Yamaha NMAX 125

Leichte kleine Motorroller sind die lässigste und sorgloseste Art, Motorrad zu fahren. Zwischen Motorrädern und Motorrollern unterscheide ich nicht. Die dazu meist heranzitierten Merkmale sind für mich irrelevant. Technisch wie optisch verfließen diese Fahrzeugarten ohnehin. Geplant war wegen neuer langer Pendlerstrecke die Anschaffung eines Honda PCX gewesen. Unser Vision 50 kommt weg. Allerdings scheiterte ich beim Versuch, ein 150ccm Fahrzeug zu erwerben. Der 125er war mir wegen der unnötigen Geschwindigkeitsabregelung nicht mehr so genehm. Hier kam mein Yamaha Händler ins Spiel, denn er hatte einen weißen NMAX 125 lagernd. Der NMAX war seit seiner Neuvorstellung im Jahr 2015 interessant, aber er hatte mich zunächst anhand der verfügbaren Informationen im Web nicht 100% überzeugt.

Nun: Seit dem heutigen Tag sind wir Besitzer eines nagelneuen weißen NMAX, und nach bereits etwa 100km mit dem Fahrzeug darf ich vorwegschicken, daß ich inzwischen gut damit leben kann, keinen PCX bekommen zu haben. Den NMAX hatte ich falsch eingeschätzt, da er von Beginn an als PCX Konkurrent vermarktet worden war. Das ist er aber nicht wirklich. Der NMAX unterscheidet sich stark vom PCX, auch wenn die Daten am Papier ähnlich klingen. Genaugenommen gibt es für meine Begriffe recht wenig Ähnlichkeiten. Allerdings vergleiche ich hier mit einer Erinnerung an meinen 2010er 1.Generation PCX, mit dem ich 12.000km gefahren war. Unten im Artikel vergleiche ich die beiden Roller noch ein wenig näher, zunächst schreibe ich aber noch ein paar Dinge zum NMAX.

Erste NMAX Fahrdaten

Yamaha NMAX 125 Display
Yamaha NMAX 125 Display

Die Anzeige wurde nach dem ersten Volltanken zurückgesetzt. Seither wurden 68km zurückgelegt. Die Füllanzeige ist immer noch noch ganz oben, was mich wundert, da der Tank nur 6,6l fasst.
Yamaha NMAX 125 Display
Yamaha NMAX 125 Display

Die Durchschnittsverbrauchsanzeige vermeldet 2,5l/100km für die 68km seit dem Rücksetzen. Es wurden leicht hügelige Überlandstrecken gefahren in entspanntem Fahrstil, aber auch immer wieder kurze Vollgasabschnitte. 2,5l/100km sind aber in der Realität nicht haltbar. Aktuell schätze ich, könnte der Verbrauch sich im Optimalfall bei ca 2,8l/100km einpendeln.
Stark geduckt habe ich übrigens lt. Tacho in der Ebene 115km/h erreicht. Bei einer ganz leichten Steigung kam der NMAX immerhin noch auf 94km/h. Die Tachovoreilung liegt allerdings bei etwa 7-8%, gemäß Vergleich mit dem Tomtom Rider 400.

Spritmonitor.de

NMAX Design

Steht man neben dem Fahrzeug oder sitzt man darauf, dann sieht man, dass der NMAX trotz des geringen Gewichts ein relativ bulliger Motorroller ist, auch im Vergleich zum PCX.
Man hat einen breiten Sitzbereich (noch kein Sofakissen, aber schon komfortabel), einen relativ grossen Motor/Antriebsschwingenblock und auch einen breiten Mitteltunnel. Sehr gelungen finde ich die Gestaltung des Armaturenbereichs aus Fahrersicht. Das gefällt und sieht ganz aktuell aus. Man imitiert weder Autoarmaturen mit Kaskaden lächerlicher verchromter Rundinstrumente, wie andere Roller es tun, noch ödet man den Fahrer mit einem billigen Plastik-Anzeigeinstrument und Glühbirnchen an (am besten noch mit Tachowelle usw.), sondern da sitzt zentral ein kleines gut ablesbares Digitalinstrument, das für meine Begriffe genau die richtigen Informationen liefert, sogar die Serviceintervalle!

Was mir heute erst klar geworden ist: der NMAX ist ein moderner Motorroller mit eigenständigem Design. Auch der PCX ist schick, aber er trägt noch einen Hauch von CUB in sich. Diese feine Note fernöstlicher bananenförmiger Mofas ist trotz des erklärtermassen europäischen Designs leider verblieben, und das hat mich immer gestört. Beim NMAX suchst du das vergeblich. Gut so!

Genial am NMAX: Anlassen ist wahlweise unter Betätigung des linken oder des rechten Bremshebels möglich. Hier wurde mitgedacht. Man kann den Roller also einhändig starten. Diese Notwendigkeit kommt bei mir oft vor, wenn man bepackt mit allem möglichen Kram in die Garage kommt.
Weniger genial am NMAX: Der Tankdeckel muß komplett abgenommen werden. Beim Wiedereinsetzen unbedingt die kleine Pfeilprägung vorne am Rand beachten. Setzt man den Deckel falschrum rein, so verklemmt er sich u.U. hoffnungslos. Das kann bei nächtlichen Betankungen an finsteren Tankstellen heiter werden.

Ebenfalls keine Meisterleistung ist der Scheinwerfer (LED Technik). Das Abblendlicht reicht nur sehr kurz. Das Fernlicht macht einen sehr schmalen Kegel, der bei kurvigen Strecken bzw. Schräglage absolut nicht ausreicht. Dieser Punkt trifft mich etwas, da ich regelmäßig längere Nachtfahrten in ländlichen Gebieten mache, wo man extrem aufmerksam sein muß.

Yamaha NMAX 125
Yamaha NMAX 125

NMAX vs. PCX

Abschliessend schreibe ich noch ein paar vergleichende Stichworte auf.
Der PCX ist etwas schlanker, der NMAX voluminöser. Der PCX wirkt subjektiv leichter, der NMAX ist objektiv leichter (was ich immer noch nicht ganz glauben kann). Der PCX fährt sich leichtfüssiger. Insbesondere bei höherem Tempo wird das Ding irgendwie sehr leicht. Das ist sicherlich auch ein Aspekt der sehr schmalen PCX Reifen. Ich mochte das sehr gerne.
Der NMAX hingegen fährt satter, komfortabler, dürfte auch spürbar stärker sein, ist auf jeden Fall in der Endgeschwindigkeit schneller, und im Moment sieht es sogar so aus, dass der NMAX verglichen mit dem alten PCX evtl. eine Nuance sparsamer ist. Daten vom neuen PCX habe ich leider nicht. Andere Tests bescheinigen dem PCX den sparsameren Motor.

Schräglagenfreiheit wird bei beiden Rollern durch das anscheinend bei allen Motorrollern ungemein ausufernde Hauptständergelöte limitiert. Ambitionierte Kurvenfahrweise empfiehlt sich nicht. Normales Kurvenfahren ist bei beiden Rollern möglich. Der PCX geht wohl eine Nuance schräger als der NMAX.

Der PCX ist etwa bei 95km/h (GPS) abgeregelt. Das nervt, so daß man unweigerlich beginnt, nach Abhilfe zu suchen. Beim NMAX hingegen käme man nicht auf die Idee, irgendwas an der Abstimmung ändern zu müssen.

Befürchtet hatte ich noch, daß mir der sehr geschickte und hervorragend funktionierende PCX Startgenerator mit der Start Stop Automatik fehlen würde.
Allerdings ist der Anlasser des NMAX keine Billigkonstruktion wie beispielsweise beim Vision 50, sondern er funktioniert sehr leise und präzise, so daß dieses Thema in den Hintergrund rückt.
Der NMAX Motor sieht größer aus als beim PCX, genau wie die ganze Schwinge, der Lufikasten und der Schalldämpfer. Das baut alles ziemlich breit. Der Honda ist da schlanker. Ungeachtet der Größe des Schalldämpfers klingt der NMAX kerniger als der PCX. Das müsste nun nicht sein. Es ist in Fahrt wohl vernehmlich, indes nicht unangenehm. Aber ich meine mich zu erinnern, dass der PCX bei höherem Tempo sehr leise lief.

Super ist beim NMAX die Funktion des Klappsitzes und Schloßes. Das wirkte damals beim PCX klappriger und billiger. Allerdings hat man beim NMAX eine Resonanzschwingung der Plastikverkleidung vorne innen zum Cockpit rauf. Hier werde ich evtl. irgendein Kunststoff-Gewebe hinterlegen.

Der aktuelle PCX hat 2l mehr Tankinhalt als der NMAX. Klarer Punkt zugunsten des PCX, wenn man weitere Strecken fährt. Für mich ist das nicht ganz einsichtig, denn der NMAX hätte im üppigen Mitteltunnel meiner Meinung nach eigentlich genug Platz für mehr Tankinhalt. Aber Yamaha muß ja für die Folgemodelle noch Luft nach oben lassen.
Für den PCX spricht zudem der vorhandende Bordnetzstecker im „Handschuhfach“. Dort könnte man ohne großen Aufwand ein Navikabel mittels billigem Standardstecker applizieren, wie ich es mir auch fürs Auto gebaut habe. Beim NMAX habe ich noch nicht nachgeforscht, wie ich an Schaltplus komme.

Navihalterung

Am Lenker ist nicht genug Platz für das ganze Zeug des Rider 400. Die teure Yamaha Halterung kommt also nicht in Frage. Allerdings gibt es unterhalb des Lenkers mittig eine dicke Schraube, wo sich für meine Begriffe hervorragend eine RAM Kugel anbringen lassen müsste. Von dort aus sollte es gut machbar sein, den Rider 400 in tiefer Position also unterhalb des Lenkers anzubringen. Damit wäre das Gerät auch gut geschützt.