Kleine und leichte Motorräder Teil 2

Siehe auch Teil 1 des Artikels.

Die These

Nach 20 Jahren mit unterschiedlichen Motorrädern jammert es sich vom hohen Ross herunter. Über die Jahre haben sich meine Vorstellungen vom Idealmotorrad verfeinert, und Manches wurde über die Zeit auch verworfen. Eine unwiderrufliche Erkenntnis ist geblieben. Motorräder sollten leicht, schmal und zierlich gebaut sein. Die Motorcharakteristik ist schon auch relevant, aber allein die Motorleistung ist für mich zu einem zweit- oder drittrangigen Kriterium geworden.

Mit der 2016er MT-07 besitzen wir ein Motorrad, dessen Motor uns vom ersten Tag an überzeugt hat. Bullig, breitbandig, druckvoll, dabei unpenetrant, wirtschaftlich, anfängerfreundlich und problemlos. Das kann was. Ich könnte mir kein Mittelklassemotorrad vorstellen, welches bei auch nur annähernd vergleichbarem Kaufpreis gleichziehen kann. Das große Manko der MT-07 ist ihr fragwürdiges Fahrwerk, welches man definitiv bearbeiten müsste, wenn man mit dem Fahrzeug unbedingt ambitioniert fahren wollte. Machbar ist das, also kein Showstopper. Mein persönlicher Einwand ist noch die etwas hecklastige Ergonomie. Ich hätte den Sitz gern ein paar Zentimeter näher am Vorderrad und das Heck etwas kürzer, also mehr in Richtung der MT-09 gestaltet.

Jetzt ist es aber so, daß meine knapp 1000 Eur günstigere R3 das Motorrad ist, mit dem ich lieber fahre. Bis heute ist mir der Grund dafür nicht bewusst. Der Motor ist viel weniger lässig, auch nicht bullig. Die Wirtschaftlichkeit ist nicht besser als bei der MT-07, aber die R3 ist spürbar leichter, schmäler und fahraktiver, und das scheint halt mal wieder zu stechen. Was soll man also an der MT-07 herumdoktorn, wenn der Fall ohnehin klar ist.

Die Ausnahme

Es gab in den bisherigen knapp 20 Jahren mit Motorrädern inklusive Leihfahrten mit diversen teils starken und/oder schweren Motorrädern genau eine belastbare Ausnahme von meiner Regel: die Honda NC700X mit DCT. Nach dem Verkauf meiner NC kann ich nach wie vor nicht ausschließen, eines der Nachfolgemodelle nochmal anzuschaffen. An der NC hat mich immer die etwas plump aussehende Form sowie das hohe Fahrzeuggewicht, welches man entgegen vielerlei Aussagen sehr wohl auch beim Fahren merkt gestört. Technisch war bereits die 2012er NC700X (52PS Version, DCT) ein erstklassiges und sehr gutmütiges Allround- und Tourenmotorrad, das deutlich mehr konnte als man ihm ansah. Zudem war die NC wirtschaftlich, haltbar und unglaublich praktisch. Und sie hatte auch optisch ihre attraktiven Seiten. Es kam auf den Blickwinkel an.

Honda NC700X DCT
Honda NC700X DCT

Honda behält leider auch bei der aktuellen Version diese etwas althergebrachte und plumpe Form mit dem lästigen Schnabel vorne bei. Abgesehen vom supernützlichen Gepäckfach statt des Tanks, sowie dem liegend eingebauten großen Motorblock (beides halte ich für unverzichtbar, nehme es also in Kauf) gibt es dafür wenig Gründe. Dies hätte man optimieren können. Wie dem auch sei, es ist ein technisch hervorragendes Tourenmotorrad mit einem brauchbaren Fahrwerk und einer narrensicheren Bremsanlage für vergleichsweise wenig Geld, auch wenn es visuell nicht 100% meine Ansprüche erfüllt.

Die ideale Abrundung

Seitdem wir die Garage 2016 völlig umgekrempelt haben, fehlt ein Fahrzeug mit wenigstens dezenter Offroadfähigkeit. 2017 brachte Honda die CRF250Rallye, und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr verstehe ich, warum ich dieses Motorrad anschaffen muß. Man bedenke dabei auch, daß ich mit den Neupreisen von R3 und CRF250Rallye zusammen genommen beispielsweise noch keine Africa Twin, zur Not gerade einen X-ADV Roller beschaffen könnte. Daß auch meine Frau an der CRF250Rallye Gefallen gefunden hat, macht es nur besser. Die Idee, zwei solche CRFs in der Garage zu haben, erfüllt mich mit großer Vorfreude. Wir kommen langsam in eine Phase, wo die Möglichkeit eines Motorradurlaubs zu zweit realistischer wird. Gibt es ein besseres Urlaubsmotorrad als die CRF250 Rallye? Klares NEIN. Sorry, Bigenduristen. Siehe auch dieses aussagekräftige informative Youtube-Video über die Honda CRF250 Rallye.

Honda CRF250Rallye
Honda CRF250Rallye

Wie das gehen soll, ist momentan nicht klar, denn keines der vorhandenen Motorräder könnte leichten Herzens verkauft werden. Meine R3 würde ich aktuell nicht freiwillig hergeben, und meine Frau würde nicht auf die MT verzichten. Der Weg dahin ist also noch verblockt. Das wird mich als dreifachen Granitbeisser Enduristen nicht abhalten können.

Die Alternative

Ein Motorrad, welches meine Wunschvorstellung quasi ideal verkörpert, wäre die kleine Duke, unbedingt in der aktuellen 2017er Version mit dem etwas leiseren Auspuff und einigen qualitativen Updates. Das ist maximal viel Motorrad und Fahrspaß fürs Geld, wie meine vormaligen Fahrten bereits deutlich bewiesen, und sie liegt als Funbike irgendwo zwischen allen Stühlen, was ich perfekt finde. Ich hatte 2016 der R3 den Vorzug gegeben und bereue das nicht. Heute würde ich mir die neue 390er nochmal ganz genau ansehen, denn da kann man sagen was man will, KTM verzichtet bei der Kiste auf die typischen ärgerlichen Billig-Detaillösungen anderer Budgetbikes. Wenn sie also funktioniert, hält und wirtschaftlich ist, dann stimme ich mit dem Slogan überein: „mehr Motorrad fürs Geld wird ganz ganz schwierig“.

KTM Duke 390 2017
KTM Duke 390 2017

Traumvorstellung

Hätte ich also nach knapp 20 Jahren mit unterschiedlichen Motorrädern und zahlreichen Leihmotorrädern und sonstigen Probefahrten Kohle im Überfluß, so sähe meine Motorradgarage aktuell genau wie folgt aus:

  • Yamaha YZF-R3 für den Flow, die präzise Linie, die fahrerische Selbstfortbildung
  • Honda CRF250 Rallye für den Urlaub, Abhauen in den Süden, Navigationsexperimente, gelegentliche Offroadausflüge
  • KTM Duke 390, falls mich der Hafer stäche, das gelegentliche Kleinstraßenhatzerl, wenn es eh wurscht ist.

Das wären drei coole, universelle, unterhaltsgünstige Motorräder zum Preis eines einzigen Edel-Sportmotorrades: Zu viel für mein Budget, aber trotzdem eine schöne Vorstellung. Real sieht es so aus: Die R3 steht in der Garage. Die CRF ist Wunschkandidat, allerdings ohne Verkauf der R3 nicht zu machen. Die flinke Duke hat zu viel Überdeckung mit unserer zwar schwereren, dafür cooleren und nervfreien MT-07, insbesondere nach deren Fahrwerksupgrade.

2 thoughts on “Kleine und leichte Motorräder Teil 2

  1. Servus Phil,
    danke für diesen Blog. Ich lese sehr gerne deine Berichte, da sie einen Bereich der Motorradwelt beschreibt, die Hingänlich als uninteressant und nicht vollwertig beschrieben wird. Allein in meinem Bekanntenkreis sind nur Hubraum, PS und europäische Motorräder interessant und ich mit meiner 600 Yamaha, ein klein bisschen belächelt werde. Ich bin auch auf diesen Zug aufgesprungen bis zu dem Tag, wo ich deinen Blog gefunden habe. Deine Berichte über die R3 haben bei mir auch das Interesse an Hubraumschwachen Motorädern geweckt. Heuer im Herbst sofern die Zeit es mir erlaubt will ich die Duke 390 eventuell auch die RC sowie die Husqvarna Vipilen bzw. die Svartpilen testen.
    Ich freue auf weitere Berichte deinerseits und wünsche noch einen schönen Sommer.
    LG aus Kärnten
    Burki

    1. Perfekt, das freut mich sehr. Ich wünschte, ich könnte besser beschreiben, was mir das Fahren mit diesen kleinen Motorrädern so angenehm macht. Anschaffungspreis ist das eine, Flow das andere, Sorglosigkeit das Dritte, Fahrtechnik das Vierte, aber auf den Punkt bringen kann ich es schlecht. Die alte 390er fuhr gut, aber konnte mich technisch nicht überzeugen. Zu viele sofort auffällige Unzulänglichkeiten. Die Neue muß man sich ganz genau ansehen. Die scheint deutlich besser zu sein. Da bleibe ich auch selber dran. Erst neulich wieder war ich mit einer FZ8 Fazer unterwegs, und auch davor gab es gelegentlich stärkeres Material. Nicht eine dieser großen starken Kisten konnte bei mir einen Willhaben Reflex auslösen. Brauch i net. Aber das 1000PS Video der MT07, in anderem Artikel verlinkt und kommentiert, finde ich erstklassig. Da spricht jemand, dessen Meinung ich aufsauge und teile, und dabei kenne ich den Fahrer überhaupt nicht. Und fahren kann er noch dazu. 🙂
      Und Honda mit ihrer 2017er CRF250Rallye trifft bei mir einen besonderen Nerv. Das isses, perfekt zum Verpissen, Abhauen, einfach weg. Genial. Kaufen, bevors vom Markt genommen wird. Will ich. Sobald Kohle…

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