WR250R

Im tristen Winterausklang dahinsiechend habe ich nun die Garage hochgeheizt und die Yamaha WR250R vom Stollenreifen-Endurozustand zur Supermoto umgebaut. Dies läutet lt. meiner Definition das überfällige Ende des Winters ein.
Habe ich gedacht.
Hat nicht geklappt: weitere Schneefälle, nass und kalt, Bronchitis.

Wenngleich der Umbau den lethargisch herumhängenden Winter nicht vertreiben konnte, so hatte er trotzdem in technischer Hinsicht seinen Sinn. Die Hinterbremse hatte dringenden Wartungsbedarf. Bremskolben und Schwimmsattel-Lagerung wurden leichtgängig gemacht, Beläge wurden getauscht, sowie ein seltsamer Defekt am vorderen Belaghalteblech entdeckt: Eine Ecke war nach innen geknickt und flachgepresst.

Yamaha WR250R Supermoto UmbauDie Montage der Magura Radialbremsanlage machte den Wechsel des rechten Handschützers notwendig. Der Polisport Freeflow mit dem untenrum verlaufenden Haltebügel ist nicht mit der Magura 195 Bremspumpe kombinierbar. Also Wechsel des Gasgriffes auf aussen offen, Montage des rechten Acerbis-Handschutzbügels und der gesamten Bremsanlage sowie weiterer Kleinteile.
Das 13Z. Ritzel wurde gegen 14 Zähne getauscht und der Kettendurchhang angepasst. Dadurch erreiche ich einen deutlich geringeren Spritverbrauch sowie ein entspannteres Fahren mit höherer Geschwindigkeit gegenüber der serienmäßig kurz übersetzten lärmigen 13/42er Kombination. Dabei sollte man allerdings beachten, daß diese lange Übersetzung ungeeignet für bergige enge Strecken ist, da der Ganganschluß in den unteren Gängen dabei abreisst. Es empfiehlt sich nur für moderate Straßeneinsätze.
Die Federbeinlänge der WR250R ist einstellbar. Das ist ein sehr sinnvolles Ausstattungsmerkmal, mittels dessen die Fahrzeuggeometrie in einem weiten Bereich angepasst werden kann. Verbaut man wie hier ein kleines 17″ Vorderrad, so muß man die Yamaha hinten maximal absenken, um ein neutrales und präzises Lenkverhalten bewahren zu können. Nur so macht das wirklich Spaß. Fährt man das Fahrzeug mit voller Federbeinlänge bzw. steckt man die Gabel durch, so erhält man ein eigenartig übersteuerndes unsauberes Lenkverhalten, das sich entfernt so anfühlt wie ein halb-platter Vorderreifen.
Der Radsatz selbst ist dann schnell gewechselt. Zudem wurden Eigenbau-Achsprotektoren mit Gewindestangen an den Hohlachsen am Vorder- und Hinterrad verschraubt.
Schließlich wurde der kleinere Yamaha Motorschutz mit den weißen Plastikseitenteilen statt des dicken CRD Aluschutz montiert. Das hat nicht nur optische Gründe, sondern resultiert in einem leiseren Motorlauf, da die Resonanzen des großen CRD Bleches wegfallen.
Kilometerstand des Fahrzeuges ist aktuell knapp 33.000km, das ganze war bisher problemfrei. Aufgrund des damals vorgezogenen 30.000er Kundendienstes habe ich noch einen Öl- und Filterwechsel durchgeführt. Erstmals wurde nun Shell Advance Ultra Vollsynthetiköl statt wie bisher immer Motul 5100 Teilsynthetiköl eingefüllt. Die WR250R reagiert hörbar auf die Ölqualität durch einen sanfter klingenden Motorlauf. Auf die Erfahrungen mit dem vormals bei meinen KTMs verwendeten Shell Öl bin ich gespannt.

Yamaha WR250R Supermoto Umbau

Ich schätze diesen Umbau sehr: einerseits ermöglicht er effektiveres Asfaltfahren als mit Stollenreifen, weil der Rollwiderstand deutlich geringer ist. Andererseits sind trockene Schotterstrassen und leichte Offroad-Passagen dank der Federwege und des geringen Fahrzeuggewichts problemlos fahrbar. Beim Befahren grobsteiniger Strecken (Casera Lavardet beispielsweise) sollte man nicht übermäßig zügig drüberbraten, da die weichen Sportreifen sicherlich leichter Schaden nehmen, als harte grobstollige Enduroreifen. Vom Grip her ist es ansich aber kein großes Problem.