WR250RR

Bereits seit langer Zeit denke ich darüber nach, wie man der Yamaha WR250R ein Reiseenduro-Outfit im Stile aktueller Rallyemotorräder verpassen könnte. Frontverkleidung mit neuem Scheinwerfer, Seitenverkleidungen und ein großer aber schmaler Tank wären gefragt. Und all diese Teile müssten zusammenpassen und fixierbar sein. Der Lenkeinschlag darf nicht verkleinert werden. Das Fahrzeug soll nicht deutlich schwerer werden. Die Verkehrssicherheit darf nicht gefährdet werden. Von den technischen Details beim Tank ganz zu schweigen. Hier wirds richtig kompliziert: Passform zum Rahmen, Benzinpumpe, Sprit aus Seitenflügeln pumpen, Befestigung, Anschluß zur Frontverkleidung und Heckverkleidung, Hitzeschutz überm Motor.
Ohne CAD Kenntnisse und ohne ein 3D Modell des Fahrzeugs scheint es unmöglich, die Teile samt zahlreicher Inserts und Haltelaschen mit hinreichender Qualität und Passgenauigkeit zu laminieren. Zudem wären Konstruktionsgestelle und sehr komplizierte Formen notwendig. Ich halte das Vorhaben deswegen für unmöglich, wenn man nicht über die nötigen professionellen Kentnisse und Hilfsmittel verfügt. Aber es wäre ein unglaublich reizvolles Projekt mit begrenztem finanziellen Aufwand. Technisch wäre es grundsätzlich machbar.
Das folgende grobe Modell schränkt den Lenkeinschlag nicht ein und wäre sicherlich mit ausreichender Stabilität zu fertigen. Die Befestigung am Rahmen sollte dabei ohne Modifikationen an selbigem möglich sein.

Yamaha WR250RR Kartonexperiment
Yamaha WR250RR Kartonexperiment

Das Motorrad bliebe hoffentlich ausreichend schmal. Etwas breiter als in diesem Modell müsste es jedoch schon sein, wenn man Kraftstoff in den Tankseitenteilen haben will. Man hat einen relativ breiten rechtsseitigen Kühler neben dem Steuerkopf, der unter einem großen Tank seinen Platz braucht. Bei Rallyemotorrädern hingegen findet man einen einteiligen Zentralkühler vor bzw. unter dem Steuerkopf, der eine deutlich schmälere Verkleidungsbauform ermöglicht, dafür natürlich ungeschützter liegt und deshalb einen niedrigen vorderen Kotflügel erfordert.
Die seitliche Form des „Kartontanks“ kommt noch nicht annähernd an die Zielvorstellung hin. Der Tank müsste wesentlich weiter nach hinten und unten gezogen werden, um den Spritschwerpunkt tiefer und mittiger zu legen und weniger defektanfällig zu sein, und die beiden Seiten würden optimalerweise über eine große Motorschutzwanne an der Unterseite verbunden werden.

Yamaha WR250RR Kartonexperiment
Yamaha WR250RR Kartonexperiment

Aus Fahrersicht hätte man eine uneingeschränkte Enduro-Ergonomie.
Der Mittelsteg der Frontverkleidung hat auch bei vollem Lenkeinschlag Platz zwischen den Gabelholmen. Er würde den Scheinwerfer und die Scheibe halten. Die Seitenteile geben zusätzliche Stabilität.

Yamaha WR250RR Kartonexperiment
Yamaha WR250RR Kartonexperiment

Für meine Begriffe wäre ein solcher Umbau mit schlagfestem leichtem Aramid Laminat ein absoluter Traum-Umbau für eine Yamaha WR250R, wenn man die Form entsprechend verfeinern und eleganter gestalten könnte. Allein, die Durchführbarkeit für Laien wie mich halte ich für jenseitig.

Andere Projekte mit ähnlicher Zielsetzung

Bei den unten verlinkten ambitionierten und sogar motorsportlich eingesetzten Umbauprojekten wird der hohe Aufwand deutlich, selbst wenn man sich die verwendeten Verkleidungsteile nicht selbst designen und anfertigen muss. Meine weniger pragmatische Idee ist, ein Tank/Verkleidungsensemble aus einem Guß im Stile aktueller Rallye-450er zu erhalten.

2 thoughts on “WR250RR

  1. Servus,
    coole Idee. Ich hab mal bei jemanden eine Foto-Dokumentation gesehen, der sich selbst eine Motorradverkleidung hergestellt hat. Ich glaub es war eine 750er Super-Ténéré. Leider finde ich im google das grad nicht. Die Vorgehensweise ist ganz einfach. Er hat das nackte Motorrad erst mal abgeklebt und in dem Bereich wo die Verkleidung entstehen soll alles mit Bauschaum aufgefüllt. Aus dem Bauschaumklotz hat er dann quasi wie in Bildhauer den Positiv-Rohling rausgearbeitet. Von dem Rohling hat er dann ein Negativ erstellt, woraus quasi mittels Glasfasermatten die neue Verkleidung erstellt wurde. Tank lässt sich so natürlich keiner herstellen. Da ist man mit Metallen als Laie besser bedient.
    VG
    Roland

    1. Rallyeähnliche Verkleidungskits oder einfach Langstreckenumbauten von Enduros findet man häufiger. Insbes. für die von KTM bisher nicht als „Adventure-Version“ angebotene 690er, sowie diverse Yamaha Modelle gibt es teils Dakar-erprobte Kits.
      Der Denkanstoß, daß man sowas vielleicht selber machen könnte, erfolgte bereits vor langer Zeit durch den letztgenannten advrider.com Weblink (Eigenbautank) im Artikel, der ja auch ein ähnliches Bauprinzip wie von dir beschrieben verfolgt, nur mit Styropor.
      Mein Anspruch an einen solchen Umbau ist allerdings relativ perfektionistisch. Eine simple Lösung mit größerem Tank ist für die WR250R ja längst käuflich. Ein Heckhalter am praktischen seitlichen Rahmenanschraubteil für einen 2-5l Kanister wäre leicht beim kompetenten Spengler per Abkantmaschine anfertigbar. Das ist es in dem Fall aber nicht, was mich reizt.
      Wenn man bedenkt, dass die WR250R ein sehr gutes, sehr haltbares und sehr betriebsgünstiges Offroadmotorrad ist, das andererseits bei höheren Kilometerständen einen relativ geringen Wiederverkaufswert hat, dann bietet es sich doch an, hier eine Veredelungsaktion zu machen. Ein Aufbau im Stile einer aktuellen Dakar 450er wäre wunderbar überraschend und genial, aber ohne CAD und entsprechend professionelle Fertigungsmöglichkeiten dann wohl weit über dem Horizont eines Garagenschraubers. Die Kartonstudie zeigt ganz rudimentär, daß das Fahrzeug sowas optisch gut vertragen könnte, aber die Formgebung wäre extrem komplex und müsste aufwendigst durchdacht werden. Von der Anfertigung noch ganz zu schweigen.

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