Hyperpro Streetbox für Yamaha MT-07

Zum einjährigen Führerschein meiner Frau erhielt heute unsere gemeinsame Yamaha MT-07 ein Fahrwerksupgrade bei der Firma Haslacher.at. Spätestens seit der Umbereifung auf Pilot Power 2CT stand das schlappe Serienfahrwerk unter kritischer Beobachtung. Das war kein Dauerzustand. Der konkrete Plan zur Umrüstung war bei einem Besuch bei der Firma Haslacher gefasst und heute verwirklicht worden. Zu der Fahrwerksgeschichte gibt es viel zu sagen.

Schober-Wanderung

Kommen wir aber zunächst zu der wunderbaren aber anstrengenden Wanderung, die sich im Rahmen dieses Projektes während der Umrüstzeit für mich ergab: der Marsch von Thalgau/Vetterbach über Thalgau in Richtung Wartenfels, von dort auf den Frauenkopf und schließlich bis unterhalb der kleinen Schutzhütte beim Schobergipfel. Und dann alles wieder zurück. In den acht Jahren, wo ich dort gewohnt hatte, war ich nicht ein Mal oben gewesen. Das ist nun hiermit nachgeholt.

Hyperpro Fahrwerk

Es ging darum, der MT-07 ein brauchbares Straßenfahrwerk anzutunen und dabei die Kosten im Griff zu behalten. Hyperpro nennt das passende Kit aus Federbein und Gabelfedern inklusive ABE „Streetbox“ und verlangt für alles zusammen einen vernünftigen Preis.

Die Gabel

Servicierte Gabel mit Hyperpro Federn
Servicierte Gabel mit Hyperpro Federn

Zusätzlich zum Einbau der Teile im Fahrzeug wurde auch ein Gabelservice vorgenommen. Bei 11.000km Fahrleistung lt. Haslacher auf jeden Fall sinnvoll, und sieh an, sie hatten Recht. Folgendes Bild zeigt die serienmäßigen Gleitbuchsen, welche an einigen Stellen beim Spalt bereits keine Beschichtung mehr aufweisen. Dies kann – wenn man so weiter fährt – zu unerwünschter Reibung Metall auf Metall führen, was wiederum die Gabel zerstören kann. Es war also ohnehin bereits an der Zeit, das eher minderwertige Seriensetup zu ändern. Der frühzeitige Verschleiß der Gleitbuchsen ist anhand der Konstruktion und dem hohen Spaltmaß erklärbar. Die Gabel hat nun – neben den neuen Hyperpro Gabelfedern – hochwertigere besser passende Gleitbuchsen, sowie ein anderes Gabelöl erhalten.

Verschlissene Gabelgleitbuchsen MT-07
Verschlissene Gabelgleitbuchsen MT-07

Das Federbein


Hyperpro liefert ein Federbein mit externem Öl-Ausgleichsbehälter. Es gibt am Federbein selbst zudem ein Rändelrad zur Einstellung der Zugstufendämpfung. Das Ausgleichsgefäß soll lt. Hersteller vorne rechts am Rahmen befestigt werden, ähnlich wie im Bild oben gezeigt. Mit der resultierenden Position waren wir nicht 100% glücklich, aber es ist immerhin technisch so machbar und stört beim Betrieb nicht. Ich habe vor, mit einer Alternativposition viel weiter hinten zu experimenteren. Die Frage ist dabei, wieviel Flexibilität die Leitung erlaubt. Siehe unten.

Erster Eindruck

Nach der heutigen Abholung vom Umbau bin ich eine recht aussagekräftige Strecke mit vielen welligen Kleinstraßen nach Hause gefahren, hatte dabei allerdings einen sehr schweren großen Rucksack mit Klamotten und den Serienteilen darin am Rücken, welcher beim Fahren störte. Für allererste Grunderkenntnisse reicht es. Das neue Setup mit den progressiv gewickelten Federn vorne und hinten bietet mehr Komfort als bisher. Du brauchst nun nicht mehr um Kanaldeckel herumsteuern. Drüberfahren geht problemlos.
Das Federbein verfügt nun über eine während der gesamten Fahrt spürbar arbeitende Dämpfung und wird nicht mit zunehmender Wärme weich. Das Rad behält Bodenkontakt. Von der ehemals elenden indifferenten Wabbeligkeit der MT-07 bei Hitze spürst du nix mehr. Es fährt sich wie ein ordentliches Straßenfahrwerk, und genau das war der Wunsch. Ggfs. wäre das Federbeinsetup technisch anpassbar. Vorspannung und Zugstufe sind einstellbar.
Das Gabelinnenleben blieb notgedrungen unverändert, sonst wäre es teuer geworden. Aber allein die Federn und evtl. das Öl verbessern das Verhalten bereits. Beim Bremsen sackt die Gabel nicht sofort tief ein, sondern man hat noch Federungsreserven, was sehr hilfreich sein kann. Die Gabel arbeitet gefühlt etwas kontrollierter als vorher.
Mein erster Eindruck ist gut, und in der nächsten Zeit wird man sicher weitere Erkenntnisse gewinnen.

Update: Position Ausgleichsbehälter

Leser Olpo hat mich mit seinen Kommentaren unten etwas gestresst, so daß ich das Thema der Positionierung des Ausgleichsbehälters nun sofort angegangen bin.
Beim Tenereumbau damals habe ich mir tagelang Gedanken über den Ausgleichsbehälter gemacht, das hat sicher Wochen gedauert, bis ich dann eine sehr trickreiche Anbaumöglichkeit gefunden hatte, so daß man ihn kaum mehr sah und dennoch alles funktionierte. Damals hatte aber auch die Druckleitung umgeschraubt werden müssen.
Die für die MT-07 vom Hersteller des Federbeins vorgeschlagene Montageposition rechts vorne am Rahmen ist nicht schön und und kann – wie Olpo bemerkte – bei Stürzen zusätzliche Beschädigungen hervorrufen (was mir bei einem Sturz zunächst egal gewesen wäre, da habe ich Sorge um die Fahrerin oder den Fahrer). Ist aber ein Argument, auch wenn mir selbst eher die visuell unschöne Situation missfiel, wie schon oben im Text beschrieben.
Habe nun etwa 1h gefrickelt, die Schlauchschellen sind dementsprechend verschlissen, aber die Lösung müsste nun passen. Den Behälter kann man haarscharf nach hinten durchfädeln ohne das Fahrzeug ein zweites Mal demontieren zu müssen. Innerhalb der linken Soziusraste ist eine Montageposition, die den Schlauch entspannt verlaufen lässt, die den Ausgleichsbehälter schützt und nahezu unsichtbar werden lässt, und die auch noch ausreichend Platz zum Einfedern des Hinterrades lässt. Man hat an der Stelle maximal ein Drittel des gesamten Federwegs freizuhalten. Zudem wäre im Kontaktfall nur ein elastisches Plastikteil betroffen.

10 thoughts on “Hyperpro Streetbox für Yamaha MT-07

  1. Der Verschleiß an Führungsbuchsen überrascht mich einerseits, auf der anderen Seite habe ich ähnliches schon bei Mitbewerbern gesehen mit ähnlicher Laufleistung. Irgendwo muss der Rotstift doch zu sehen und spüren sein. Bei Hochwertigen Gabeln sehen die Buchsen oft nach 50000 nicht so aus.

    1. Genau so ist es, Andreas. Das war auch die Meinung der Fahrwerksprofis. Das Spaltmass der Buchsen ist erschreckend. Es wurden Bessere verbaut.

  2. Das Nachholen der längst fälligen Bergtour – Super Sache … 😉

    Der Erfolg beim Fahrwerk: feine Geschichte, wünsche weiterhin viel Spaß damit !

    Die Befestigung des Ausgleichbehälters des Dämpfers: geht gar nicht. Abgesehen vom Umstand, daß ihn schon ein leichter Rutscher zerstören wird (hier wäre die Phantasie des Fahrwerksspezialisten gefragt, nicht Deine): Haslacher hätte besser keinen Aufkleber drangetan – das Ding sitzt schief, die Befestigung macht den Eindruck (sind das Gummis von Einmachgläsern ;-?) als würde sie bei kleinstem mechanischen Druck (vllt durch Anlehnen des Knies ?) w.o. geben, der Anschluß steht über die Aufnahme für die Rutschpads drüber – solche zu verbauen, wäre spätestens ab nun kein Luxus, sondern Notwehr … Das ist kein ‚guter Pfusch‘, sondern ganz großer Murks. Pfui.

    1. Die Einbaulage ist vom Hersteller so vorgegeben und dokumentiert. Die etwas schiefe und leicht nach unten verschobene Position habe ich selbst vorgeschlagen, denn es schien mir etwas besser als die noch etwas exponierterr Herstellervorgabe. Die Halter sind wiederverwendbare Rohrschellen in Gummi, das hält absolut stabil. Die finale Einbaulage werde ich mir noch überlegen, aber voraussichtlich hinten am Rahmen oder sogar im Heck. Das muss ich experimentieren. Bei einem Sturz (keine Option) würde wahrscheinlich der Lenker abfangen, aber das ist wie gesagt nicht vorgesehen.

      1. Nun … wenn der Lenker bei einem Sturz (der aber undenkbar ist) den Behälter schützt, dann hast du einen besonders intelligenten erwischt – meiner verhält sich bei Stürzen auf die rechte Seite ziemlich dumm und dreht die Gabel jedes Mal nach links (ist ein ziemlich breiter wg Enduro und so, vllt liegt-’s daran…) selbst zeigt er nach vorne oben mit dem rechten Ende und schon scheuert der Tank die (Schotter/Wiesen-)Straße wund.
        Ein Tip in Sachen Sicherheit noch: du könntest auch auf Schutzkleidung verzichten beim Motorradfahren, wenigstens im Sommer – ist ja doch ziemlich heiß da drin und daher stark konzentrationsfähigkeitsfressend – Protektoren sind eigentlich redundant in deinem Fall, weil Stürze ‚keine Option‘ sind … 😉

        1. Das sind einfach stark unterschiedliche Denkweisen. Ich suche grundsätzlich pragmatische Lösungen, keine dogmatischen, und wenn ich sage, ein Sturz ist keine Option, dann bedeutet das, dass im Falle eines Unfalls das Problem sicher nicht der Federbeinausgleichbehälter ist. Der ist mir dann völlig egal.
          Eine Sicherheitsdiskussion in D zu führen ist bekanntlich wahnsinnig, weil das Thema überwiegend Splattergucker und Polemisierer auf den Plan ruft. None of my business.
          Wird hier jetzt auch nicht weiter verfolgt.
          Der Behälter lässt sich nach hinten legen, damit erzielt man eine elegantere und unauffällige Position.
          Möglichkeit 1: parallel zum Bremsfl.gefäss. Ist allerdings etwas Montageaufwand.
          Greets Phil

          1. Aha – pragmatische Lösungen … Hmm 😉 …

            Entschuldige bitte, daß ich ‚Option‘ seiner Bedeutung nach interpretierte und nicht so, wie du das Wort ‚bedeutet‘ hast – so leicht sind Mißverständnisse möglich, wenn einer meint, der andere diese Meinung zwischen den Zeilen nicht sieht 😉 … Eine Grundsatzdiskussion über Sicherheitsfragen möchte auch ich nicht führen.

            An meiner Kritik über Optik und Praxistauglichkeit des momentanen Montagepunktes des Expansionsgefäßes in meinen Augen darf ich doch aber festhalten ? Immerhin ist der Behälter momentan ja genau SO montiert … 😉

        2. So, Olpo, danke für deine dringliche Anregung. Ich hätte das Thema selbst etwas sickern gelassen, aber habe mir nun dank deiner Kommentare sofort die Zeit für eine bessere Lösung genommen. Ich werde mir dazu auch noch die Meinung vom Fahrwerksbetrieb holen und irgendwann auch nochmal sauberer mit neuen Schellen montieren. Das hat aber nun Zeit. Ich möchte erstmal das neue Fahrwerk geniessen und eine Meinung dazu bekommen.
          Siehe neue Fotos im obigen Artikel ganz unten.
          Greets, Phil

          1. Aber Oho ! Das tut mir schon SEHR GUT gefallen … 😉
            Einen Bruch der Kette schließe ich -im Gegensatz zu einem Umfaller- beinahe aus … viel Spaß beim Umbau … 😉

  3. Das mit den Eingelaufenen Gabelführungslager überrascht mich zwar etwas, bei der Laufleistung. Hab ich bei Mitbewerbermodellen allerdings auch schon gesehen.
    Irgendwo muss der Rotstift doch sichtbar sein.
    Viel Spaß mit dem neuem Fahrwerk….bin gespannt auf deine weiteren Erfahrungen.

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