Scooter

Leichte kleine Motorroller sind die lässigste und sorgloseste Art, Motorrad zu fahren… Huch, den Spruch hatten wir ja schon. Stimmt, zuletzt 2016 und 2017 hatten wir einen 125ccm Yamaha NMAX Scooter (126kg fahrfertig!) in der Garage, und diesen wirklich guten Motorroller vermisse ich. Und gerade auch die neue MT125 lässt diesen Wunsch wieder aufleben. Denn obgleich die neue kleine MT leicht, sparsam, wirtschaftlich, stets fahraktiv und leichtgängig und dabei visuell attraktiv ist, bevorzuge ich alles in allem überraschenderweise den NMAX Roller. Das war so überhaupt nicht klar, denn die MT hat eigentlich 2,5PS mehr, ein sehr brauchbares Fahrwerk, nicht nur im Vergleich mit den Minimal-Fahrwerksteilen des Rollers, sowie eine sehr fahraktive Ergonomie und Geometrie. Alles super, aber fährst du damit, dann merkst du: der Roller ist lässiger, entspannter, weniger mühsam. Mit der MT kann man in einen sehr schönen Fahrfluß kommen, sofern geeignete Kleinstraßen zu befahren sind. Fahrwerk, Bremsen, Fahrergonomie erlauben das. Aber der kleine Schaltmotor ist mühsam, dreht für das subjektiv Wenige an Beschleunigung ständig hoch, ist dabei unnötig laut und verleitet evtl. zu einer relativ ambitionierten Fahrweise („nie den Schwung verlieren“).
Das läuft beim NMAX Roller erfahrungsgemäß besser. Wir befinden uns ja in einer Fahrzeugklasse, die mangels Motorleistung den Reiz eben nicht allein aus Fahrdynamik bezieht, sondern aus Einfachheit, Leichtgewicht, Leichtgängigkeit, Sorglosigkeit, aus der Leichtigkeit des Zweiradfahrens (nicht zu verwechseln mit Unvorsichtigkeit oder Dummheit!).

Gute Motorroller?

Dank diverser Leihfahrten mit unterschiedlichen Motorroller-Typen, sowie während der Nutzung einer Reihe eigener Roller hat sich bei mir die Idee eines „guten Motorrollers“ entwickelt. Vollkommen klar ist, daß die Meinungen darüber, sowie die Nutzungsweisen sich von Mensch zu Mensch total unterscheiden, und somit ist nichts davon verallgemeinerbar.
Zwischen Einspur-Auto mit hohen Aufbauten, Scheibe, zwei Rückenlehnen, 1m breitem Armaturenbrett mit zahlreichen Rundinstrumenten, riesigem Polstermöbel als Sitzbank oder einer 50er Blech-Vespa mit Handschaltung gibt es noch ganz viel. Letzteres habe ich als Jugendlicher über zigtausend Kilometer bewegt, sowas möchte ich heute nicht mehr. Ersteres widerspricht meinem Hang zu leichten, leichtfüssigen, kleinen Motorrädern, da fehlt mir der Zugang.
Meine individuellen nicht verallgemeinerbaren Kriterien für gute Scooter sehen etwa so aus:

  • Leichtgewicht. Schwere Motorroller degradieren die Fahrerin bzw. den Fahrer bedingt durch Sitzposition und Fahrzeugmasse mehr oder weniger zum Passagier. Es ist fast wie im Auto: man sitzt bei vollem Komfort seine Zeit auf der Kiste ab, geringfügig beschwingter als im Auto, aber für meinen Geschmack zu behäbig und fad. Dabei ist man stärker auf die Fahrwerksqualität angewiesen, die bei Rollern konstruktionsbedingt häufig Nachteile hat, grade wenn die Strecke interessanter wird. Kompensierbar finde ich sowas am ehesten eben mit geringem Fahrzeuggewicht zusammen mit einem aktiven Fahrstil. Ein schweres Fahrzeug mit suboptimaler Fahrdynamik ist nicht meine Wunschkombination. Hinzu kommt, daß eine hohe Fahrzeugmasse die Fahrleistungen gerade bei bergigen Strecken doch stark einschränkt, weil sehr viel Masse den Berg hinauf zu schaffen ist.
  • Automatik. In der Tat, wenn schon Roller-Komfort, dann gerne der Verzicht auf die Schalterei, sofern das technisch gut gelöst ist. Die komplexe Lösung des Honda DCT steht dabei als das eine Extrem, die simple Riemenautomatik als das andere. Beides hat seine Vorteile. Beim leichten Roller wird man bei der nicht minder leichtgewichtigen simplen Riemenautomatik bleiben, weil dieses alte und einfache System auch heute noch erstaunlich gut funktioniert und wartumgsarm ist. Leider bringt es einem die schwere klobige Triebsatzschwinge als ungefederte Masse samt Motor ein (statt eines Getriebes), wenn man keine aufwendige Konstruktion wie beim Yamaha T-Max macht, und hat somit einen nachteiligen Einfluss auf die Fahreigenschaften. Bei großen schweren (teuren) Rollern finde ich das nicht akzeptabel. Da sticht Hondas X-Adv als Roller/Motorrad-Hybrid mit deren genialem DCT und Kette als Sekundärantrieb. Yamaha macht beim T-Max eine Art aufwendiger zweistufiger Zwischenlösung, um ein adäquates Fahrwerkssetup zu ermöglichen. Bei leichten Rollern akzeptiere ich die nachteilige und etwas unelegante Triebsatzschwinge aber. Es rumpelt ein bisschen mehr, evtl. muss man bessere Stossdämpfer spendieren. Überhaupt muß ein Roller supereasy in Bezug auf die Bedienung sein. Drauf und los. Einfaches Rangieren, kein Gefuddel mit irgendwas.
  • Beschleunigung. Für mich zwingender Bestandteil eines guten Motorrollers. Wenn so ein Ding nur lahm vor sich hin leiert, bleibt es bei unvermeidlichen spassfreien Kurzstreckeneinsätzen wie z.B. Einkaufen. Ansonsten meidet man das Ding. Ein moderner leichter Roller muß im Rahmen der Papierdaten sehr gut beschleunigen, das ist der Trick dabei, und das tun die besseren unter den 125er Dingern normalerweise auch, übrigens zuweilen sogar die schwereren Kandidaten! Wenngleich also die Riemenautomatik eine sehr simple und vom Wirkungsgrad her suboptimale Lösung ist, so ermöglicht sie doch einen Motor mit viel weniger bewegten Teilen und weniger Masse als beim Getriebemotor und hat insofern immer noch ihre Berechtigung. Der Motor läuft stets im Leistungsbereich und genau das macht den Unterschied. Das Ding geht besser als man vermuten würde. Diesbezüglich liegt meine Toleranzschwelle bei Rollern auch relativ hoch. Wenn das Ding nicht subjektiv gut geht, dann wars das.
  • Geringer Fahrlärm. Das ist für mich ebenfalls ein zwingend nötiger Bestandteil. Wenn der Motor (aufgrund der Riemenautomatik) ständig im Leistungsbereich dreht, muß der Fahrlärm besonders gut gedämpft sein. Andernfalls nerven diese Teile schmeissfliegenartig, wie man bei frisierten Automatikrollern manchmal vorgeführt bekommt. Das will niemand.
  • Fesch, praktisch und sparsam. Yes please. Hübsches elegantes technisches Design statt klobig skurrilem rollenden Sofa oder Oldtimer-Feeling, dazu praktische Features, gern etwas Wetterschutz wenigstens für die Beine, ein Gepäckfach, gute Manövrierbarkeit. Zu guter Letzt ein sparsamer wartungsarmer Antrieb. Dann stimmt das Paket für mich. Das Tolle ist: sowas gibts zu kaufen, nichtmal sehr teuer.

Es versteht sich, daß rein anhand der beschriebenen technischen Eigenschaften ein E-Roller der perfect Match wäre. Aktuell kommen diese Fahrzeuge aber noch nicht an die Leistungsdaten eines NMAX hin, kosten dafür bis zum doppelten Preis. Da tue ich mich insofern noch schwer. Denn für mich ist sowas ein Universalfahrzeug, in erster Linie zum Mittelstreckenpendeln (125km Roundtrip), ggfs. tatsächlich für lange Touren, sowie wenns ist auch für kurze Fahrten bei uns, wo ich mal nicht das Rad nutze oder zu Fuss gehe. Einschränken würde ich es jedenfalls nicht. E-Roller sehe ich heute auf einem Niveau irgendwo zwischen typischen 50ccm und 125ccm Einsätzen. Ich selbst reize aber 125er voll aus, also nutze diese Klasse deutlich über deren typischem Einsatzprofil. Ein echt schönes E-Fahrzeug wäre der Honda PCX als rein elektrische Version , aber die hier angegebenen (abgeschätzten?) Leistungsdaten sowie der Preis machen auch das für mich relativ uninteressant.

Zeitgemäß?

Wir sind seit 2016 mit den wirklich guten Yamaha MT-07 unterwegs. Das ist ganz viel Motorrad fürs Geld, dabei wirtschaftlich, völlig unpenetrant und ein umwerfend guter Motor. Damit sind wir auf einem Level, der jedweden Umstieg auf etwas Anderes schwierig macht. Das muß man sich gut überlegen. Die Frage, ob die MT-07 heute noch zeitgemäß ist, habe ich mir bereits gestellt. Aktuell wird man wieder zunehmend mit der Motorradlärmdiskussion konfrontiert (was ich verständlich finde), mit selektiven rigiden Speedlimits sowie Streckensperrungen (was mich als Alltagsfahrer und Nutzer dieses Verkehrsmitteltyps sehr ärgert), sowie mit Amokläufern, welche Todesfallen für Motorradfahrer/innen ausbringen (kein Kommentar). Das Problem ist größtenteils vermutlich von Motorradfahrern hausgemacht, keine Frage, und da gibt es aktuell zahlreiche informative Artikel dazu. Aber es ist wohl auch ein Anteil allgemeiner Feindseligkeit dabei. Sind es nicht die Motorradfahrer, dann trifft es eben andere. Die Frage ist: kriegt man das technisch in den Griff, kann man ausreichend kontrollieren und durch Messungen die Einhaltung der Vorschriften sicherstellen, und löst das dann wirklich das Problem?
Der Motorroller grenzt hier ein wenig ab. Das Ding wirkt eleganter, sanfter, völlig harmlos, es entschärft subjektiv diese Problematik. Natürlich wird man mit einem typischen Motorroller niemals so unterwegs sein, wie beispielsweise mit einer Supermoto auf entsprechenden Strecken, wenn man mal von der Fahrspaßseite argumentiert. Aber es ist auch nicht so, daß mit einem leichten flinken Roller die Fahrfreude auf der Strecke bleibt. Das ist für mich immer noch schönes und leichtfüssiges Fahren mit ein paar Einschränkungen bei der Fahrdynamik. Für mich funktioniert das ganz gut, indes erneut der Hinweis: ich verallgemeinere das nicht.
Und andererseits will ich als Fahrer eines leisen und unpenetranten Fahrzeugs wie der MT-07 eigentlich nicht klein beigeben in Bezug auf prinzipiell intolerante oder motorradfeindliche Mitbürger. Allein die Tatsache, Motorrad zu fahren darf nicht zu Benachteiligungen führen. Wir zahlen für den Betrieb unserer Fahrzeuge, genau wie wir generell volle Steuerlast tragen (übrigens auch als Radfahrer). Ich würde stets versuchen, das Nervpotential des Fahrzeugs gering zu halten, was aber selbstverständlich für alle Arten von Fahrzeugen gilt, und ich nehme dabei natürlich auch die manchmal selbstgerecht wirkende unglaublich große Schar der Autos in die Pflicht. Auch die können in ihrer massiven Anzahl im Alltag gewaltig nerven, wenn man seine Sinne ausnahmsweise mal von abgestumpft auf sensibel umschaltet oder einfach über eine Straße will und nicht drüber kommt. Das gilt insbesondere nicht nur für besonders penetrante und ärgerliche Lärmautos, sondern für den allgemeinen autobedingten Alltagsverkehr, an den man sich zwangsläufig leider gewohnen muß, ungeachtet der Frage, ob eine Fahrt „ernst“ oder „Spaß“ ist.
Auf mein ideales KFZ zur Invididualmobilität als Einzelfahrer werde ich nicht verzichten, sei es nun ein Motorrad oder ein Roller, gerne bei Verfügbarkeit auch ein bezahlbares Elektro-Zweirad. Ich brauche nicht 1,5t Metall um mich herum. Es reichen 120-200kg. 2-4l Sprit auf 100km sind erheblich weniger als beispielsweise 5-7l/100km aktueller PKWs, und ich sitze eben nicht stumpf im Fahrzeug meine Zeit ab, sondern nutze die Fahrt mental unter Einsatz der vollen Sensorik für mich.

Was jetzt?

Der Yamaha NMAX Roller ist absolut Klasse zu fahren, und in Bezug auf meinen letzten Minimalmotorrad Blog würde ich ihn gegenüber der MT125 bevorzugen, trotzdem die MT einen etwas geringeren Spritverbrauch aufweist. Ich würde mir aber aus Österreich statt unserer ehemaligen 125ccm Version gerne die 155ccm Variante mit 11,1kW Leistung importieren. Ob das dann ein Zweitfahrzeug für mich wäre, oder die gute MT-07 weg müsste, ist im Moment nicht diskutierbar. Ganz schwieriger Punkt. Die MT kann eigentlich nicht weg.
Wichtig beim NMAX wäre, daß nicht mehr die dramatisch schlechten – dafür praktisch verschleißfreien – Horror-Serienreifen des 2016er Modells drauf wären (die Serienbereifung wurde glaube ich inzwischen geändert). Checken würde ich, ob das LED Licht gegenüber 2016 verbessert wurde, denn der damalige Scheinwerfer war unzureichend für Nachtfahrten. Und wie schon damals würde ich zwei Features unseres noch früheren Honda PCX Rollers auch heute noch schmerzlich vermissen: den super eleganten Startgenerator mit Autostop Funktion und höchstem Coolness-Faktor (vielleicht kommt sowas ja 2021!), sowie den 8l Benzintank. Der winzige 6l Tank für defakto 200km Fahrt plus Reserve wäre die zu fressende Kröte beim NMAX.
Yamaha baut bereits einen neuen NMAX, und die Frage ist, ob und wann dieses Modell bei uns ankommt. Man liest von einer Traktionskontrolle (huch!), Smartphone Connectivity, 7,1l Tankinhalt (also weiterhin zu wenig), es ist erfreulicherweise ein anderer LED Scheinwerfer verbaut, und auch der beim PCX oben erwähnte Idle-Stop Mechanismus mit „Smart-Generator“ (also lautloses Anlassen über doppelt gewickelte Lichtmaschine statt Anlassermotor) existiert beim neuen Modell anscheinend. Mit 132kg ist das Neumodell zwar etwas schwerer, aber immer noch angenehm leicht. Sieh an, das klingt spannend. Und auch bei Honda wird wohl ein runderneuerter PCX kommen, den man sich ansehen muß. Warten lohnt sich vermutlich.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden .