Zeitgemässes Budgetbike?

Die Zeit der aufwendigen Motorrad-Umbauaktionen ist bei mir lang vorbei. Verschleißbehebung, Fahrwerk, kleine reversible Änderungen wie Hebel, Gerätestromversorgung oder kleine Scheibe sind akzeptabel. Abgesehen davon verbleibt die Technik und insbesondere der Antrieb völlig serienmäßig. Die 2017er MT-07 im Foto (Stand 18500km) hat kürzlich einen neuen Kettensatz und neue Reifen bekommen, und ich sinniere wieder mehr übers Motorradfahren, das sich bei mir seit langem vollständig in den Alltag integriert.

Ist dieses legendäre Yamaha Budgetbike mit dem immer noch ganz oben rangierenden CP2 Zweizylindermotor überhaupt noch zeitgemäß? Kann man – bzw. will man sowas heute noch fahren? Im Blog findet ihr zahllose Artikel zu technischen Details, Fahrwerk, usw., worauf ich jetzt nicht eingehen werde. You get what you pay for, und das ist hier immer noch ein exzellenter Motor. „Exzellent“ ist so ein Wort. Ich freue mich immer wieder, es so klar formulieren zu können: der CP2 ist sehr wirtschaftlich (bei mir knapp 4l/100km Verbrauchsschnitt lückenlos über die gesamte Nutzungsdauer, siehe Spritmonitor.de ), auffallend leise (nervfrei sowohl für Fahrer als auch die Menschen im Umkreis), gilt als unkaputtbar (lange Zeit Anführer der Motorrad Pannenstatistik), erfreut sowohl Motorrad-EinsteigerInnen, als auch langjährige FahrerInnen, erlaubt entspanntes ruhiges Fahren genauso wie aktives oder gar ambitioniertes Fahren, aber verleitet aufgrund der angenehm breiten Leistungskurve nicht zu unnötig aggressiver Fahrweise.

Ich hätte zur MT-07 mehrere Verbesserungsvorschläge, und damit meine ich nicht irgendwelche Lappalien („Sitz unbequem“, bla), sondern echte Änderungen, die man als normaler Hobbyist nicht hinkriegt. Trotzdem fällt es mir extrem schwer, ein Alternativ-Fahrzeug zu benennen, welches die MT-07 in ihrer simplen zuverlässigen hemdsärmeligen Universalität ersetzen könnte, selbst wenn ich dabei den Anschaffungspreis nicht berücksichtige.

Zwei Trends gäbe es für mich: zum einen würde ich wieder kleinere leichtere Fahrzeuge in Betracht ziehen, evtl. ein Rückstieg auf die inzwischen noch etwas sparsamere, leichtere und hübschere YZF-R3 des Modelljahrganges 2019, evtl. doch eine CRF250Rallye, deren Offroadneigung ich andererseits kaum bräuchte. Oder direkt eine neue hochwertige 125er wie die 2019er YZF125, die man sich ggfs. mit der Tochter teilt? Ja ich mag sowas, und sowohl Spritverbrauch als auch Unterhaltskosten wären bestechend. Zeitgemäß ist sowas insofern schon. Aber die MT-07 ist eben auch sehr betriebsgünstig und keineswegs ein Schluckschwein.

Der zweite Trend wäre das Elektromotorrad, aber wenngleich eine Zero SR/f schon sehr reizvoll ist und dabei auch unglaublich gut fährt, das ist preislich nicht meine Kragenweite. Anschaffungen dieser Größenordnung im Alltag zu bewegen widerstrebt mir. Da steckt einfach zu viel Kohle drin. Ja gut, und kaufen bzw. finanzieren müsste man das zunächst mal auch irgendwie, bevor man sich Gedanken über das Fahren mit sowas macht.

Die MT-07 ist als Pendlerfahrzeug, also als Ein-Mensch-Mobil aus meiner Sicht schon noch zeitgemäß. Die Frage ist, wie lange noch. Was gibt der gegenüber einem Auto viel kleinere ökologische Footprint noch her, und würde ich längerfristig auf die Fahrfreude mit einem solchen Motorrad verzichten? Meine Pendler- und Alltagsfahrten setzen sich zusammen aus Eisenbahn in Kombination mit Klapprad, dann reinen Fahrradpendlerfahrten mit dem Pedelec, und im lokalen Umfeld – was meine eigenen Erledigungen betrifft – meist Strida Klapprad oder Zu-Fuß-Gehen, nur bei großen oder schweren Sachen oder nötigen Personentransporten Verwendung des Familienautos. Ich möchte das gerne weiter optimieren, da muß man aber die anderen Beteiligten der Familie auch mitnehmen.

Update:
N-TV brachte einen treffenden Artikel zur 2018er Version der MT, den ich bestätigen möchte. Motorisch ist zur 2017er kein Unterschied, ansonsten gibt es Kleinigkeiten, aber keine wesentlichen Veränderungen. Ich nehme das zum Anlass für ein paar kleine nicht weiter aufregende Veredelungen, die in kommenden Folgeartikeln kurz beschrieben werden. Die Lust an diesem sog. „Einsteigerbike“ ist noch da. Vielmehr wäre ein Umstieg auf was anderes mit großer Wahrscheinlichkeit ein partielles Minusgeschäft, denn die Latte liegt hoch, nicht nur aufgrund des bestechenden Kostenfaktors der MT.

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