorrad für mich, zweitens hat der potentielle Käufer einer solchen Hightech-Kiste einen ganz anderen Background und andere Anforderungen. Markus akzeptiert die 250kg schulterzuckend und verweist auf ein super Fahrwerk mit Abstimmung per Knopfdruck, auf ein unüberschaubares Arsenal an Einstellungsmöglichkeiten und Modi am ganzen Fahrzeug und natürlich auf Hondas DCT, das ich selber nach 4 Jahren NC700X sehr schätze, und auf das ich besonders gespannt war.

Mit maximalem Respekt bat ich zu Fahrtbeginn um Einstellung eines unkomplizierten Setups und startete im D-Modus. Respekt, Honda. Das DCT setzt dieses Motorrad vollkommen ruckfrei und sanft in Bewegung. So sanft könnte ich selber vermutlich nicht kuppeln. Erste Sorge erledigt. Das zweite Thema erledigte sich dann bei den langsamen verwinkelten Ortsausfahrtstrecken, wo die Honda sich als perfekt balanziert und problemfrei manövrierbar rausstellte. Ich habe keine Einwände, das Ding ist super unkompliziert und sehr angenehm. Am einzigen schnellen Stück der Runde kroch leider ein penetrant langsames Auto vor mir. Überholen war keine Option, da ich genau 0,00000% Risiko eingehen wollte. Also nur ein kurzes Anbeschleunigen im S-Modus, aber kein Leistungsbereich des Motors. Keine Aussage möglich. Dann sanfte vorsichtige Rückkehr in den Stall, unbeschädigt und positiv angetan, and that’s it.

Also du hast hier ein perfektes Fahrwerk, über jeden Zweifel eines MT-07 Schwabbelfahrwerkfahrers erhaben, beeindruckend. Und ich hatte daran nichts eingestellt, nur den Stadt-Standardmodus (weiches Setup glaub ich) verwendet.
Dann hast du Technik und Features zum Abwinken, aber wie schon gesagt, habe ich mir jegliche Beschäftigung damit während der Fahrt untersagt. Da kann man sicherlich monatelang spielen bis man das instinktiv bedienen kann. Als ängstlicher Testfahrer lasse ich da während der Erstfahrt die Finger davon.

Zwei Nogos gibt es: Auf das erste hatte mich Markus bereits hingewiesen, das ist das Windschild. Es ist so groß, daß man hindurchschauen muß. Aber beim Hindurchschauen wird man bekloppt, das geht nicht. Somit versucht man permanent daran vorbeizuschauen, was wiederum ein entspanntes Fahren verdirbt. Man zwingt sich also doch, hindurchzuschauen, aber da muß sofort was anderes drauf.
Mein Punkt zwei, ebenfalls recht auffällig, ist der kernige Auspuffklang des legalen serienmäßigen Schalldämpfers. Bereits beim Starten, beim Selberfahren, aber auch als Zuhörer beim Losfahren fällt das auf. Das klingt eigentlich wie ein typischer Nachrüstschalldämpfer, und das ist eines solchen Motorrades unwürdig. Nichtsdestotrotz ist das Fahrzeug „tiroltauglich“. Im Vergleich zur sanft und unpenetrant laufenden MT geht das für mich jedenfalls nicht, aber meine Wahrnehmung beschränkte sich wie gesagt auf einen begrenzten Drehzahl- und Niedrigleistungsbereich.

Neben dem attraktiven visuellen Eindruck von Qualität, Lackierung und Bauweise ist ein Glanzpunkt mal wieder das DCT, welches exzellent arbeitet. Die Schaltvorgänge fügen sich ruckfrei und blitzschnell ins Fahren ein, man hört sie, aber sie stören den Fahrfluss nicht, auch nicht beim langsamen niedertourigen Herumgurken, wo es wirklich auf feines Kuppeln ankommt. Das ist unglaublich gut gelöst. Der D-Modus ist wie gewohnt sehr niedrig drehend und schaltet schnell hoch, wenn man wenig Gas gibt. Der S-Modus erlaubt höhere Drehzahlen auch bei wenig Leistungseinsatz und kann u.U. dann auch bei Kreuzungen usw. Sinn haben. Das kenne ich gut von der NC, da war es ähnlich. Nur ist das bei der AT alles schneller, sauberer und eleganter. Und klar, das nagelneue Fahrzeug kam frisch vom 1000er KD, hatte frisches Öl, und das merkt man beim DCT auch. Gegen Ende der Serviceintervalle verhielt sich meine NC damals nicht mehr so angenehm wie mit frischem Motoröl.
Der Motor vergleicht sich mit dem wunderbaren CP2 der MT nicht, weil er eine komplett andere Charakteristik hat. Nennleistung oder Nenndrehzahl konnte ich nicht annähernd erfahren. Im Teillastbereich beisst er nicht so an wie der sehr leichtfüssige CP2, sondern geht es gemächlicher an. Andererseits wirkt das – im Gegensatz zur XT1200Z damals – nicht mühsam. Gibt man Gas, dann passiert schon was, aber wieviel genau, das vermag ich heute nicht zu ergründen.

Die 2020er Adventure Sports ist ein beeindruckendes Fahrzeug. Das durfte ich heute erleben. Sie ist zudem eine schöne Investition für Fahrer/innen, welche wissen was sie wollen, und die dann auch viel Zeit damit verbringen werden. Unter den schweren Bigenduros wäre das Ding für mich die erste Wahl, erstens weil sie hübsch ist und kein „Schweineeimer“ und zweitens wegen des DCT.
Wer sich aber alle paar Jahre ein neues Budget Bike kauft und das vorige verkauft, wird sich nicht drübertrauen. Das ist einfach too much. Ich könnte mir das Radl nichtmal zur Hälfte leisten, und falls sie mir dann längerfristig doch nicht extrem gut gefällt, müsste ich jahrelang den Kredit abbezahlen bzw. mit entsprechendem Verlust verkaufen.
Hoffentlich werden wir noch gemeinsame Touren mit ein paar aussagekräftigeren Tausch-Etappen vornehmen, wo ich mich dann vielleicht minimal weiter aus dem Fenster lehnen kann als bei der heutigen extrem vorsichtigen Runde.

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