Integralhelme, Größe, HJC F70

Trockenbloggen aus dem Homeoffice – mit ständigen Gedanken an die, die derzeit draußen die Risiko-Schwerstarbeit verrichten müssen.

Wer über lange Zeit regelmässig Motorräder nutzt, in meinem Fall früher als Hobby (auch -Motorsport), beim Touren im Urlaub, sowie seit vielen Jahren eigentlich nurmehr als Alltagsverkehrsmittel zum Pendeln oder für sonstige Erledigungen, die oder der entwickelt ihre bzw. seine speziellen Ansprüche an Helme. Bei mir sammelten sich über ganz viele Jahre Helme der Hersteller Airoh, Arai, Bye, Caberg, HJC, Shoei, Suomy an. Darunter waren Sportendurohelme, Tourenendurohelme, Straßen-Integralhelme, sowie ein Jethelm. Meistens habe ich mich beim Kauf in meiner pragmatischen Kompromisszone aus Sicherheit, Preis und Komfort befunden, womit ich aber keinerlei Aussagen über Billighelme verbinden möchte, und auch teure Oberklassehelme kommen in meiner Historie nicht vor.
Aber während früher Motorradhelme bei mir ein reines Mittel zum Zweck waren, dabei entsprechend schnell verschlissen, habe ich erst mit zunehmend regelmässigem Alltagseinsatz mehr Augenmerk auf die Details, sowie auf Pflege und Erhalt zu legen begonnen.
In diesem Post werde ich meine Gedanken zu zwei vielgefahrenen Alltags-Gebrauchshelmen der letzten 8-10 Jahre schreiben, nehme also keinen Bezug auf irgendwelche motorsportlichen Aktionen oder reine Hobbyeinsätze der Vergangenheit.

Aus den glorreichen Zeiten unseres ehemaligen wunderbaren großen Alpinestars Shops in Simbach stammt noch der Shoei Qwest Helm, den ich vor allem mit der Honda NC700X nutzte. Das war ein für Shoei Verhältnisse preisgünstiger und einfacher Helm, für mein Gefühl sehr komfortabel, angenehm zu tragen und nicht sehr laut, leider aber ohne klappbare Sonnenblende und auch ohne Atemabweiser, was zu verstärktem Beschlagen trotz Sandwichvisier führte.
Für die Yamaha YZF-R3 wurde 2016 ein HJC FG-ST angeschafft. Bei diesem Helm waren ausschlaggebend das Design in „Yamahablau“, sowie die klappbare Sonnenblende, denn ich fahre saisonal ständig gegen die tiefstehende Sonne, aber auch regelmässig bei Dunkelheit. Leider ist die Sonnenblende des HJC zu schwach getönt. Sie hilft zwar ein bisschen, aber da erwarte ich eigentlich mehr. Das Ding ist ja klappbar, da müsste man eigentlich keinen Kompromiss bei der Tönung machen. Schade. Zudem fühlt sich das Innenmaterial auf der Haut nicht so angenehm an wie beim Qwest.
Worauf ich aber speziell hinauswill, ist die Wahl der Helmgröße. Mein Kopfumfang liegt in typischen Fällen genau an der Grenze zwischen zwei Helmschalengrößen. Beim HJC FG-ST habe ich bewusst die kleine Helmschale gewählt, was von der Kopfgröße her knapp unterm Limit war. Beim Kauf hatte ich die Wahl zwischen dieser und der nächsten Größe, die mir zu weit vorgekommen war. Nun, für meine Entscheidung musste ich dann mit einer wirklich mühsamen Einfahr- bzw. Anpassungsphase bezahlen, welche mit ständigem Druck am Kopf verbunden war, bis sich die Innenausstattung des Helmes etwas angepasst hatte. Der Helm ist nach wie vor sehr eng, aber mit einer faltenfrei gelegten dünnen Sturmhaube drunter geht es über mehrere Stunden gut. Mit dicker Kälte-Sturmhaube allerdings wird es beklemmend und schmerzhaft, und das ist nicht gut.

Was hat man von sowas? Der Wechsel vom komfortablen etwas klobigeren Shoei auf den engen HJC brachte die wesentliche Erkenntnis, daß die kleinere Helm-Außenschale eine stark verbesserte Kopfbeweglichkeit beim Fahren mit sich bringt. Drehungen des Kopfes reissen einen nicht nach hinten, man kann besser schauen und agieren und erreicht allein dadurch für mein Gefühl eine bessere flinkere Beweglichkeit auf dem Fahrzeug, was auf einem Motorrad nie schadet. Zudem wird dieser Helm sicher niemals verrutschen, auch nicht bei extremen Anströmungen.
Schwer zu beurteilen ist die Situation im Horrorfall eines Unfalls. Helme sollen straff sitzen und keinesfalls wackeln, aber wie gut ein Ersthelfer einen sehr engen Helm noch abnehmen kann, traue ich mich nicht zu beurteilen. Da muß man ziemlich ziehen, selbst wenn man korrekt angreift und den Helm dabei aufbiegt.
Jedenfalls habe ich für den nächsten Helm wieder die komfortablere Größe gewählt, und diesmal passt das auch perfekt. Es ist ein HJC F70 in der weissen Mago Version mit blauem Streifen geworden, und das ist – wie ich seit gestern weiß – ein richtig schöner Motorradhelm.

Die Fotos dieses Artikels zeigen zunächst den alten ausgemusterten Shoei Qwest (L) zusammen mit dem noch verwendeten HJC FG-ST (M) in blau zusammen, wobei ich die Kamera gerecht zu positionieren versucht habe, so daß kein Helm visuell größer oder kleiner aussehen sollte, als er wirklich ist.
Darüberhinaus gibt es Bilder vom nagelneuen HJC F70 (L) im Vergleich zum FG-ST (M). Hier sieht man deutlich die größere Helmaussenschale, die ich nun wieder in Kauf nehme, zu Gunsten der angenehmeren Helmpassung. Einen Fahrbericht zum F70 muß ich nachreichen, weil ich derzeit nicht pendle, somit also bis auf weiteres kein triftiger Grund für KFZ-Fahrten existiert. Eine lokale Kurzfahrt zur nächsten Tankstelle offenbart die exzellente Passform, ein völlig neutrales Windverhalten bei langsamer Geschwindigkeit, sowie eine angenehm bedämpfte Lautstärke. Könnte sehr gut werden.

Kurzbericht

Ende April kann ich erste echte Fahreindrücke zum besten geben. Frontal im Wind ist der Helm aerodynamisch super. Dreht man den Kopf seitlich, so hat man erwartungsgemäß wieder deutlich mehr Druck als beim beschriebenen kleineren Vorgänger. Der neue Helm trägt und fährt sich sehr komfortabel und zeigt klare Verbesserung zum Vorgänger. Auch die Bedienung gefällt mir überall besser. Akustisch wirkt er subjektiv völlig anders. Die Lautstärke und die Windgeräusche sind aus meiner Sicht tadellos.
Gelegentliche leichte Zischgeräusche je nach Kopfhaltung sind auch hier unvermeidlich aber nicht gravierend.
Super finde ich das Visier und die Sonnenblende, die einen perfekten Blick bieten. Man hat irgendwie einen Panorama-Effekt. Vermutlich guter Blickwinkel in alle Richtungen.
Aber doch wieder das bekannte Problem: der Helm könnte einen Hauch kleiner sein. Ich liege weiterhin zwischen den Größen. M drückt an der Stirn und ist relativ eng, L ist einfach minimal zu weit. Letztens hatte ich beim Modell FG-ST Größe M gewählt und musste dafür etwas leiden. Diesmal ist es nun das sehr angenehme komfortable luftige L mit der leider größeren Helmaussenschale.

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