Routingvergleich Openfietsmap – Velomap – Garmin Cycle Map

Das unerschöpfliche Thema Fahrradnavi lässt mich nicht los. Nach dem länglichen Rant neulich hier über die zuweilen fragwürdige Routenqualität meines Gerätes wird es nun wieder konstruktiver, denn ich habe ein wenig experimentiert. Das Gerät ist am aktuellen Firmwarestand. Das gilt auch für die hier verwendeten Kartensätze. Man hatte mir die OSM basierende Openfietsmap empfohlen, und den Versuch war es mir wert. Bis dahin hatte ich hauptsächlich die ab Werk aufgespielte Garmin Cycle Map, sowie testhalber gelegentlich die Velomap (wide) verwendet. Die zusätzlichen Karten wurden mittels Garmin Basecamp und Mapinstall aufs Edge Explore aufgespielt. Die Routing- und Vermeidungseinstellungen am Gerät wurden so gut es ging nach den Informationen der Kartenherausgeber angepasst. Als Routingmodus wurde „Rennrad“ verwendet, sämtliche Vermeidungen wurden abgeschaltet. Die Garmin Einstellung „nach Beliebtheit routen“ war stets aktiv, in der Hoffnung auf eine bessere Routenqualität.

Openfietsmap

Openfietsmap: Testroute am Edge Explore Navi
Openfietsmap: Testroute am Edge Explore Navi

[Update: diesen Absatz habe ich stark überarbeitet]
Die Openfietsmap hat bei meinen Versuchen lange Zeit gehunzt. Mit der ist nicht ganz einfach umzugehen. Es wurde zunächst aufgrund eines Forentipps zusätzlich zum Routingmodus Rennrad (vorweg: der scheint hier unbrauchbar zu sein) auch „Autofahren“ verwendet, wobei sämtliche Vermeidungen abgestellt waren. Auf die Routenergebnisse hatte es bei mir allerdings bei den ersten Versuchen keinen Einfluß.
Hier wird zunächst bei Ranshofen durch den Wald geroutet auf einer nicht asfaltierten ziemlich groben Schotterstraße. Die Strecke ist schön, aber das ist fürs leichte Asfaltrad (aka Rennrad) nicht gut, und auch mit dem schnellen Trekkingrad mit harten glatten Reifen ist es suboptimal. Ab Gundertshausen routet das Edge Explore mit der Openfietsmap leider dann die große Bundesstraße über Eggelsberg, Moosdorf, Lamprechtshausen, vorbei an Oberndorf, Anthering, und erst relativ kurz vor Salzburg gibt es dann wieder fahrradtaugliches Routing. Der Teil geht leider gar nicht, dies sind teils Kraftfahrstraßen, zudem Autopendlerstraßen. Das will, soll und darf man mit dem Fahrrad nicht befahren. Es resultiert zwar die kürzeste und flachste Route, aber in diesem Fall ist das irrelevant.
Ich vermutete in Anbetracht dieser ersten Ergebnisses, daß die gewählten Routingparameter nicht zu der OSM Kartenvariante passen, und das scheint auch tatsächlich so zu sein.

Ein weiterer Forentipp wies mich auf die OFM Basecamp Konfigurationsseite hin, und obwohl ich hier im Artikel Basecamp überhaupt nicht verwendet habe, sondern direkt am Gerät route, war das zielführend. Mit den Basecamp-Einstellungen aufs Edge Explore übertragen sieht es nämlich anders aus. Beispiel: touristische Routenführung erhält man im Automodus mit Einstellung „Zeit minimieren“ statt bisher bei mir „Distanz minimieren“, sowie aktiver Mautstraßenvermeidung, welche das Gerät zwingt, so viel wie möglich Radwege zu verwenden. Mit diesen Einstellungen dauert die Routenberechnung 5-10 Minuten lang, da möchte man verzweifeln, aber man erhält dann ein 83km langes sehr schönes und detailreiches Ergebnis entlang der Flüsse auf überwiegend geschotterten Radwegen. Das ist für meine Pendlerstrecke und für mein Fahrrad keine Option, aber es ist eine sehr gute Wahl, wenn man eben touristisch mit entsprechenden Trekkingrädern unterwegs ist. Insofern zähle ich das als Erfolg mit OFM. Für sowas ist die Karte am Edge offensichtlich gut verwendbar.

Um mich aber an meinen eigenen Zweck besser anzunähern, wurde dann erstmal die Mautstraßenvermeidung abgewählt, um etwas weniger touristisch zu fahren. Ansonsten verblieb weiter „Automodus“ und „Zeit minimieren“ aktiv. Damit erhalte ich – ebenfalls nach extrem langer zermürbender Rechenzeit – eine akzeptable Route, die wegen des hier bei meiner speziellen Teststrecke bei allen Karten irgendwie auftretenden ersten Schotterstücks im Wald bei Ranshofen und des 7km langen Schotterstücks an der Salzach („Treppelweg“) suboptimal ist, sofern man strikt Asfalt fahren will. Der Rest ist sehr ansprechend. Ok dafür.

Gehe ich nun zurück auf Rennradmodus, in der Hoffnung auf reines Asfaltrouting, so fahre ich sofort wieder Kraftfahrstraße. Das ist keine Option, das kann man vergessen.
Mit der OFM auf dem Edge verzweifelt man in erster Linie aufgrund der extrem langen und stromfressenden Rechenzeiten. Man kann nicht schnell mal eine Route testrechnen lassen, sondern da sitzt man ewig. In der Praxis ist das hinderlich, insbesondere wenn man unterwegs umrouten oder bei Wegänderung rerouten möchte, denn dann ist das Edge für z.B. 10min geblockt und im zweiten Fall dunkel. Mitgetestet habe ich noch die Vermeidung „unbefestigte Straßen“, was aber die charakteristischen Schotteretappen meiner Pendlerstrecke nicht eliminiert hat.

Alles in allem sehe ich nun bei der OFM echtes Potential bei Freizeitnutzung mit dem Trekkingrad, denn das macht einen guten Eindruck. Zum Pendeln muss man genau wissen, was man da einstellt und wie die Strecken dann sind, also für ein reines Asfaltrad scheint es ungeeignet, für Gravelrad ok. Der lange Mittelteil meiner Strecke wird in einem der oben beschriebenen Versuche ganz ausgezeichnet geroutet, hat aber eben den Schotteranfang und ebendieses Ende.

Der Modus „Distanz minimieren“, welcher für normales Radfahren empfohlen wird, ist auf meiner Teststrecke unbrauchbar. Nur der Modus „Zeit minimieren“ bringt echtes Fahrradrouting, aber mit den beschriebenen Eigenheiten. Ich belasse die Karte auf jeden Fall am Gerät, und im Laufe der Zeit werde ich damit noch meine Erfahrungen machen und vielleicht eine Parameterkombination herauskriegen, die den speziellen Zweck der Testroute in diesem Artikel erfüllen kann.

Velomap

Velomap: Testroute am Edge Explore Navi
Velomap: Testroute am Edge Explore Navi

Die Velomap routet mich immerhin keine Kraftfahrstraße, egal was ich einstelle. Hier matchen die Einstellungen besser mit dem Routingmenü im Edge Explore. Das erste Stück bei Ranshofen wird schonmal nicht über die Schotterstraße im Wald geführt, sondern an der normalen Hauptstraße entlang, wo teilweise ein Radweg existiert, zum anderen Teil ist die geroutete Strecke aber unangenehm. Das wäre optimierbar. Es geht dann auf einer Landstraße zügig zu den Trumer Seen, am Obertrumer See entlang, was ok ist, und schließlich über Elixhausen auf der Hauptstraße bis Lengfelden/Bergheim, was dann weniger gut ist. Das letzte Stück über Gaglham ist dann wieder ok, aber bringt ein paar Extra-Höhenmeter, die vermeidbar wären. Also sagen wir: ein mittlerer Kompromiss fürs Asfaltrad.

Dazu noch ein hilfreicher Hinweis direkt von der Velomap Webseite: die beiden Garmin Routingmodi „Distanz minimieren“ vs. „Zeit minimieren“ sind bei Verwendung der Velomap so organisiert, daß ersteres tatsächlich die Streckenlänge zu minimieren versucht, zweiteres eine möglichst attraktive Strecke zu routen versucht. Mein Beispiel hier entstand wie alle anderen Beispiele im Modus „Distanz minimieren“, weil es sich um eine Pendlerstrecke handelt. Verwendet man mit der Velomap „Zeit minimieren“, dann fällt zunächst die erheblich längere Berechnungszeit für die Route auf. Es entsteht eine tatsächlich schöne Route, aber leider mit hohen nichtasfaltierten Anteil. Diese Route entspricht dann quasi 1:1 der am Smartphone mit BRouter (siehe unterer Absatz dieses Artikels) im Modus Trekking-FCR-dry berechneten Route. Schalte ich dann zusätzlich eine Vermeidung unbefestigter Straßen, so verschwinden mehrere Schotterteile aus der nochmals stark geänderten Strecke, aber der längere Schotter-Waldweg zu Beginn bleibt, und die Höhenmeter werden erheblich mehr, was bei der Gegend plausibel ist, denn es gibt sehr schöne Strecken über den Haunsberg in Richtung Salzburg.

Bei der Velomap sind beide Routing Modi, also Distanz minimieren als auch Zeit minimieren verwendbar, ohne auf Kraftfahrstraßen zu landen.

Garmin Cycle Map

Garmin Cycle Map: Testroute am Edge Explore Navi
Garmin Cycle Map: Testroute am Edge Explore Navi

Hier sieht man die beste der reinen Asfaltvarianten. Das Anfangsstück bei Ranshofen ist amtlich, denn das ist die „gute“ Fahrradstraße. Dann gehts ähnlich übers Land wie bei Velomap, um allerdings dann ab Obertrum eine weitere und schönere Variante zu nehmen, die über Seekirchen dann auf der wunderbaren Ischlertrasse nach Salzburg hineinführt. Das ist geschickt und radfreundlich geroutet, und damit ist die mitgelieferte Garmin Cycle Map in diesem Vergleich bisher die optimale Variante für mich. Allerdings sieht es dann bei der Rückfahrt anders aus. Im letzten dieser Screenshots ist der Fehler sichtbar: 100km sinnlose Schleife weit durchs Land für den Rückweg, da spinnt das Ding dann. Der Grund könnte das altbekannte Routingproblem der Garmin Cycle Map über die Simbacher Innbrücke sein (nur in diese Richtung!), aber wissen tu ich das nicht. Also ein ärgerliches Fehlrouting, das bei Auftreten in unbekannter Gegend Probleme machen könnte.
Was für die Garmin Karte spricht: die Routenberechnung ist deutlich schneller als mit den anderen beiden Karten. Und das macht beim Echteinsatz wirklich was aus.

Kartenbild

Vergleich Kartenbild: Openfietsmap, Velomap, Garmin Cycle Map Nachtmodus
Vergleich Kartenbild: Openfietsmap, Velomap, Garmin Cycle Map Nachtmodus

Und hier noch ein grober Kartenbildvergleich der drei Kartensätze. Dieser Vergleich ist nicht 100% sauber, denn man kann das Kartenbild bzw. den Detailreichtum am Gerät nach Belieben einstellen, und ich habe für jedes Kartenbild meine Präferenz eingestellt. Zudem ist der Ausschnitt und Zoomlevel nicht 100% identisch. Und es ist teilweise der Nachtmodus sichtbar. Man gewinnt aber einen groben Eindruck, zu mehr taugt der Vergleich hier nicht.

Fazit

Es bleibt dabei: die Radrouting-Patentlösung wird noch gesucht. Egal wie ich es mache, ich bekomme mit diesem Gerät so mittelprächtige Lösungen, mal besser, mal schlechter, manchmal auch gut, und leider gibts eben dann noch ein paar andere ärgerliche Probleme im Betrieb, auf die ich hier nicht eingehe. Dazu kann man meinen früheren Rant-Post lesen. Eine lange Rechendauer beim Rerouting kann im Fahrbetrieb extrem ärgerlich sein, weil das Gerät da unbedienbar wird und auch nichts anzeigt.
Die Hardware als solche ist gut, abgesehen vom fest verbauten Akku. Die Bedienbarkeit und Ablesbarkeit ebenso, und das Koppeln mit diversen Sensoren klappt auch einwandfrei. Das Finden einer geeigneten Route ist in der Tat Übungssache, also man muß in der Lage sein, die Parameter und den Routingmodus unterwegs passend zur Karte zu setzen. Eine Garantie für eine gute Route ist das aber nicht.
Man darf aber hinzufügen, daß hier schon auch auf hohem Niveau gejammert wird, denn ich kenne viele der Streckenvarianten nicht nur vom Radfahren her, sondern auch vom recht kreativen (im positiven Sinne) Motorradnavi, und ich bin in Anbetracht meiner regelmässigen Fahrerei auf dieser Strecke notgedrungen wählerisch und anspruchsvoll. Wirklich ausschliessen würde ich den Fall mit dem weitgehenden Bundesstraßenrouting. Das ist so nicht zumutbar. Alles andere kann man sich je nach Geschmack schon mal ansehen.
Und dass die Garmin Cycle Map für diesen typischen Asfalt-Testfall die beste Variante liefert, freut mich nun doch, denn gerade damit hatte ich vormals Frust. Anscheinend hat sich das System gebessert, denn ich vermeine mich zu erinnern, daß ich genau mit dieser Karte zu Beginn beim nagelneuen Navi genau das beanstandete Bundesstraßenrouting auch hatte und mich das richtig geärgert hat. Aber das ist alter Schnee und somit nun irrelevant.

Smartphone zum Vergleich

Fahrradnavigation per Locus Maps Pro mit BRouter Fastbike-lowtraffic Profile
Fahrradnavigation per Locus Maps Pro mit BRouter Fastbike-lowtraffic Profile

Für die Smartphonefreunde hier der Vergleich zur Locus Map Pro App mit openandromaps OSM Karte darauf, Strecke wie oben, geroutet durch BRouter mit Fastbike-lowtraffic Profil (Mit den kryptischen BRouter Profilnamen in Locus Map Pro kann ich nicht viel anfangen.). Zu sehen sind zwei Screenshots der Strecke bei eingeschalteter Navigation.
Die Strecke entspricht grob dem obigen Velomap Routing des Edge Explore, ist aber im Detail geschickter gewählt, also radfreundlicher und weniger hauptstraßenlastig. Anfangs wird ein schöner Radweg statt der großen Straße geroutet, aber auch hier nicht über die voll mögliche Distanz, und bei Salzburg vermeidet diese Route einige unnötige Höhenmeter am Plainberg. Das Stück bei Lengfelden ist auch hier suboptimal, aber etwas entschärft. Das zum Radfahren vermutlich beste und dabei flachste und schnellste Routing nach Salzburg Nord hinein, vorbei am Gußwerk, kennt keine der hier gelisteten Routen, aber BRouter ist – wenn man unbedingt eine kurze Route will – immerhin besser als das Routing auf den obigen Zusatzkarten. Das Routing der Garmin Cycle Map ist sicherlich schöner und radfreundlicher, aber eben auch länger, was bei der Distanz dann schon wehtun kann. Nimmt man nichtasfaltierte Wege in Kauf, dann wäre BRouter mit dem Trekking-FCR-dry Profil (o.ä.) ziemlich gut. Dabei entsteht eine Strecke, die ich so bereits mehrmals gefahren bin.

Das Kartenbild am Smartphone ist dem Mini Navidisplay überlegen und erlaubt sehr gut Planungsaktionen unterwegs, und die zahlreichen Features von Locus Map Pro können sehr hilfreich sein, beipspielsweise das Einfärben der Strecke nach Steigung. Die Bedienung ist verglichen mit dem Navi erheblich komplizierter und teils auch sehr fummlig.
Mehr Details zu meinen früheren Experimenten mit Locus Map Pro findet man in diesem Blogartikel. Davon wird natürlich einiges bereits outdated sein, denn die App wird permanent gepflegt und weiterentwickelt.

Warum ich ein robustes Navi am Lenker bevorzuge, wurde immer wieder mal im Blog beschrieben. Bei Schlechtwetter, Schweisseinwirkung oder Hitze werden (wetterfeste) Smartphones u.U. unbedienbar oder bedienen sich selbst. Der Akkuverbrauch ist extrem hoch. Man hat keine Chance, ein aktuelles Smartphone über einen Nabendynamo aufzuladen und somit in Dauerbetrieb zu halten. Das Smartphone wird beim Navigieren stark entleert, aber im Falle eines Falles bräuchte man es vielleicht zum Telefonieren. Die Zicken von Android sind oft kompliziert zu durchschauen. Ich habe sehr viel Zeit mit Experimentieren zugebracht, damit das Setup einigermassen brauchbar war. Die Sensoranbindung kann anfällig und mühsam sein, beim Navi geht das out of the box. Die Ablesbarkeit ist bei vielen Smartphones in heller Sonne bzw. Zwielicht bei starker Sonne unmöglich. Das Gerät ist mir zu groß für den Lenker. Und alles in allem: wenn man nach einer anstrengenden Fahrt schon am Zahnfleisch ist, hat man absolut keinen Nerv für irgendeine Art von Smartphonegefuddel. Da will man im Zweifelsfall einfach nur ein Ziel erreichen, so schnell wie möglich und ohne noch irgendeinen Gedanken an solche Themen zu verschwenden.

Für mich kann ein Smartphone durchaus bei der Planung als Landkartenersatz sehr hilfreich sein, auch bei der Suche nach Orten / Locations, aber fahren würde ich unterwegs mit dem Navi am Lenker. Das ist robust, simpel, gut ablesbar und bedienbar und tut unter allen Umständen (meistens) das, wofür es vorgesehen ist.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden .