Kleingepäck am Motorrad

Spätestens mit dem Verkauf der NC700X, aber auch schon seit dem Verkauf der WR250R musste die Frage neu gestellt werden, wie man das allfällige Zeug für die üblichen Fahrten am Motorrad unterbringt. Die Honda NC700X löste das Problem mittels ihres genialen Kofferraums vor dem Fahrer. Die WR250R war als Enduro erstens sehr rucksackfreundlich, denn selbst sehr große Rucksäcke konnten dank der Endurositzbank problemlos befördert werden. Zweitens hatte ich dafür den hervorragenden Giant Loop Coyote Softbag, der ausreichend Platz für Wochengepäck bietet, ohne daß er beim enduromäßigen Fahren nennenswert störte.

Was ich nicht will

Harte Formkisten, Koffer- und Kistenträger und solchen Kram schliesse ich aus. Das Zeug ist schwer, häßlich und unförmig. Ein Softbagsystem sollte für meine Belange ausreichen, ist praktischer und zudem leichter. Als Radfahrer ist man ohnehin minimalistisch eingestellt, was das Reisegepäck angeht. Ebenfalls schließe ich für mich Tankrucksäcke aus. Ich mag vor mir freie Bahn haben und lege Wert auf Bewegungsfreiheit am Fahrzeug.

Der Giant Loop Coyote?

Von der Vorstellung, den eigentlich sehr praktischen Giant Loop Coyote an der Yamaha R3 montieren zu können, musste ich mich allerdings nach sehr kurzer Anprobe verabschieden. Der Coyote passt wirklich nur an schmale Enduros, und dort passt er super. Alles andere jedoch ist sinnlos. Das Teil ist zu stark vorgeformt, um es breiter verlegen zu können, zudem kann es hinten nicht eingehakt werden und würde den Lack beschädigen. Der teure und hochwertige Coyote liegt somit bis auf weiteres im Schrank. Schade eigentlich. Es gibt von Giant Loop wohl passende Gepäcklösungen für andere Fahrzeugtypen, aber momentan ist mir das finanziell zu hoch gegriffen.

Größere Rucksäcke

Die Yamaha R3 hat einen stark erhöhten Rücksitz, oder besser ausgedrückt: eine tiefe Sitzmulde. Will man die Rücksitzabdeckung nicht beschädigen, so darf man keinen großen schweren Rucksack auf den Rücken nehmen, der dann am Sozius aufliegt und dort scheuert. Man braucht also einen relativ hoch und straff sitzenden eng anliegenden Rucksack, der nach unten zu dünner wird. Solche Rucksäcke gibt es, sowohl in weich als auch in vorgeformt. Hier bin ich derzeit am evaluieren, was mir am meisten zusagt. Bevorzugen würde ich einen Rucksack, der den Rückenprotektor integriert hat. Das spart wieder viel Gefuddel bei den Klamotten.

Die Firma Louis bietet einen derartigen Rucksack mit ca 20l Volumen bezahlbar an, der im Normalzustand unten sehr dünn ist, aber ggfs. erweitert werden kann, sofern man mal mehr Platz braucht. Leider konnte ich dieses Teil beim heutigen Besuch nicht in Augenschein nehmen, weil nicht lagernd.
Zum doppelten Preis gibt es einen sehr ähnlich geformten etwas aufwendiger gemachten Rucksack mit harter Schale im Carbon Look, der allerdings etwas organizer- bzw. businessmäßig ausgestattet ist. Das wäre nicht mein Haupt-Einsatzzweck. Das Büro bleibt bei Touren daheim.

Die teuren schwedischen Boblbee Hardcases kommen mir in Bezug auf die Formgebung fragwürdig vor, weil sie unten den unnötigen Fortsatz nach hinten haben, der bei mir an den Soziussitz stoßen würde.

Von Givi gibt es mit dem EA104 ein brauchbar aussehendes gut anliegendes Exemplar, das ich mir ansehen möchte.

Büse bietet einen großen weichen wasserdichten 30l Rucksack an, der vermutlich gut für die MT-07, weniger für die R3 geeignet wäre, wenn man etwas längere Touren machen will. Erfreulicherweise gibt es das Teil in weiß, was nicht nur viel schöner ist, sondern auch beim Suchen im Rucksack insbesondere bei Dunkelheit absolut hilfreich ist.

Etwas teurer ist der Camelbak Kudu 18, der mit integriertem Rückenprotektor kommt und ein Fach für die Camelbak Trinkblase bietet. Bei langen Tagesfahrten in Italien ist das hilfreich. Eine solche Trinkblase besitze ich ohnehin. Mit 15l ist das Packvolumen allerdings begrenzt.

Warum man Taschen oft nun in schwarz kriegt, ist mir ein Rätsel. Das Herumwühlen in schwarzen Säcken und Taschen ist mühsam.

Kleine Taschen

Für die kurze Fahrt bzw. Tagestour reicht oft eine kleine Tasche aus. Im Idealfall wird man Papiere, Schlüssel, Geld, Handy, ggfs Verbandspaket transportieren. Hier findet mal wohl am einfachsten was passendes, und auch ich wurde heute beim Louis fündig. Sehr praktisch (und bei Kollege abgeschaut) ist ein Monorucksack:

Motorradrucksack diagonal
Motorradrucksack diagonal

Dieser Vanucci Rucksack hat einen zusätzlichen Halteriemen, der ein Verrutschen oder Flattern verhindert. Der Rucksack hat Platz für die oben genannten Kleinigkeiten, ist sehr robust, schnell zugänglich und angenehm zu tragen. Zudem stört er beim Sitzen auf dem Fahrzeug nicht. Ideale Lösung für eine Schönwetterausfahrt. Und sowas gibt es auch in größer.

Eine weitere gebräuchliche Variante ist die Hüfttasche:

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Hüfttasche

Diese Variante ist wasserdicht und dank Rolldeckel recht vollstopftauglich. Da bringt man schon was rein. Inwieweit sich das praktische Teil auf der R3 verwenden lässt, ist zu klären.

Eine empfehlenswerte Hüfttasche wäre auch die Givi EA108.

Allen solchen Taschen gemein ist die Anforderung nach einem reissfesten Verschluß und Riemensystem. Würde sich dieses lösen oder die Schnalle brechen, wie es bei billigen Täschchen doch gern mal vorkommt, dann wären alle Wertsachen futsch, und das vermutlich für immer. Und beim Motorradfahren hat man meistens andere Aufgaben, als ständig reflexhaft nach der Tasche oder dem Rucksack zu tasten.

Soft-Case für den Beifahrersitz

Wahrscheinlich wird man für längere Fahrten insbesondere für die MT-07 eine „Hecktasche“ brauchen, die es in den verschiedensten Größen und auch mit seitlichen Auswüchsen zur Montage auf dem Beifahrersitz gibt. Idealweise wäre so ein System leicht abnehmbar und zu transportieren, wenn man ins Hotel geht. Mit solchen „großen“ Gepäcklösungen werden wir uns längerfristig befassen und etwas für uns passendes anschaffen. Ich bin zuversichtlich, daß wir selbst für Urlaubsfahrten auf Seitenkoffer und Topcase weiterhin problemlos verzichten können, auch wenn das großartige NC700X Gepäckfach nicht mehr zur Verfügung steht, welches mir kurze Italientouren ohne externen Pack-Krempel ermöglichte, und zwar inklusive Regenklamotten darin.