Umrüstungen am Schaltnaben-MTB

Für echte Offroadfahrten hat das mächtige Fatbike, ein echter Crawler seit Anfang 2016 mein 2008er klassisch-cooles 2souls cycles Stahl-Hardtail MTB weitgehend verdrängt. Das ist fast ein wenig schade. Bei gemeinsamen Fahrten in der Familie ist das 2souls immer wieder zu Ehren gekommen, weil es echt gut läuft, weil es dank dem Mass-Rahmen hervorragend passt, und auch weil es ein richtig schönes funktionales und minimalistisches Rad ist. Der mehrmals verfeinerte Aufbau war gut durchdacht, und das merkt man auch jetzt noch. Das gilt auch für die problemlose, leicht laufende Alfine 11 Schaltnabe, mit der man stets sorgenfrei unterwegs ist.

Ursprünglich hatte ich das Rad mit einer 155mm kurzen TA Specialites Vega 4-Kant MTB Kurbel mit wechselbarem Schraub-Spider ausgestattet. Damals wollte ich das auch genau so. Heute hingegen möchte ich unbedingt längere Kurbeln fahren, also mindestens 170mm. In diesem Punkt besteht Handlungsbedarf, auch weil das Innenlager inzwischen Verschleiss zeigt und zunehmend Geräusche macht. Eine aktuelle Shimano XT Kurbel in 34-Zahn Single-Konfiguration mit 50mm Kettenlinie und mit einem Hollowtech II Innenlager ist inzwischen bestellt. Bis zum Eintreffen der Kurbel ergaben sich bereits einige sinnvolle Vorarbeiten, die sowohl beim Schrauben als auch bei der ersten Testrunde Freude bereitet haben.

2Souls Cycles MTB - Magura MT4 Vorderbremse
2Souls Cycles MTB – Magura MT4 Vorderbremse

Bremsen

Eine weiße Magura MT4 Bremsanlage lag bei mir seit mehreren Jahren ungenutzt in der Garage. Ein weiteres identisches Exemplar war am Streetstepper Hinterrad verbaut. Eigentlich war es naheliegend, die 2005er Magura Louise FR an diesem Rad durch die MT4 zu ersetzen, und am Streetstepper Hinterrad die ältere Louise FR zu verbauen. Die Louise Bremszange hat noch eine IS2000 Aufnahme und passt somit direkt ohne Adapter an den Streetstepper Rahmen. Die beiden MT4 Bremssysteme haben Postmount Zangen und verfügen jeweils über einen IS2000 auf Postmount Adapter, mittels dessen man sie am MTB anbauen kann. Die Länge der Bremsleitungen war bereits passend konfiguriert. Nur die alte Louise FR musste ich für den Tausch öffnen, weil die Leitung ungeschickterweise durch eine rahmenfeste kleine Öse geführt war. Für diese Teilerotation war kein Teilekauf nötig. Das sind dann Schraubarbeite, die mir besonders Spaß machen. Man kann auf diese Weise ohne finanziellen Aufwand überraschende Optimierungen erzielen. Man muß nur auf die Idee kommen.

Verfeinerungen

Pflege schadet einem Fahrrad nie, und dabei kommen einem dann eigentlich immer irgendwelche Kleinigkeiten in den Sinn, welche später beim Fahren dann wieder Freude machen, denn auch Kleinvieh macht Mist.
Bei diesem Wartungslauf wurde nach dem Bremsenwechsel selbstverständlich eine penible Justage der Bremszangen vorgenommen, so daß nun alles wieder 100% ohne Anschleifen läuft.
Zudem habe ich mich seit längerem mal wieder mit dem an diesem Rad fest verbauten Sigma BC 14.16 Radltacho befasst. Hat man die selbstverständlich gänzlich in Vergessenheit geratene Bedienung wieder erlernt, dann ist dieses Gerät wirklich nützlich, geschickt und praktisch. Es erfolgte eine genaue Kalibrierung anhand meines selbstkalibrierenden Garmin GPS mit Speedsensor. Die Einstellungen wurden überarbeitet und per NFC ins Sigma Portal gesynced, so wie man dann auch gefahrene Runden aus dem Tacho synced. Und das funktioniert absolut tadellos und superschnell. Würden nur diese zahlreichen elenden Händchenhalt Bluetooth Gerätesyncs (Edge, Kiox, …) auch immer so schnell und easy ablaufen, meine Güte wäre das schön.
Die Position des Gerätes am Lenker wurde überdacht, genau wie die Kabelführung. Zudem gab es eine bessere stabilere Befestigung der Halterung, einen neuen Lenkergriff rechtsseitig, sowie ein paar weitere Feineinstellungen. Bei der heutigen Inndammrunde durfte ich mich dann an der erstklassigen Fahrbarkeit und dem guten Leichtlauf dieses Schaltnaben-MTBs erfreuen. Das wirft keinerlei Fragen auf, die Konfiguration ist legitim. Ein 30er auf ebenem festem Schotter ist mit diesem Rad kein Problem, und man kommt auch Steigungen gut rauf, wenn man bedenkt, daß man mit der Alfine 11er Nabe nicht die ganz kurzen Übersetzungen eines Kettenschaltungs-MTBs realisieren kann.
Dann könnten auch die Reifen eine Erneuerung vertragen, denn deren Flanken scheinen sich an den Felgenhörnern langsam aufzulösen. Das ist ein wenig schade. Diese Reifen laufen sehr gut und sind nicht besonders schwer, dazu preisgünstig. Aber es wird sich passender Ersatz finden. Schlauchlosbereifung wird bei diesem Rad kein Thema. Die good old Spank Subrosa Evo Felgen sind sehr haltbar und zuverlässig. Da bleibt alles unangetastet.
Auf Ersatz wartet auch noch die von diesem Rad fürs Pedelec entliehene Syntace P6 Carbonsattelstütze. Die kommt zurück, sobald eine bereits bestellte leichte kürzere Thomson Alustütze eintrifft.

Die Gabel

Etwas schwieriger wird die Sache mit der Gabel. An diesem Rad hatte ich damals eine Pace RC40 Factory Limited Carbon-Stahlfedergabel vorgesehen, und die Rahmengeometrie ist auch darauf optimiert. Das war eine der letzten erhältlichen Gabeln von Pace, bevor deren Gabelsparte an DT Swiss ging, und es handelte sich hier um eine besondere limited Edition mit goldener Gabelkrone und ausgewählten Komponenten. Für diese Gabel hatte ich mich aus mehreren Gründen entschieden: sie besitzt eine Stahlfeder zur Federung, ist insofern relativ wartungsarm, dennoch aber sehr leicht dank der Bauweise aus Carbon. Zum anderen hat sie ein fast einzigartiges Feature, nämlich die sogenannte „Launch Control“. Damit kann man die Gabel in einer tief eingetauchten Position fixieren, was beim Bergauffahren auf griffigem harten Untergrund super ist, viel besser als der üblich Lock Mechanismus in einer hohen Position. Hier wird quasi die Zugstufe gelockt, nicht die Druckstufe. Dieses praktische System ist öldruckgesteuert und war leider über die Jahre weicher geworden. Beim Wiegetritt löste die Launchcontrol viel zu schnell wieder aus, und die Gabel kam unerwünscht wieder hoch. Meine erste Idee war, mal mit einem Gabelölwechsel zu beginnen. Inzwischen habe ich mich aber mit dem völlig in Vergessenheit geratenen Einstellmechanismus dieser Gabel befasst und herausgefunden, daß die Sache kontrollierbar ist. Besonders wichtig ist der kleine Threshold Versteller, wo man mit einem 3mm Inbus bei richtiger Position des blauen Einstellrades die Auslösehärte justieren kann. Das gibt mehr Raum zum Experimentieren. Doof nur, wenn man so wichtige Bedienelemente über die Jahre einfach vergisst.
Jedenfalls ist es nicht an der Zeit, über eine Neuanschaffung zu spekulieren, denn die damals überhaupt nicht billige Pace Gabel zeigt – was die Gleitbuchsen angeht – noch keinerlei Spiel, und sie arbeitet dämpfungsseitig nach wie vor präzise. Ob und wie man irgendwann mal ein Gabelservice macht, das wäre in der Tat ein Thema. Wahrscheinlich würde ich mich diesbezüglich an den mehrmals schon beauftragten Fahrwerksservice Haslacher wenden, denn die haben viel Custom Erfahrung und machen neben Motorrad Fahrwerken eben auch Fahrradsysteme.

Pace RC40 Gabel: Druckstufeneinstellung
Pace RC40 Gabel: Druckstufeneinstellung
Pace RC40 Gabel: Launch Control, Zugstufeneinstellung, Threshold
Pace RC40 Gabel: Launch Control, Zugstufeneinstellung, Threshold

Neue Kurbel

2Souls Cycles Stahlrahmen von 2008, Innenlagergehäuse 2020 in super Zustand
2Souls Cycles Stahlrahmen von 2008, Innenlagergehäuse 2020 in super Zustand
2Souls Cycles Stahlrahmen von 2008, Innenlagergehäuse 2020 in super Zustand
2Souls Cycles Stahlrahmen von 2008, Innenlagergehäuse 2020 in super Zustand

Hier ist erstmal das Innenlagergehäuse des 2008er Stahlrahmens zu sehen, welches sich nach der Innenlager-Demontage in einem hervorragendem Zustand zeigt. Von wegen vergammelnde Stahlrahmen, hier wurde Qualität gebaut. Das neu besorgte Shimano BB-MT800 Innenlager konnte direkt eingeschraubt werden (2 Spacer rechts, einer links), sowie die FC-M8000-1 Kurbel mit einem 34er Kettenblatt zusammengesteckt werden. Die Kettenlinie ist minimal breiter, aber das macht nicht viel aus. Das ganze System ist visuell und vom Material her deutlich massiver als die vorherige ganz oben im Artikel zu sehende filigrane TA Specialites Kurbel. Leider ist die Kurbelgarnitur dabei auch schwerer und etwas breiter. Ich hätte in der Shimano XT Klasse doch eine Nuance mehr Leichtbau erwartet, aber es ist wie es ist. Die längere Kurbel, sowie der Innenlagertausch waren auf jeden Fall notwendig.

Radlager

Kugellager 6804RS aus Hope Pro II Vorderradnabe
Kugellager 6804RS aus Hope Pro II Vorderradnabe

Das rechtsseitige Radlager der Hope Pro II Vorderradnabe war schwergängig geworden. Austreiben der Radlager bei dieser Nabe ist zum Glück recht einfach. Erforderlich sind Lager des Typs 6804 2RS in möglichst zuverlässiger Qualität. Es wurden beide Radlager gewechselt, aber das linksseitige Lager bei der Bremsscheibe war definitiv noch intakt. Die Hope Nabe ist von 2008, war allerdings nicht wahnsinnig viel gefahren worden.

2Souls Cycles Hardtail mit Shimano XT FC-M8000-1 Kurbel
2Souls Cycles Hardtail mit Shimano XT FC-M8000-1 Kurbel
2Souls Cycles Hardtail mit Shimano XT FC-M8000-1 Kurbel
2Souls Cycles Hardtail mit Shimano XT FC-M8000-1 Kurbel
2Souls Cycle Custom Hardtail
2Souls Cycle Custom Hardtail
2Souls Cycle Custom Hardtail
2Souls Cycle Custom Hardtail

Mit den hier beschriebenen und auf dem untersten Foto sichtbaren Umrüstungen hat das Rad nun aktuell etwa 13,3kg fahrfertig. Das ist nicht wenig für ein MTB, aber die Freude mit dem Rad leidet nicht darunter. Das Rad war niemals als Leicht-MTB oder Radsportgerät konzipiert, sondern als ein (zuver-)lässiger „barebone“ Allrounder, und als solches fährt und funktioniert es bestens.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden .